Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-24 · Heft 43 (24.10.1871) · p. Seite 862

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 43 (24.10.1871)
Date
1871-10-24
Page
Seite 862 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226842--29972-3252835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

862 nozaS mit der jüdischen Literatur und Anschauungsweise ist mit Recht ein größeres Gewicht gelegt; nur vermißte Res. mit Bedauern ein näheres Eingehen auf die vortrefflichen Arbeiten JoelS, welche das beste ausmachen, was bisher auf diesem Felde geliefert worden ist. Die bekannte Liebesgeschichte zwischen Spinoza und Elara Lau den Ende-ist mit Recht, nach dem Vorgänge Van Vlotcns, in die historische Rumpelkammer geworfen. Die eigenen Reflexionen des Verfassers über die Philosophie Spinoza's sind bedeutend beschränkt worden, besonders im Abschnitt VI «über den Tr. Tlieologico-politicus) und am Schlüsse, so daß diese Biographie einen streng geschichtlichen Charakter angenommen hat. In der Uebersetzung selbst ist der alte Text überall zu Grunde gelegt, aber eine bestimmtere, präcisere und zugleich philosophischere Ausdrucks- und Benennungswcise durchgeführt worden. Wer Spinoza auch nur oberflächlich kennt, wird wissen, von wie ungeheurer Bedeutung dies für das Verständnis; dieses Schriftstellers ist, dem man ohne genaue und allseitige Auffassung jedes Wortes und zumal der wichtiger«, grundlegenden Begriffe nicht zu folgen im Stande ist. Die Briefe sind durch sechs neue, seit 1841 aufgefundene vermehrt. Dabei ist auch bei ihnen der Styl genauer dem Originale angepaßt, und die Ueberschriften sind sorgfältig nach den originalen verbessert. Ganz neu ist in dieser Ausgabe die Uebertragung des seitdem, freilich nur in holländischer Uebersetzung aufgefundenen Tractalus de deo et Iiomine, einer Jugendarbeit des Philosophen. Professor Schaarscbmidt, welcher die ältere der beiden holländischen Handschriften — die eine stammt aus dem 17., die andere aus dem 18. Jahrhundert — bereits mit eingehenden Erörterungen über das Vcrhältniß der beiden zu einander und über ihre Entstehungszeit besonders hcrausgcgebcn hatte (Amsterdam, F. Müller, 1869), hat diese Uebersetzung besorgt. Zahlreiche erläuternde und textkritische Anmerkungen Schaarschmidts erhöhen ihren Werth und erleichtern ihr Verständniß. So sei denn diese allen Anforderungen entsprechende deutsche Allsgabe des Spinoza zumal den gebildeten jüdischen Kreisen herzlich empfohlen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 10. Oetober. (Privatmitth.) Unter den conservativen oder wie sic sich zu nennen belieben orthodoxen Glaubensgenossen unserer Stadt muß man doch zwischen den hier angesiedelten Rabbinern dieser Partei und ihren nächsten Anhängern und der größeren Menge dieser Farbe wohl unterscheiden. Die letzteren verschließen sich der ihnen sich anfdrängenden Einsicht nicht ganz, während die erfteren, fei es aus Fanatismus, sei es aus Eigennutz — beide identificiren sich gar zu leicht — alle Rücksichten außer Acht lassen, sobald eS ihre Stellung und ihren Vortheil betrifft. Jüngst befragte der Minister des Innern, Graf Eulenburg, einen der orthodoxen Partei angehorigen Banquier B. um seine Meinung über die, am Judengesetz vom 23. Juli 1847 vorzunehmenden Veränderungen. Dieser antwortete: Die Bestimmungen dieses Gesetzes über die jüd. Gemeinden müssen für die Provinzen aufrechterhalten werden, weil sonst eine heillose Verwirrung entstehen würde; aber für Berlin müßten sie aufgehoben werden! Man wird sich erinnern, daß diese Weisheit von der Mehrzahl der hiesigen Orthodoxen getheilt wird, wie sie sich in einer Petition im vorigen Jahre aussprachen, und hat ja auch diese Zeitung seiner Zeit darüber berichtet. Man beschränkte sich, die Erlaubniß zur Zweitheiligkeit der Gemeinde für Berlin auszusprechcn. Daß der Minister mit diesem Rathe nicht viel anzufangen weiß, kann man sich denken; aber er bezeugt doch zugleich, daß die hiesigen Orthodoxen, intmer mit Ausschluß der Rabbiner und deren wüthendften Anhänger, sich noch so viel Sinn für das Gedeihen des Judenthums bewahrt haben, um jene die jüdischen Gemeinden betreffenden Bestimmungen dieses Gesetzes nicht über den Haufen Wersen zu -wollen. — Hierbei mag erwähnt iverden, daß ein hiesiger Eorrespondent der Kölnischen Zeitung in der Nummer vom 6. Oetober sich als völlig unbekannt mit der Sachlage erweist, da er die jüdischen Gemeinden ermahnt, ihre Ansichten über das fragliche Gesetz dem Ministerium vorzulegen. Er weiß also nicht, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.