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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-24 · Heft 43 (24.10.1871) · p. Seite 861

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 43 (24.10.1871)
Date
1871-10-24
Page
Seite 861 (sequence 7)
Language
German
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861 spie aus vor ihm." Das ist die traditionelle Erklärung, vgl. Mischna Jebam. 106 d pvi rspTH und das. die Gemara: sp*, ■»irr'-ib •’r-n p-'s: "D. Auch Sifri z. St. sagt ausdrücklich, daß der Speichel nicht ins Gesicht, sondern vor dem Gesicht ausgeworfen wurde: D^pir: b"n Vis' Daher übersetzen Saadja und Tavus, sie soll vor ihm ausspeien. Auffallenderweise giebt es Onkelos, bem auch die sam. Par. und die Pesch, folgen, mit 'nirrrrz prrrr), nicht wie jer. Targ. I: -nwip pi->-ri; die erste Uebersetzung findet sich auch Jebam. 3V b, wird aber in Tossaphot 106 b. das. mit Recht in N^p np^n emendirt. Auch die meisten Ausgaben der LXX (wie die Alex., Aldina, Oxf., Constant.) haben liutzvoezat etg to 7to6ovj7tov. Die Lond. Polygl. hat jedoch richtig v.ecza zo 7rQoooj7Cov. Die Vulg. folgt der ersteren Lesart: Lpuetgue in laeiem Nlius." Hierzu fügt der Verfasser folgende Anmerkung: „Im Hinblick auf die wörtliche Wiedergabe des im Texte stehenden 1^:02 von Seiten so vieler alten Versionen wird der vor Jahren in so polternder Weise erhobene Protest gegen Hrn. vr. Philippson, welcher bekanntlich Deut. 25, 0 ebenfalls wörtlich übersetzte, auf ein bescheidenes Maß zurückzuführen sein. Vgl. Zipfer in der Beilage zu Nr. 21 der Allgem. Zeit, des Judenth. 1859." (Die citirte Beilage fehlt leider in unserem Exemplar der Zeitung und erinnern wir uns des Inhalts derselben nicht mehr.) Wir müssen gestehen, daß der kritische Sinn, den der gelehrte Verfasser gerade an dieser Stelle bewährt, uns keine große Bewunderung ablockt. Er giebt zu, daß unsere Uebersetzung die „wörtliche", also dem Worte entsprechende, demnach gerechtfertigte und berechtigte ist. Wie kommt er nun dazu, diese Uebersetzung in den alten Versionen „auffallend" zu finden? Wenn wir es begreiflich finden, daß er die Emendation in Tossaphoth von Jebam. 39, 2 „mit Recht" geschehen läßt, um die traditionelle Auslegung das. wieder herzustellen, so ist es dagegen unkritisch, die Emendation der Londoner Polyglotte als „richtig" zu bezeichnen, wo so viele Codices das Gegentheil haben, und die Vulgata erweist, daß die Uebertragung elg to tcQOGwrov die ursprüngliche, also richtige war. Hätte der Verfasser als seine eigene Meinung ausdrücken wollen, daß die traditionelle Auslegung die allein richtige sei, so hätte er dies geradezu aussprechen und erweisen müssen. Hierzu paßt aber wieder die Anmerkung nicht. Wie dem nun auch sei, wenn wir durch diesen Vorfall dazu beigetragen hätten, die Ueberzeugung wieder zu befestigen, daß im Judenthume die Freiheit und Selbstständigkeit der Halacha neben der Freiheit und Selbstständigkeit der Schriftforschung, Schrifterklärung und Schriftübertragung besteht, und beide seit ältester Zeit, auch durch die talmudischen und rabbinischen Epochen hindurch heilig gehalten worden ist: so würden wir auch jene Angriffe und Verlästerungen gern ertragen haben. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 11. October. „B. de Spinozas sämmtliche Werke. Aus dem Lateinischen mit einer LcbenSgefchichte Spinoza's, von Berthold Auerbach. Zweite Auflage. 2 Bände, Stuttgart 1871." — Nach dreißig Jahren erhalten wir hier eine zweite durchaus umgestaltete, verbesserte und vermehrte Ausgabe von B. Auerbachs bekannter Uebersetzung des Spinoza, die der verehrte Dichter damals seinem trefflichen, noch immer geschätzten Romane „Spinoza" folgen ließ. Die großen Schwierigkeiten, welche dieser Philosoph jedem Uebersetzer bieten wird, waren im Jahre 1841 um so größer, als weder eine deutsche Uebertragung noch, möchte man sagen, überhaupt eine genaue Kenntuiß des Spinoza vorhanden war. Seitdem ist diesem Uebelstande abgeholfen; zumal sind viele kürzere oder eingehende, theilweise oder umfassende Darstellungen des Spinozistischen Systems erschienen. So war eine Umarbeitung der früheren, trotz ihrer vielen Vorzüge doch auch häufig dunkeln und durch schiefe Ausdrücke entstellten Uebersetzung für Auerbach geboten. Er nahm sich hierzu eine tüchtige, auf dem philosophischen Gebiete wohl bewährte Kraft, den Professor Schaarschmidt in Bonn, zu Hülfe, und so ist die neue Ausgabe in jeder Beziehung wohl gelungen, und das gebildete und denkende Publicum Deutschlands, welches sich nicht nur damit begnügt, den Rahm von der Oberfläche des Wissens abzuschöpfen, wird aus derselben mit Nutzen und ohne zu große Schwierigkeit den genialen Denker studiren. . Die Biographie desselben am Anfänge des Buches ist, mit Benutzung der neueren und neuesten einschlägigen Werke unter Beihülfe des Dr. Ludwig Geiger völlig umgearbeitet. Auf den Zusammenhang Spi-

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