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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-24 · Heft 43 (24.10.1871) · p. Seite 860

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 43 (24.10.1871)
Date
1871-10-24
Page
Seite 860 (sequence 6)
Language
German
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860 neueren Versionen, in den Talmud, in dessen halachische und agadische Theile. in die Midraschim und . in alle rabbinischen Erklärer giebt den Beweis, wie man die vielfachsten, verschiedenartigsten, ja entgegengesetztesten Auslegungen, Deutungen, Anlehnungen und Uebertragungen gestattete, ja wie man sogar um einer Deutung wegen eine andere Lesart des Schrifrwortes (selbstverständlich nicht als die richtige, sondern nur als eine erlaubte) gestattete, ohne darin etwas Ausfälliges oder Verurtheilendes zu finden. Jedermann weiß, daß z. B. Naschi, welcher doch unter den rabbinischen Schrifterklärern am meisten den talmudischen und midraschischen Auslegungen sich zuneigt, auch diesen gegenüber zum einfachen Wortsinn immer wieder zurückkehrt und ihn geltend macht. Za, wir können sagen, diese Freiheit, die Schrift auszulegen, wurde bisweilen z. B. von den Mystikern geradezu mißbraucht, und selbst unjüdische und der heil. Schrift widersprechende Ansichten in das Schriftwort hin ein gepreßt. Es ist demnach zweifellos, daß Uebertragungen, die dem Wortsinn entsprechen, wenn sie auch mit der halachischen Auslegung nicht übereinpimmten, im Judenihume niemals verpönt waren, daß die Halacha durch solche wörtliche Uebersetzung durchaus nicht als geschävigt angesehen, aber ebenso wenig jene durch diese gefesselt wurde. Hierin lag gerade die Freiheit und Selbstständigkeit der Halacha, daß sie von den wechselnden Ansichten über die Bedeutung eines Schriftwortes nicht berührt wurde, sowie andrerseits die Freiheit der Schriftforschung gewahrt blieb, welche sonst, nachdem die Halacha normirt war. völlig hätte aushören müssen. Es war also unserer Zeit Vorbehalten, diesen großen Grundzug der jüdischen Schriftforschung anzugreifen, wo möglich für null und nichtig zu erklären und auszurotten, ein Unternehmen, das freilich nicht gelang und nicht gelingen konnte, um so weniger als, wenn man die halachische Deutung als die allein zulässige bei der Uebersetzung der heil. Schrift hätte durchführen wollen, diese ein sehr sonderbares Aussehen bekommen haben wurde, welches an vielen Stellen aller Grammatik und Lexikographie, allem Zusammenhänge der Worte und Sätze Hohn spräche. Immerhin aber bleibt es ein Charakterzug der neuesten Zeit, diesen Versuch gemacht zu haben, und hierin liegt wohl, so klein und kleinlich die Sache an sich war, das Bedeutsame des Vorganges, welcher deshalb, wie wir sehen, nicht unvergesien blieb. Als wir das ran „in sein Angesicht, nicht „vor ihm" übersetzten, lag nicht bloß die Absicht, sondern auch selbst die Meinung von uns fern, der halachischen Vorschrift irgendwie zu nahe treten zu wollen. Wenn als der Grund der letzteren an den betreffenden Stellen angegeben wird (Jebam. 106, 2), damit die Richter den Speichel sehen können, so liegt für uns noch daß Motiv der Anständigkeit bei der Ausübung dieser Ceremonie (Chalizah) vor, um die halachische Vorschrift zu respectiren. Wir übersetzten es so, weil das Wort es so verlangt, weil die Parallelstclle 4 Mos. 12, 14 msa pv pv von allen Uebersetzern „hätte er ihr ins Angesicht gespien" übertragen wird, also eine Verschiedenheit an beiden Stellen ungerechtfertigt erscheint, und weil die Septuaginta und Vulgata, Onkelos, die Sam. Par., die Pesch, und selbst Jebam. 39, 2 unsere Stelle (25, 9) auch „ins Angesicht" übersetzen. Bei solcher» Grunde und bei diesen Vorgängern konnte, man auf einen derartigen Angriff nicht rechnen. Es mag wohl sein, daß die Verketzerung seitens jener Zeloten und derer, die sich ihnen angeschlosien, der zu gründenden Anstalt Mittel entzog, die ihr zu dauerndern Erfolge beigetragen hätten, aber verhindern konnte sie sie nicht, und viele tausende ihrer Bibeln sind seitdem verbreitet worden. Auch zögerten Männer wie Oberrabbiner Dr. Landau und Rabbiner Dr. Kämpf keinen Augenblick, sich uns zur Edirung der Bibeln als Leiter anzuschließen. Wir kamen diesen um des lieben Friedens willen, und weil die Sache an sich wirklich ganz unbedeutend, damit entgegen, in die Uebersetzung dieser Bibeln „vor ihm" zu stellen, selbstverständlich ohne in den folgenden Ausgaben unseres eigenen Bibelwerks eine Aenderung eintreten zu lassen. Wie gesagt, wir hatten dieses Vorgangs längst vergessen. Vor Kurzem nun wurde bei Gelegenheit des amerikanischen Streites von einem der dortigen Wortführer in den daselbst erscheinenden Blättern derselbe ausführlich wieder erzählt, um damit zu erweisen, wie sorgfältig die europäischen Rabbiner jeden Schritt beobachten, so daß, was von ihnen unbeachtet bleibt, keinen Anstand bei ihnen finde. Wir übergingen dies mit Stillschweigen. Soeben nun kommt uns ein in vielen Puncten treffliches und auerkennenswertheS Werk zu, welchem wir bald ein ausführliches Referat widmen werden: „Kritische Beleuchtung der persischen Pentateuch- Uebersetzung des Jacob ben Joseph Tavus von Dr. Alexander Kohut. Leipzig, Winter, 1871." Der Verfasser sagt S. 138: „XXV, 9 v:** np^i „sie

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