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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-17 · Heft 42 (17.10.1871) · p. Seite 845

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 42 (17.10.1871)
Date
1871-10-17
Page
Seite 845 (sequence 11)
Language
German
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845 Wir wünschen den günstigsten Erfolg hierin. Als aber die Schweiz die Vertreibung der Jesuiten in der Bundesverfassung feststellte, hatte sie den vollgültigsten Grund in dem durch die Jesuiten hervorgerufenen Sonderbundskriege. Wir zweifeln, ob gleich factische Motive für einen ähnlichen Beschluß des Reiches vorliegen. Ohne solche thatsächliche Erweise, blos aus der noch so wohl begründeten Meinung heraus, kann ein solcher Beschluß nicht gefaßt werden. Man hüte sich vor jedem Gewaltsacte auf dem religiösen Gebiete. Er wird sofort präjudicielt, und was heute gegen Diesen, kann morgen gegen Jenen geübt werden. Es kommt also Alles darauf an, welchen weiteren Verlauf diese altkatholische Bewegung nehmen werde, um eine wirklich motivirte und folgenreiche zu werden. Lestcncichischungarische Monarchie. Pest, 27. September. (Ung. jüd. W.) Die Versammlung ungarischer Juristen, welche in den jüngsten Tagen hier tagte, wählte unser Gemeindemitglicd Hrn. Di-. Brode zum Vicepräsidentcn. Aus Ungarn, im October. Die „Nr. fr. Pr." schreibt: „Tie jüngst verflossenen israelitischen Festtage haben an mehr als Einem Orte zu harten Eonflicten Anlaß gegeben. So sind nach der Fünfkirchener Ztg. in Büsü, einer Gemeinde des Oedeitburger Comitates, die beiden Parteien wegen des „Schofarblasens" so aneinandergerathen, daß der schwächere Theil die Intervention des Stuhlrichters in Anspruch zu nehmen genöthigt war und der Kampf erst dann sein Ende erreichte, als sechzehn der Angreifer verhaftet waren. Nachdem die Aufregung sich gelegt hatte, wurden dieselben wieder auf freien Fuß gesetzt." Prag, 22. September. Nach der hier erscheinenden Wochenschrift „die Wahrheit" war an den Vorstand des hiesigen „Tempelvereins für geregelten Gottesdienst" das von sehr zahlreichen Mitgliedern des Vereins Unterzeichnete Gesuch gerichtet worden, die für mehr als 5000 Gulden angeschafste Orgel nicht blos am Vorgottesdienst zu Freitag Abend den Ehorgesang begleiten zu lassen, sondern auch an Sabbathen und Festtagen. Der Prediger an diesem Tempel, Herr Dr. Kämpf, hat nun am Neujahrsfeste Gelegenheit genommen, hiergegen zu donnern. Laß Dr. K., wie das geitannte Blatt ausführt, schon seit langer Zeit sich sehr conservativ gerirt, wird ihm Niemand verübeln; daß er seine Gründe gegen die Orgel darlegt, ist auch in der Ordnung, wenn er auch alsdann dieselben als sehr schwach und ungenügend beurtheilt sich gefallen lassen muß. Daß er aber sichlhinreißen läßt, auf alle diejenigen zu schmähen, welche die Orgel bis jetzt vertheidigt haben, und diese allesammt als unwissend zu brandmarken, dies compromittirt den Mann, denn bei genauer Ueberlegung wird er sich doch sagen müssen, daß darunter Männer waren und seien, mit welchen er im talntudischen Wissen nicht concurriren kann. Er muß also seine Zuhörerschaft für äußerst beschränkt halten, um hierüber gar kein Urtheil ihr zuzutrauen. Ein anderer Leichtsinn bestand in der Behauptung, daß das blos gesprochene und gesungene Wort Gott besser gefalle, als das mit Instrumenten begleitete. Abgesehen davon, daß es für einen Sterblichen stets sehr kühn ist, auszusagen, was Gott gefällt oder nicht, wenn es sich nicht um eine sittliche That handelt, so hat Dr. K. mit dieser Behauptung gänzlich den biblischen Boden verlassen, und ebenso die Thora wie die Kethubim, ivas er doch wissen muß. Dabei fällt cs auf, daß Dr. K. feit längerer Zeit sich Localrabbincr von Smichow tituliren läßt, wo die Orgel an Sabbathen und Festen gespielt wird. Dies im Auszuge, was die „Wahrheit" über diesen Vorfall sagt. Frankreich. Paris, 2. October. (Privatmitth.) Die -Ulmnes isradlile universelle hat wieder ein Bulletin und zwar über das II. Semester 1870 und I. Semester 1871 versendet, welches weniger zwar durch die Bedeutung seines Inhalts als durch den Hinblick auf die Zeitereignisse interessant ist. Es bringt die Protokolle der Sitzungen des Eentratcomitös am 13. Juli, 25. Juli, 10. August, 29. August 1870, von denen nur noch die zweite (25. Juliunter Vorsitz von Crsmieux gehalten wurde, die anderen unter Vorsitz des Großrabbincr Isidore. Alsdann noch Sitzung vom 6. November 1870 während der Belagerung mir freilich nur augenblicklich nothwendigen Maßregeln beschäftigt. Dann wieder Sitzung vom 12. März 1871, 19. Juni, 5. und 26. Juli 1871, die beiden letzten wieder unter Vorsitz von Eremieu^. Die Hauptgegenstände der Be- 42*

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