Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1871)
- Date
- 1871-10-17
- Page
- Seite 843 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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843 Dinge Geld ausgeben. Man lasse sie völlig unbeachtet, und denke daher 2) an keine Widerlegung. Mit ehrlichen wahrheitsliebenden Gegnern läßt sich, und wenn sie noch so entschieden sind, streiten, nicht aber mit Pamphleischreibcrn. Was nun Hrn. von Scharfsenstein specicll betrisst, so wäre es am füglichsten, ein Exemplar dieser Schriften einem und dem anderen tüchtigen Rechtsanwalt zu übergeben, um ihn durch recht viel wohlbegründcte Verlcumdungsprocesse zu überzeugen , daß cs auch in Deutschland gegen derartige Hetzer ein Recht giebt. Er wird sich dann in Zukunft ein wenig mehr mcnagiren. Breslau, 3. Oktober. Am 8. d. feiert Herr Oe. Zacharias Frankel, Director des hiesigen jüdischtheologischen Seminars, seinen siebzigsten Geburtstag. 1801 in Prag geboren, 1832 zum Leidmeritzer Kreisrabbiner gewählt, wurde er 1830 als Oberrabbiner nach Dresden berufen und 1854 zum Seminardirector nach Breslau. Man kann voraussetzen, daß die vielen Freunde des verdienstvollen Mannes die Gelegenheit wahr nehmen, ihm ihre Anerkennung auszudrücken. Straßburg, 2. Oct. Wie wir vernehmen, sagt die Straßb. Zeitung, hatten die hier eingewanderten deutschen Israeliten an ihren jüngst verflossenen hohen Feiertagen einen Separatgottesdienst veranstaltet. Es geschah dies indeß nicht, um etwa eine Spaltung zwischen diesen und der hiesigen Gemeinde hervorzurufen , sondern lediglich ans dem Grunde, weil die hiesige Synagoge nicht Raum genug darbot. Die Gemeinde unterstützte das Unternehmen, wie anerkennend hervorgehoben zu werden verdient, durch Neberlassung von Gesetzrollen und anderen heiligen Geräthschaften in bereitwilligster Weise. Am Gottesdienste nahmen circa 100 Personen Thcil, darunter einige Elsässer und der größte Theil der hier garnisonirenden Soldaten mosaischen Glaubens. Zugleich wurde bei dieser Gelegenheit wohl zum ersten Male hier in Straßburg' unter den in der Synagoge üblichen Gebräuchen das Gebet für das Wohl dcS Kaisers in deutscher Sprache gesprochen. Straßburg, 1. -Oktober. lPrivatmittheil.l Jetzt endlich beginnen die Dinge in Elsaß-Lothringen eine etwas festere Gestalt anzunehmen, nachdem sie ein volles Jahr hindurch in einem Schwanken und einer beständigen Veränderung begriffen waren, die sich freilich durch die Neuheit der dortigen Verhältnisse erklären lassen, immerhin aber für das Land selbst von Nachtheil waren und das Ansehen der neuen Negierung bei den Bewohnern beeinträchtigten. Herr v. Kühlwetter, der erste Oberpräsident, hat sich durch sein autokratisches und streng reaktionäres Auftreten nur Gegner erweckt. Darauf wurde bekanntlich der militärische Gcnerglgouvcrneur, General v. Bismarck- Bohlen, auch mit der Leitung der Eivitangelegenheiten betraut. Er erwies sich als ein allseitig wohlwollender und vorurtheilsloser Mann, der sich persönlich großer Beliebtheit erfreute; aber da er in dem Verwaltungsfache gänzlich unerfahren war, riß eine allgemeine Anarchie unter den Behörden ein, die sich in zusammenhanglosen, ja einander widersprechenden und sich gegenseitig aufhebenden Dekreten äußerte. Nunmehr aber ist eine definitive Einrichtung im Wege, theils durch die Bildung der neuen Gerichtshöfe, theils in Folge der Ernennung, des Herrn v. M.öller zum ' Oberpräsidenten der gesammten Provinz. Herr von Möller war es durch sein gemäßigtes und würdevolles Auftreten, durch seine liberale Richtung und durch, sein geuaues Vertrantsein mit allen Anforderungen des cameralistischen Faches gelungen, die Kurheffen vollständig mit den preußischen Institutionen auszusöhnen und für den preußischen Staat zu gewinnen. Dieser 9kuf ging ihm nach Elsaß-Lothringen voraus und verschaffte ihm dort die beste Aufnahme; und alles, was er bisher daselbst gethan und in Aussicht gestellt, hat die Erwartungen, die man von ihm hegte, vollständig bestätigt.. Besonders ist auch mit seinem Verwaltungsantritte der Sieg der unbedingten Gleichberechtigung aller Eonfessionen für das neue Reichsland entschieden. Wie schon auf den bcsondern Wunsch des Fürsten Reichskanzlers drei Israeliten zu den neuen Richterstellen befördert wurden, so wird auch im Schulfache die Gleichberechtigung durchgeführt. Die Ernennung eines Israeliten zum ordentlichen Lehrer der Mathematik am straßburger Lyceum haben Sie bereits gemeldet. Dieser Tage ist auch eine Verfügung crfloffen, in Folge deren an jeder der drei Normalschulen (Lehrerseminare) in Metz, Straßburg und Eolniar je ein Israelit als Lehrer angestcllt werden soll. Die betreffenden Ernennungen werden je- I dcnfalls in nächster Zeit erfolgen — wenn sich nur Eandidaten für dieselben finden. Ueberhaupt ist sdaS 42