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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-17 · Heft 42 (17.10.1871) · p. Seite 839

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 42 (17.10.1871)
Date
1871-10-17
Page
Seite 839 (sequence 5)
Language
German
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839 und zuletzt mit mystischen Formeln „die Versöhnung in Christo" geweissagt. So rächt man sich dafür, daß alle diese schonen Missionsgeschichten erfolglos geblieben und daß diese wandernden Heilsverkünder Zeitlebens Wind gesäet und geerntet haben. Wenn man früher die Juden deshalb der Hartnäckigkeit und der Verstocktheit zieh, so unterlegt man ihnen jetzt die unbeschränkteste Herrsch-, Hab- und Genußsucht, die sie dabei zu Principien raffinirt haben, um die Welt sich zu unterwerfen, der sie so lange unterthänig gewesen. Das Eine fällt nur imnter bei allen diesen Expectorationen, die nicht mehr den Reiz der Neuheit für sich haben, auf, daß die fünf Millionen Juden, die unter 500 Millionen Christen leben, im Stande sein sollen, die Herren zu spielen und die Völker wie die Negierungen sich zu unterwerfen! Welches Zeugniß stellen diese faselnden Scribenten den Völkern und welches den Inden aus! — Von der „Bibliothek jüdischer Canzelredner" sind des zweiten Jahrgangs 4. und 5. Heft erschienen, welche Biographien und Predigtbeispielc der Herren Form stecher, M. Heß, S. Mayer, Grünebaum, Herzfeld, Adler, Wechsler, I. Maier enthalten. Ein Verzeichuiß der von jedem dieser Eanzelredner herausgegebeuen Predigten ist beigegeben, so wie im Anhänge sich viele schätzbare Notizen und Kritiken jüngst erschienener Predigten befinden. Mit dem nächsten Hefte schließt der zweite Jahrgang. — Vor Kurzem ist, wie auch in d. Blatte erwähnt worden, ein drittes Buch erschienen, welches dem Herrn Leopold Löw Nachweisen wollte, in welche Widersprüche seine frühere Wirksamkeit für Zustandebriugung eines jüdisch-ungarischen Congresses mit seiner nachherigen Opposition gegen den Eougreß gcrathen sei. Löw läßt dagegen abermals eine Broschüre erscheinen, in der er die Widersprüche nachweist, in welche die Führer der Eongreßpartei sich durch ihr, dem ungarischen Abgeordnetenhanse übergebenes Memorandum haben verstricken lassen. „Das neueste Stadium der ungarisch-jüdischen Orgauisationsfrage. Dssencs Sendschreiben an den Herrn Dr. Ignatz Hirschler, Präses der Congreßcommission. Von Leopold Löw. Pest, 1871. Ludwig Aigner." Die Hauptsache ist, daß in dem Memorandum die Rabbiner für ganz überflüssig erklärt werden, gar kein Bedürfniß der Gemeinde und nur dazu da sind, casuistische Fragen zu beantworten, während in ihren Statuten im 8 43 ausführlich in neun der wichtigsten Puncto die Functionen des Rabbiners, der integrirend zum Wesen einer Gemeinde gehört, aufgeführt werden. Der Verfasser beleuchtet nun die einzelnen Momente dieser Rabbinerfunctionen. Löw besitzt eine außergewöhnliche Gewandtheit in der Ironie, und verfehlt da selten, sein Ziel zu treffen. Cr schadet aber andererseits seinem Zwecke dadurch, daß er der Luft am Schulmeistern nicht entsagen kann, deshalb überall eine Unmasse von entbehrlichen Notizen, eine Besprechung unnöthiger Gegenstände heranbringt, die den Eindruck schwächen. Ganz besonders leidet die vorliegende Broschüre hieran, wenn wir auch gern anerkennen, daß sie einige wichtige Fragen bespricht und sie in ein Helles Licht stellt. Auch uns gegenüber macht sich S. 74 diese Sucht geltend und zwar mit geringer Ausnahme völlig überflüssig, da z. B. die Bemerkungen über in den Lexicis, wie bei Levy, leicht anfgefunden werden, Löw uns auch sagen läßt, was wir gar nicht gemeint haben. Jndeß liegt uns nichts daran, darüber zu polemisiren. Bonn, 20. Septer. „Bezölem Elohim. Fünf Reden über die israelitische Menschenlehre und Weltanschauung von vr. Ad. Jellinek. Wien, Hölder, 1571." Es sind dies abermals treffliche Reden, geist- und gemüthvoll, auf die Vergangenheit des Judeiuhums sich stutzend und doch vonr frischen Hauche der Gegenwart durchweht. Auf dieser Höhe sehen wir die jüdische Canzel gern aufgerichtet, erhaben über die Parteien , den höchsten Gedankeninhalt erforschend und darstellend, und doch eben zu unserem Geschlechte sprechend. Im Uebrigen besagt der hebräische Titel etwas zu wenig, der deutsche wohl zu viel über den Inhalt dieser Reden, da die beiden im letzteren Titel benannten Momente viel weitgreift «der sind, als was diese Dioden umfassen. Auch hätten wir gewünscht, daß die Erklärung, worin die Gottebeubildlichkcit besteht, tiefer aufgesaßt wäre. Denn daß erstens der Mensch zur Herrschaft geboren, ist nur ein äußerliches Moment, und zwei bis vier: die Neigung zum Guten, Wahren und Schönen, zeigt geradezu auf die Unebenbildlichkeit hin, auf die nicht minder vorhandene Neigung zum Bösen und Unwahren. Vor Allem hätte hier das Selbstbewußtsein nnd die auf dieses gegründete Freiheit an die Spitze gestellt und dann die Ebenbildlichkeit darin gefunden werden müssen, daß Alles, was sür den Menschen gut, wahr und schön ist, auch bei

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