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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-17 · Heft 42 (17.10.1871) · p. Seite 838

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 42 (17.10.1871)
Date
1871-10-17
Page
Seite 838 (sequence 4)
Language
German
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838 aber anzuerkennen, daß das Maurerthum gegenwärtig nach Läuterung, Aufklärung über seine eigene Geschichte und nach der Rückkehr zu seiner ursprünglichen, humanen Grundlage strebt und den Kreis dieser mystischen und aristokratischen Logen, welche eine der Schutzburgen für die Reaction geworden, immer mehr zu beschränken sich bemüht. Daß ein Geschichtswerk wie das des Herrn Findel eine sehr bedeutende Einwirkung auf diese Bestrebungen, welche wir vom Dienste der Erkcnntniß, der Gerechtigkeit und des veredelten.Menschenthums sehr hoch achten, übt, läßt sich vom Geiste unserer Zeit erwarten, welcher im Gegensätze zum vorigen Jahrhundert alles Geheimnißvolle ans Licht schaffen und nur das bestehen lasten will, was das Licht zu ertragen vermag. Wenn wir einen Wunsch aussprechen sollen, so wäre es der, daß Herr Findel selbst oder durch eine gewandte Feder einen Auszug aus seinem Geschichtswerke abfasten ließe, der die historischen Daten nach ihrer Bedeutung und bündig zusammenstellte, damit die Ergebniste leichter in das größere Publicum dringen könnten. Gewiß würde dies dem Freimaurerthum zu höherem Ansehen und zu weiterer Verbreitung gereichen. Wir hatten unseren ersten Artikel mit der Bemerkung eröffnet, daß in allen größeren geschichtlichen Erscheinungen sich eine gewisse Gleichmäßigkeit ihres Verlaufes erweise, die wir wie ein Gesetz der Entwickelung in allem Menschlichen anzusehen hätten. ES zeigt sich nämlich in allen größeren Institutionen eine ursprüngliche Lauterkeit und Einfachheit, wie sie eben dein reineren Geiste entspricht, der aus einer Zeit der Verworrenheit und des Kampfes sich herausgerungen hat. Der Funke zündet, und eine helle Flamme steigt auf, die leuchtet und erwärmt. Auf dieser Höhe erhält sich die neue Erscheinung aber nur kurze Zeit. Sie breitet sich aus, und nun genügt das Reine und Einfache nicht mehr, unedle Geister bemächtigen sich ihrer, um ihrer Herrsch- und Habsucht zu genügen, und die große einsichtslose Maste wird nur von dem bunten Farbenspiel, von an sich kindischem Schmucke angezogen und gefesselt. So verdunkelt und färbt sich die Flamme und breitet Rauch und Gase um sich her. Mag es aber kürzere oder längere Zeit währen, der immer arbeitende Menschengeist gelangt zu der Periode, wo er Alles prüfen, kritisch beleuchten, das Unwahre und Trügerische beseitigen, die Wahrheit wieder Herstellen will. In diesem Kampfe, in diesem Proceste liegt eine große Entwickelung, und eS gilt nun zwar auf das ursprüngliche Fundament zurückzukommen, aber mit entwickelteren Kräften, mit gestärktem und geläutertem Bewußtsein das Ganze neu auszubauen und für die höheren Zwecke und Ziele befähigt und dienlich zu machen. Dies ist das allgemeine Gesetz, das wir auf allen Gebieten wirksam sehen, das sich auch an der Freimaurerei bewährte, wie wir es denkenden Lesern überlasten, es auch an anderen geschichtlichen Erscheinungen wahrzunehmen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. September. „Stephan Schultz. Ein Beitrag zum Verständmß der Inden und ihrer Bedeutung für das Leben der Völker. Von I. de le Roi, Pastor. Gotha, Perthes 1871." Daß die Juden nicht mehr in Ghettis leben, daß sie an der allgemeinen Eultur, deren Inhalt und Bestrebungen einigen Antheil haben, daß sie hier und da einigen Einfluß üben, es einige jüdische Zeitungsschreiber, Künstler und Professoren giebt, dies kann eine gewisse Elaste von Menschen, Pietisten, Ultramontanen und Reactionären nicht verwinden. Unangenehm ist es gar Vielen, aber sie ergeben sich darein als in eine unabweisliche Thatsache. Jene aber müssen ihrein Aerger immer wieder einmal Luft machen, und dazu gehört auch die vorliegende Schrift. Die Lebensbeschreibung eines Judcnmissionärs aus dem vorigen Jahrhundert, Stephan Schultz, geboren 1714 zu Flatow, bildet den ersten Theil des Buches, und daran hängt sich ziemlich unvermittelt der Rest der Schrift, der über die Juden der Gegenwart, die Aufgabe der Gegenwart, die Hauptvölker der nächsten Geschichte und die Inden tind dgl. handelt. Der Verfasser macht sich dabei die Sache leicht; er insinuirt den Juden ganz allgemein und wie im Eittverständniß Aller gewisse Tendenzen und Principien. Zwecke und Endziele, welche zu verwirklichen alle Juden vereint streben. Zu gleicher Zeit werden die so oft wicdergekäntcn Behauptungen erneuert: die Juden beherrschen den Geldmarkt, den Handel, die Presse, die Parlamente, suchen die Schule in ihre Gewalt zu bekommen, die Verwaltung sich botmäßig zu machen und haben dabei immer nur sich und ihre Absichten im Auge. Darauf hin wird nun geurtheilt und abgeurtheilt nach Herzenslust, den Völkern nnd den Juden selbst die traurigste Zukunft prophezeit

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