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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-17 · Heft 42 (17.10.1871) · p. Seite 836

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 42 (17.10.1871)
Date
1871-10-17
Page
Seite 836 (sequence 2)
Language
German
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836 wetzen hatten sich nach Vollendung der früher begonnenen Bauten zerstreut-, die Bünde oder Logen waren bis auf wenige eingegangen; die jährlichen Feste waren völlig eingeschlummert. Findel sagt sS. 157): „So stand es um das Maurerthum, als im Jahre 1714 König Georg I. die Negierung antrat. Indessen gab es damals gar viele edle Geister aller religiösen und politischen Ansichten, die sich aus dem Parteigetriebe früherer Zeiten nach einem Hafen sehnten, wo sie Ruhe und Kräftigung sinden möchten für ein besseres Wirken. Ueberdies mochten die Angenommenen unter den Freimaurern den drohenden Verlust der von ihnen begünstigten Einrichtungen des Logenwesens schmerzlich empsinden und den lebhaften Wunsch hegen, das verfallene Institut zeitgemäß zu reformircn und zu reorganisiren." Hierzu vereinigten sich mehrere Männer in London, die an ihrer Spitze den I)r. Desaguliers hatten. Sie vereinigten die Reste der vier Baulogen Londons im Februar 1717 und errichteten eine Großloge, die am Tage Johannis des Täufers/ d. 24. Juni, Anton Sayer zum ersten Großmeister wählte. Hiermit „trat das ins Leben, was wir heutzutage unter Freimaurerei verstehen. Festhaltend am Geiste der alten Bruderschaft und an der gesetzlichen Grundlage, sowie an den überlieferten Gebräuchen vereinigte man sich dahin, die eigentliche Baukunst, die Werkmaurerei, dem ihr gewidmeten Stande fortan zu überlassen. Die üblichen KunstauSdrücke und die überlieferten Lehrzcichen, die sich ja auch für den symbolischen Tempelbau vortrefflich eigneten, wurden beibehalten, aber figürlich in einem höheren Sinne gedeutet. So wurde nun die Brüderschaft der Freünaurcr eine von der Baukunst getrennte, einzig nach re in menschlichen Zwecken strebende Verbindung und damit fähig, sich über alle Welttheite zu verbreiten: sie ward ein Gemeingut der ganzen Menschheit. Das aufzuführende moralische Gebäude sollte gleich dem physischen der Werkmaurer, auf den gemeinsamen Nutzen der menschlichen Gesellschaft berechnet werden; die Veredlung der VundeSglieder sollte sich in Selbsterkenntniß, Selbsithätigkeit und Selbstbeherrschung, wie überhaupt in allen menschlichen Tugenden offenbaren; der Bund sollte Menschen aus allen Ständen zu besseren Bürgern, für das Gemeinbeste erwähnteren Beamten, zu besseren Hausvätern, Gatten und Freunden machen. Moralische Freiheit ward hierbei als Bedingung vorausgesetzt, weil nur Freiheit von großen Lastern, Leidenschaften und Vorurtheilen für die - höhere Ausbildung empfänglich macht und ihren Fortgang begünstigt. „„Ein Maurer"" — sagen die alten Grundgesetze (Old Charges) — „„ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetzc zu gehorchen; und wenn er die Kunst recht versteht, so wird er weder ein stumpfsinniger Gottesleugner noch ein irreligiöser Wüstling sein. Ob nun wohl die Maurer in alten Zeiten in jedem Lande verpflichtet wurden, von der Religion dieses Landes oder dieses Volkes zu sein, welche cs immer sein mochte: so wird es doch jetzt für dienlicher erachtet, sie allem zu der Religion zu verpflichten, worin alle Menschen übereinstimmen, ihre besonderen Meinungen aber ihnen selbst zu überlassen, d. i. gute und treue Männer zu sein oder Männer von Ehre und Rechtschaffenheit , durch was immer für Benennungen oder Ueberzeugungen sie unterschieden sein mögen. Hierdurch wird die Maurerei ver Mittelpunct der Bereinigung und das Mittel, treue Freundschaft unter Menschen zu stiften, welche außerdem in beständiger Entfernung hatten bleiben müssen." " Dies ist der wahrhafte historische Anfang der Freimaurerei, die also nur ein Alter von 154 Jahren zählt. Die angeführten Worte der Old Charges geben zugleich die eigentliche Grundlage des ganzen Maurerthums mrd müssen als dessen Kriterium angesehen werden. Die Freimaurerei fand eine überaus schnelle und große Ausbreitung in den verschiedenen Ländern Europa's, sowie in Amerika. Ueberall entstanden Logen, die zunächst ihre Eonstitutionsacte von dieser Mutterloge in London erhielten. Aber mit dieser Ausbreitung kamen auch Momente ans, welche das Maurerthum bald verfälschten. Es ist eine in der Geschichte mehrmals bewährte Thatsache, daß in Zeiten, wo in einer Anzahl gebildeter Geister die Aufklärung und eine neue Geistesrichtung nach Erkenntniß und Freiheit Platz gewinnt, während in den großen Massen und in den bestehenden Institutionen Pedautismus und Verknöcherung bestehen und die alten politischen und religiösen Formen sich noch behaupten, iudeß der Geist aus ihnen längst geschwunden, daß in solcher Zeit sich eine Neigung zu Geheimbündelei geltend in acht, in welcher der neue Geist als Mysterien, als Kundthnungen in verschiedenen Formen sich sortzupflanzen strebt, eine Neigung, welche. ihrer Natur nach bald entartet. Diese Neigung mochte wohl der Freimaurerei einen großen Vorschub leisten; sie aber war es auch, welche die Jllumiuaten, Rosenkreuzer u. s. w., die einen Cagliostro und andere wunderthatige Betrüger schuf und bald auch

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