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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-10 · Heft 41 (10.10.1871) · p. Seite 824

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 41 (10.10.1871)
Date
1871-10-10
Page
Seite 824 (sequence 8)
Language
German
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824 Hauptzweck dieser Versammlung war die Prüfung der Nige der eingeborenen Israeliten unserer Colonie. Ein Teeret der Delegation von Tours hatte den 2sraeliteu das französische Bürgerrecht zuerkanut. Seitdem wurde der Kammer ein Entwurf vorgelcgt, welcher zum Zwecke hatte, das Teeret des Herrn Crömieux aufzuheben. In Folge von Vorstellungen der atgieriscken Bevölkerung hat sich die Negierung entschlossen, den Gesetzentwurf zurückzuziehen." Paris, 2. Tctober. Die „Arcli. i$r." berichten, daß in der Wohlthätigkeitsgeseilschast 'br-:. '-sn) stark gewühlt wird, um die deutschen Juden aus derselben auszuschließen. Einer der heftigsten Wühler ist ein gewisser Hcislin «.wahrscheinlich ein Jude aus Elsaß: Heistein'.). Tiefer will in Tieppc wahrend der Vcsctztmg durch die Preußen gewesen sein und von allen Seiten den Namen „Jude" gehört haben, weil ein deutscher Jude Namens Emil Noethern aus Mannheim die alten unbrauchbaren Kanonen des Forts, welche aber den Matrosen sehr theuer waren, gekauft habe und die Stadt darüber indignirt gewesen sei. Heistin will ferner dem Noethern 5000 Francs geboten haben, wenn er von dem Handel abstche; er habe aber nicht eingewilligt. Ans diesem Grunde will man sämmtlichc deutsche Juden aus der jüdischen Ehebra ausschlicßen. Tie Arcli. isr. selbst befürworten dies; jeder deutsche Jude, der sich nicht naturalisircn lasse und schriftlich seine französischen Gesinnungen ausspricht, sott ausgeschlossen werden. — Kann man etwas Nnjüdischeres und Ungerechteres denken? Was haben die deutschen Juden damit zu thun, daß Einer alte Kanonen gekauft hat, die doch jedenfalls verkauft worden wären'? Wie? wenn die deutschen Inden ausspioniren wollten, ob ein englischer oder amerikanischer Jude unter denen gewesen, welche während des Krieges Waffen an die Franzosen verkauft haben, wodurch doch deutsche Juden getödtet werden konnten? Dock- Hinweg mit allem Diesem; was hat das Judenthum damit zu schassen? Tie deutschen Juden werden sich auch über diese unsinnige Handlungsweise ihrer französischen Stammes- und Glaubeilsbrüder trösten- Aber diese üben damit nur den schlinunstcn Streich gegen sich selbst. Sie wollen nur Franzosen sein und hören auf, Juden zu sein. Und die Alliance israelite universelle? Wird sie nichts dagegen thun? Sie, welche die Gehässigkeiten der Juden von Außen bekämpfen will, wird sie nichts gegen die Gehässigkeiten unter einander in ihrer nächsten Nähe thun? Sie, welche, die Verbrüderung der Juden anstrebt, wird sie solche Ausschließung an ihrem eigenen Sitze ruhig dulden? Spanien. Madrid, im September. Wenn die in Nr. 39 gebrachte Nachricht, daß die spatlische Negierung soeben wieder neun ausländischen Israeliten die Naturalisation ertheilt hat, beweist, daß die Negierung vom Geiste der Toleranz geleitet wird, und man von einem großen Theile des spanischen Volkes gegenwärtig dasselbe sagen kann, wie nicht allein viele öffentliche Kundgebungen bereits erwiesen haben, sondern auch dieses Vorgehen der Negierung selbst, die sich wohl hüten würde, Derartiges zu thun, wenn sie der Mehrheit der Nation darin zuwiderznhandeln glauben müßte. Anders ist cs mit der Geistlichkeit; und wenn man auch dies nicht auffällig finden wird, so ist es doch immerhin zu bemerken, wenn sich dieselbe Geistlichkeit zu den äußersten Ausschreitungen hinreißen läßt, obschon sie doch längst belehrt sein müßte, daß ihre leidenschaftliche Heftigkeit gerade das Gegentheil bewirkt und den Fortschritt mehr beschleunigt, als alle Vernunftsgründe. Man erinnert sich der vorläufigen Verfügung, worin die Negierung die Anweisung eines entsprechenden Theilcs der öffentlichen Kirchhöfe zum Begräbniß von Nichtkatholiken verlangte, und eben so des Petitionsfturmes, den die höhere Geistlichkeit gegen diese Anordnung ins Werk setzte. Der Bischof von Cadiz hat sich hierbei nun nicht gescheut, in einem Nundschreiben an die Geistlichkeit seiner Diöcese die Verfügung als ein Gesetz zu bezeichneit, welches „die Neste von Juden, Mauren, Abtrünnigen, Ketzern, Menschenfressern (antropofagos) u. s. w." in die geweihten Gottesäcker einschmuggeln wolle. Eine andere Wirkung hat dies übrigens nicht, als die Säcnlarisirung der Kirchhöfe zu beschleunigen, um alich über sie der Geistlichkeit die Tbmacht zu nehmen. Hinsichtlich der Juden können übrigens diese Herren ruhig sein, da sie sich bald einen eigenen Gottesacker erwerben werden.

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