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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-10 · Heft 41 (10.10.1871) · p. Seite 822

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 41 (10.10.1871)
Date
1871-10-10
Page
Seite 822 (sequence 6)
Language
German
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822 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 29. September. Der Minister des Innern 'führt die Eoncentrirnng der jüdischen Sträflinge, um deren religiöse Bedürfnisse befriedigen zu tonnen, durch. Wir meldeten dies bereits für die nördlichen Provinzen aus Insterburg. Jetzt liest man in den hies. Blättern: Die Sträflinge jüdischer Religion aus der ganzen Provinz Brandenburg werden nach einer Verfügung des Ministers des Innern jetzt sammtlich im Zuchthause zu Spandau detinirt und sind vor Kurzem aus den verschiedenen Strafanstalten dahin übergeführt worden. Es ist ein besonderer Rabbiner in der Person des Dr. Krüger von hier dort augcstctlt. Derselbe begiebt sich alle Freitag Abend und alle Festtage nach Spandau und predigt in einem dazu besonders eingerichteten Raume den jüdische!: Gefangenen.. Man sicht auch hieraus, daß die preußische Staatsregierung von dem System, das Judcnthuin gänzlich zu ignoriren, abgekommen ist und der Gleichbercchtignng auch des Cultus allmälig näher tritt. Erlangen, 28. September. Der Professor der Anatomie an der hiesigen Universität, Dr. Jakob Herz, ist zum großen Bedauern seiner vielen Schüler und Freunde gesternt seinen schweren beiden erlegen. Herz war der erste Israelit, den: in Bayern eine Professur verliehen wurde. Breslau, 26. Sept. Daß der Reichscanzler die Konfessionslosigkeit der öffentlichen Schulen in Elsaß- Lothringen, trotz der anfänglichen Gegenversuche nach dem Systeme des Herrn v. Mühlcr, durchgeführt hat, inacht den Eoinmunalbehördcn von Breslau neuen Much, an daß gleiche Ziel zu gelangen. Das „Fr. I." schreibt von hier: „Bekanntlich hat die Commune schon vor Jahren zwei prachtvolle Schulgebäude errichtet, die immer noch leer stehen, weil Herr v. Mühler darauf besteht, daß dieselben einen consessionellcn Charakter erhalten sollen. Während das eine davon zu technischen und kaufmännischen Bureaux vermiethet ist und das andere gelegentlich zu wissenschaftlichen Borträgcn und physikalischen Experimenten, während des Krieges zn Militär- Schneider- und Schusterwerkstätten diente, sind unsere sämmtlichen Schulen derartig überfüllt, daß das körperliche und geistige Gedeihen unserer Jugend notorisch darunter leidet. Das Gymnasium zu Maria-Magdalena;. B. zählt weit über tausend Schüler. Es soll nunmehr abermals versucht werden, ob dem Cultusminister die Erlaubnis zur Eröffnung der beiden Schulen abznringen ist. Mau glaubt hier, daß Herr v. Mühler endlich auch uns zugesteheu wird, wessen die Elsässer sich erfreuen." — 'Bekanntlich handelt es sich hierbei ganz besonders um die Inden, denn als Simultanschulen hatte sie Herr v. Mühler schon;ngestandeu, wenn in den Statuten der christliche Charakter der Schulen ausdrücklich bewahrt würde. Eigcuthümlich wäre cs, wenn die Breslauer Stadtbehörden an das preußische Staatsministcrium gingen und der preußische Ministerpräsident Fürst Bismarck über eine Frage zu entscheiden hätte, die er als deutscher Reichscanzler so energisch entschieden hat.) Aus dem Posen'schen, im Sept. (Privatmitth.) Tic schlimmen Folgen der Unterlassung einer Eiviltrauung, wie letztere im Gesetze vom 23. Juli 1S47 für die jüdischen Ehen vorgeschrieben ist und die vorzüglich von der ärmeren Elasse theils aus Unkenntnis, theils der Kosten wegen vernachlässigt wird, sind, wie schon im Kriege vom Jahre 1806, so vorzüglich in dem jüngsten gegen Frankreich recht klar hervorgctre ten, indem die Frauen solcher jüdischer Landwehrmän ner keine Unterstützung erhielten, weil sie vorn Staate nicht als solche anerkannt wurden und wenn diese Landwehrmänner im Kriege fielen, haben ihre Wittwen keinen Anspruch aus Pension. Cassel, 18. Sept. (Privatmitth. Bon Seiten des Generalcommandos des I I. Armeecorps ist an den Landrabbiner Herrn Dr. Adler unter dem 16. d. folgende Antwort erslossen. Eurer Hochwürden erwidere ich auf das gefällige schreiben vom 15. d. M. ganz ergebenst, daß in Folge der geehrten Zuschrift vom 5. d. M. die Truppencommandos des diesseitigen Armeecorps bereits darauf aufmerksam gemacht worden sind, Urlaubsgesuche von Soldaten israelitischer Confessio» gemäß der Königlichen Verordnung über den Garnisondienst vom 6. Juni 1870 sonnt als möglich zu berücksichtigen. Eines be-

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