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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-10 · Heft 41 (10.10.1871) · p. Seite 821

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 41 (10.10.1871)
Date
1871-10-10
Page
Seite 821 (sequence 5)
Language
German
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821 die Statuten beriefen, die weder Anerkennung noch Zulassung zum Besuche gestatteten. Sodann entschloß mau sich zu dem zweiten Schritte, einer directen Bitte an den Protector; aber auch dieser Schritt scheiterte, und nun blieb den Brüdern nichts übrig, als den Schutz ihrer Logen, resp. Gr. Logen, anzurufen. Dieser war nur von theilweisem Erfolge, so daß sie sich veranlaßt sahen, sich einerseits durch eine Denkschrift an die gesannnte maurerische Welt, andrerseits direct an die resp. Gr. Logen zu wenden. In London und Paris wurden specielle Bevollmächtigte beauftragt, bei den Gr. Logen Beschwerde zu führen. Von allen Seiten, namentlich Frankreich, England, den Niederlanden, kamen ermuthigende Zusicherungen des Beistandes. Inzwischen war die Loge zum Frankfurter Adler unter den Schutz der Gr.-Loge von Hamburg getreten und so trat denn auch diese Loge für die Mitglieder ihrer fast gänzlich aus Israeliten bestehenden Tochterloge ein. Die preußischen Logen waren nun gänzlich isolirt, und schon regte sich der Unwille in den preußischen Tochterlogen selbst, und eine und die andere erklärte bereits den Gehorsam in dieser Beziehung verweigern zu müffen; rheinische Logen ließen sogar jüdische Brüder ohne Weiteres zum Besuche zu. So sahen sich denn die genannten beiden Großlogen, um einer gefährlichen Katastrophe zu entgehen, endlich gencthigt, den Besuch jüdischer Brüder zu gestatten. Auf die Landesloge hatte dieses keinen Einfluß. Vis zum Jahre '1860 trat die Streitfrage noch mehrere Male auf, wie z. B. Wilhelm Levison in Minden ein dringendes Gesuch an die drei Großlogen von Berlin richtete. Es verblieb bis jetzt so: daß die Logen aller Länder die Aufnahme von Juden gestatten, mit Ausnahme der drei Großlogen von Berlin und der schwedischen Loge, von welcher letzteren die Berliner Landesloge abftammt, so wie vieler preußischer Töchterlogeu, so jedoch, daß die beiden Großlogen Royal ^lork z. Fr. und die zu den 3 Weltkugeln die Zulasiung israelitischer Maurer als permanent Besuchender gestatten, während die dritte, die Landesloge für Deutschland zu Berlin auch dies verweigert. Nach einer uns zugegangenen Privatmittheilung nun wird sich ehestens auch die Großloge Royal si)oxf zu Berlin für die Aufnahme von Juden entscheiden, und die zu den 3 Weltkugeln folgen, so daß dann die sg. Landesloge f. D. ganz isolirt dastehen werde. Man sieht, daß also auch hier, während um die Juden discutirt wird, es sich nicht eigentlich um diese, sondern um das Wesen des FreimaurerthumS handelt. Wie dies gekommen, soll uns nunmehr im Folgenden klar werden. Das Ctdcukbnch an drn -entschfran- Mscheil ilricg m\ 1870 1871 für die deutschen Israeliten. Die gesammte Auflage deS „GedenkbucheS" ist erschöpft. Wir könnten an eine zweite Auflage denken, sobald fid> eine genügende Anzahl von Bestellungen wieder angesammelt hätte. Was unS aber besonders am Herzen liegt, ist die Vervollständigung desselben, d. h. der Verzeichnisse der Soldaten jüdischer Religion, welche den Krieg mitgemacht, ferner derer, welche Auszeichnungen erhalten, welche verwundet oder getödtet worden find. Hierfür ist noch Vieles zu thun. Wir haben seit dem Drucke des Gedeukbuches noch eine ziemliche Anzahl ergänzender dMittheilungen, namentlich von Soldaten selbst, empfangen, und möchten gern an die Verösfentlichnng des zweiten Verzeichnisses gehen. Wir bitten daher dringend Alle, welche einige Kenntniß davon haben, uns auch fernerhin die Listen von Soldaten jüdischer Religion, die in dem bisher veröffentlichten Verzeichnisse noch nicht aufgeführt sind, nebst der Bezeichnung ihreö Corps und anderweitigen -"Bcmerkungen zu übersenden. Es wird damit einem allgemeinen Interesse genügt, erregt aber auch unseren ganz besonderen. Dank. Es schadet dabei nichts,. wenn etwa hier und da Soldaten anfgeführt würden, derer bereits im gedruckten Verzeichniß Erwähnung gethan, da wir eine sorgfältige Durchsicht eintreten lassen würden. Möge diese Aufforderung an Alle eine allseitige Berücksichtigung finden. Wir würden den Redactionen anderer jüdischer Blätter verbunden sein, wenn sie diese unsere Aussorderuug ihrerseits unterstützten. Die Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Iudenthumö.

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