Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1871)
- Date
- 1871-10-10
- Page
- Seite 820 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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820 weil sie ihre Mitglieder doch nur aus den sg. höheren Claffen annehme, aufgeklärten Juden, tüchtigen Handwerkern u. dgl. die Aufnahme verweigere, hiermit aber den eigentümlichen Grund ihrer Existenz erschüttert, wenn nicht vernichtet habe. Auch 1788 erschien in Hamburg eine Schrift unter dem Titel: „Werden und können Israeliten zu Freimaurern ausgenommen werren?" und der Verfasser, H. K. von Ecker und Eckhosfen, gründete eine sg. Melchisedekloge zu Hamburg, wovon Israeliten Mitglieder waren. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gründeten, unter dem Namen einer Toleranzloge, die Brüder von Hirschfeld und Catter zu Berlin eine maurerische Werkstätte, „damit durch die Maurerei die Juden den Christen näher gebracht und veraltete Vorurtheile derselben verwischt, damit die Juden gewissermaaßen menschlicher gemacht und zu einer höheren Stufe der geistigen Bildung erhoben würden." Das Gesuch dieser Loge um Constitution ward von der großen Landesloge, nach deren System sie arbeitete, mit Stolz abgewiesen; dagegen gewährte ihr König Friedrich Wilhelm III. bereitwillig seinen Schutz. Trotz dieses königlichen Protectoriums stellte sie später dennoch ihre Arbeiten ein. In Frankfurt entstand im Jahre' 1808 eine aus israelitischen Brüdern bestehende Loge, indem am 12. Juni die aus israelitischen Brüdern bestehende Loge „zur ausgehenden Morgenröthe" von der Loge „les Amis Rdunis“ zu Mainz unter Constitution des „Oranä Orient de France“ gestiftet ward. Die dortigen christlichen Logen versagten aber der neuen Schwester nicht nur die Anerkennung, sondern vermieden auch zunächst allen brüderlichen Verkehr mit ihr, ein Verhältniß, das sich erst spater änderte. Man kennt den reactionären Geist, der unter dem Schutze der h. Allianz nach Beendigung der sg. Freiheitskriege zu herrschen begann; aber man täuscht sich, wenn man ihn den Negierungen allein zuschreibt, und andrerseits den Pöbel davon bewegt sein läßt. Gerade das Verhalten der Freimaurer in damaliger Zeit erweist, daß in Deutschland die sg. gebildeten Stände erst recht davon ergriffen und beherrscht waren. Seit dem Jahre 1818 erschien eine Fluth maurerischer Schriften über die Zulassung von Juden, in den Freimaurerbund, und wurde diese Frage von dem einen Theile verneinend, von dem anderen bejahend beantwortet; der eine Theil wollte die freimaurerische Gleichheit nur den getrennten christlichen Kirchen gegenüber anerkennen, während der andere Theil das allgemeine Menschenthum als den Inhalt des Bundes reclamirte. In der Praxis aber hatte die Partei der Exclusiven weitaus die Oberhand, und nur die Großloge von Hamburg sprach sich zuerst für die Aufnahme der Juven aus, indem sie auf die alten „Pflichten" der Maurer zurückging. Mit dem Jahre 1836 trat der Kampf um diese Angelegenheit offener auf. Im September dieses Jahres wandten sich von Wesel aus zwölf Brüder mosaischen Glaubens in einem Sendschreiben an die drei Berliner Großlogen, um von diesen zu erwirken, daß ihnen und ihren Glaubensgenossen der Zutritt zu den unter ihrer Constitution arbeitenden Logen gestattet werde. In einem besonderen Rundschreiben gaben sie auch den betreffenden Töchterlogen Kunde von ihrem Schritte, sie um Befürwortung ihres Gesuchs bittend. Alle drei Großlogen entschieden verneinend; die Große Landesloge von D. nannte in der Antwort an Br. Mayer denselben nicht einmal Bruder, sondern Herr. Die Loge „Agrippina" in Cöln dagegen nahm sich in einem Rundschreiben vom 24. Januar 1838 der nichtchristlichen Brüder mit großer Wärme an und vertheidigte freimüthig deren Rechte; ebenso sprachen sich die Loge „zur Weltkugel" in Lübeck und „Blücher von Wahlstadt" zu Luxemburg u. 21. zu deren Gunsten aus. Daß die Großloge von Hamburg nicht allein für die besuchsweise Zulassung, sondern auch für die Aufnahmefähigkeit der Israeliten sich ausgesprochen, wurde schon angeführt; in gleichem Sinne erklärte sich auch die Großloge von Sachsen, nachdem die Abstimmung in ihren Bundeslogen im Geiste und Sinne ächter Maurerei ausgefallen war. Die eklektischen Bundeslogen entschieden sich für Zulassung der Israeliten, jedoch so, daß dieselbe dem Belieben der einzelnen Logen anheimgestellt blieb. Gleiches that die Großloge von Hannover. In Berlin waren im Jahre 184V etwa 30 Brüder jüdischen Glaubens vorhanden, die den verschiedensten Logen Englands, Frankreichs, der Niederlande und Amerikas angehörten. Vielfache Besprechungen unter einander führten im Jahre 1841 eine Vereinigung von 28 Brüdern herbei, die den Entschluß faßten, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln eine Anerkennung ihrer Rechte herbeizuführen. Zu diesem Dehufe wurde eine Deputation an die beiden Großmeister der Gr. LL. Royal York und 3 Weltkugeln gesendet, um auf friedlichem Wege eine Einigung herbeizuführen. Dieses schlug vollkommen fehl, indem sich die Großmeister auf