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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-03 · Heft 40 (3.10.1871) · p. Seite 805

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 40 (3.10.1871)
Date
1871-10-03
Page
Seite 805 (sequence 9)
Language
German
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805 Berlin, 21. September. lPrivatmitth.) Daß die deutsche Negierung in Elsaß-Lothringen die confessionelle Gleichberechtigung so gut wie die frühere französische durchzuführen entschlossen ist, hat sich durch ein neueres Beispiel erwiesen. Ein Glaubensgenosse, Herr I)r. Max Simon, ist als ordentlicher Lehrer der Mathematik an dem Lyceum zu Straßburg angesteüt worden, nachdem eben derselbe mehrere Jahre lang hier am Werder'schcn Gymnasium nur in außerordentlicher Stellung lehren durfte. Vielleicht ist demselben behütflich gewesen, daß er sich im letzten Kriege sehr tapfer gezeigt hat und auch schwer verwundet wurde. Wer Vergangenheit und Gegenwart in einige Verbindung zu bringen versteht, der begrüßt doch in unseren Tagen manches glückliche Zeichen der unwiderstehlichen Macht der Ideen und der von diesen geleitctcu Thatsachen. Jüngst bezeichnet die „Kreuzzeitung" die Elsässer Juden als ,,einen jüdischen Zweig des deutschen Volkes," indem sie sich dabei auf die vom Rcdacteur .der Allg. Zeit. d. Judcnth. erlassene Ansprache an seine Glaubensgenossen im Elsaß berief. Also auch diese Partei hat es aufgegeben, die Juden als „frentde Eindringlinge" fernerhin zu bezeichnen und behandeln zu wollen, und so scheint sich die Verheißung zu erfüllen, daß der Geist, der das deutsche Reich geschaffen, auch nach dieser Seite hin vereinigend und ausgleicheud wirken werde. Von der Ruhr, 20. Sept. lEingesandt.) Das Euratorium der Marks-Haindorfschen Stiftung hat in diesem Jahre, wie es früher geschah, die Seminaristen, welche die Anstalt verlassen, vorher einer Prüfung in den hebräischen Fächern unterzogen. Herr Dberrabbiner Dr. Horowitz aus Crefeld assistirte. Wir glauben im Interesse des Instituts sowohl, das in finanzieller Beziehung noch immer mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, als auch um das Urthcil über diese, eine Zeit lang so vielfach angcfochtene Anstalt wieder festzustellen, zu handeln, wenn wir das Resultat dieser Prüfung, obgleich etwas verspätet, hiermit veröffentlichen. Herr Dr. Horowitz äußert sich in einer Zuschrift an das Euratorium folgendermaßen: An das Wohll. Euratorium der Marks-Haindorfschen Stiftung. Das Resultat der unter meiner Assistenz am 5. d. M. vorgenommenen Abgangsprüsung in den jüd. Fächern darf ich mit gutem Gewissen als ein im Ganzen überaus erfreuliches und vor Allem als ein solches bezeichnen, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Wenn auch der Grad der Leistungen bei den einzelnen Examinanden, entsprechend den verschiedenen Individualitäten, ein verschiedener war, so zeigten sich doch sämmtliche Abiturienten durch die ihnen eingeflößte Liebe zur Sache, die sich durchweg in wohlthuender Weise kundgab, wohl befähigt, ihre künftige Lehrthätigkeit, zumal bei einer nebenhergehenden eifrigen Selbstfortbildung mit besonders rühmlichem und ersprießlichem Erfolge auszuüben. Ein poetisches Stück, aus einem der ersten Propheten sprachlich und inhaltlich entwickelt, ließ die Gewandtheit in der grammatischen Analyse und sogar das Streben nach einem tiefern Eindringen in den Geist der Sprache deutlich erkennen, und andrerseits wurde eine ziemliche Routine im Lesen und Uebersetzen unpunctirter Texte, vorzüglich des bekanntlich schwierigen Raschi-Commentars zum Pentateuch von den Examinanden bekundet, während Manches aus dem Talmud, das sie mit Verständniß vortrugcn, ihnen genügende Gelegenheit bietet, sich später über das gewöhnliche, bei Elementarlehrern übliche Niveau jüd. Wissens weit emporzuheben. Was den Unterzeichneten aber besonders angenehm berührte und deshalb besonders hervorgehoben zu werden verdient, daS ist die erfreuliche Kunde der hebräischen Grammatik und der jüdischen Geschichte, die bei einem jüdischen Lehrer nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Schließlich sei bemerkt, daß ich auch gottesdienstlichen Functionen zweier Abiturienten beizuwohnen in der Lage war, die — soweit sich dies von einem wöchentlichen Gottesdienste sagen läßt — auf mich einen guten Eindruck hervorbrachten. Mit dem herzlichen Wunsche, Ihre Anstalt möge zum Segen des Judenthuins geistig und materiell wachsen und gedeihen, zeichnet hochachtungsvoll Dr. Horowitz. Erefeld, den 23. Juli 1871. Levern, 18. September. (Privatm.) Das vom hiesigen Amtmann erlassene Verbot des Unterrichts in der jüdischen Schule am Sonntage, welches in Rr. 36 mitgcthcilt worden, ist vom königlichen Landrathe durch folgendes Schreiben aufgehoben worden, welche- 40

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