Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1871)
- Date
- 1871-10-03
- Page
- Seite 799 (sequence 3)
- Language
- German
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799 aus, wie sich aus dem Glauben, daß Jesus der verkündete Messias sei, zuerst schüchtern, in mysteriösen Andeutungen, dann in klaren und bestimmten Worten das Dogma herausbildete, Gott selbst sei in Jesus Mensch geworden, Jesus ebenso Gore wie Mensch gewesen und als eine der drei göttlichen Persönlichkeiten in der Gottheit, die einzig sei, vorhanden. DieS geschah, als die christliche Gemeinde sich unter den Judäa benachbarten Heiden bereits zu verbreiten begonnen hatte. Die „Apostelgeschichte" berichtet, wie die Aufnahme von Heiden zuerst seitens eines großen Theils der Anhänger Jesu einen lebhaften Widerspruch erregte und erst durch eine Versammlung zu Jerusalem durch Mehrheitsbeschluß sanctionirt wurde. Die Scheidung vom Judenthume war schon durch das Aufgeben der Beschneiduug und des mosaischen Gesetzes überhaupt vollzogen, und es galt von hier ab nicht mehr, neue Bekenner unter den Juden, als vielmehr unter den Heiden zu suchen. Hiermit war denn auch der sirictesten Entwickelung jenes Dogmas jede Schranke genommen, und man ging mit demselben, auf welches sich die übrigen Dogmen aufbauten, in die gesammte antike Welt hinaus. Man weiß, wie diese in ihrem ganzen geistigen Gehalte erschöpft und voll Sehnsucht nach einer neuen religiös-sittlichen Gestaltung war. Da nun jedes Grunddogma antijüdisch und nicht aus jüdischein Boden erwachsen war, so fand es in der in der heidn. Welt allgemein verbreiteten Vorstellung den bereitesten Boden, und vermochte, ohne der heidnischen Anschauung von der Apotheose von Menschen entgegenzutreten, sondern vielmehr sich auf sie stützend, die Vielgötterei zu beseitigen. Andererseits mußte hiermit über die neue Lehre in der jüdischen Welt der Stab gebrochen werden. Es ist nicht unsre Sache, zu berichten, welche große langdauernde und blutige Kämpfe daS Dogma von der Gottheit Jesu in der christlichen Welt selbst und zwar nachdem das Heidenthum schon zu Boden lag und dem Erlöschen nahe war, nicht von Seiten dieses, sondern in der Mitte der Christen selbst erregte, auch nicht wie man sich in der christlichen Welt damit abfand und ab findet; für die Juden war mit diesem Dogma das Christenthum eine Umnöglichkeit geworden, und ihre Reihen mußten sich gegen dasselbe ebenso wie ehemals gegen das Heidenthum und die von diesem gepflegte Vergötterung von Menschen fest verschließen. Die röm. Cäsaren hatten bei ihren Cingrissen in das israelitische Heiligthum mehr die Nation als die Religion im Auge. Die Nation sollte nicht ohne die Anbetung des Cäsars bestehen, weil sie nur durch diese ihre völlige Unterwerfung bezeugte und bethätiate. Nachdem aber die Nation gefallen und die letzten Nachkläuge des NatioualhasseS vergessen waren, dachten die heidn. Cäsaren nicht länger daran, die Juden und ihre Synagogen mit irgend einer Anforderung hinsichtlich der Verehrung des Cäsars zu behelligen, und die Juden hatten nichts weiter zu thun, als sich von den Tempeln und Altären der Cäsaren fern zu halten. Anders wurde es aber, als daö Christenthum herrschend wurde und däö Heidenthum niedergeworfen hatte. Alsbald richtete jenes seine Waffen auch gegen daö Jnventhum, und die west- und oströmischen Kaiser, sowie die Coneilien suchten alle Mittel hervor, um die Juden zur Annahiue des Christeuthums zu zwingen. Von hier ab begann jener Widerstand der Juden, den wir oben schilderten, und. dieser reichte aus, um das- Judeulhum zu retten und zu schützen und die Hände ohnmächtig und erfolglos zu machen, welche sich ausstreckten, um es auszurotten.*) Auch das wollen wir hier nicht weiter verfolgen, was sich bei dem Lesen der vorhergehenden Artikel so leicht aufdrängt, daß nämlich, ebenso wie in der hierarchischen Gestaltung der römischen Kirche aus den vorchristlichen Zuständen Roms das Wesentlichste sich erhielt, wie vor einiger Zeit in diesen Blättern ein christl. Gelehrter gründlich uachgewiesen hat, so auch aus den *) Wir brauchen nicht zu bemerken, daß wir diese Worte ganz buchstäblich verstehen. So waren z. B. die westgvthischen Könige von Sisibut an von dem Gedanken beherrscht, die Juden auszurotten. C. UO ihrer Gesetzgeb. wird ganz allgemein befohlen, den Juden ihre Kinder wegzunehmen und sie in Klöstern oder christlichen Familien zu erziehen. Es ist falsch, dies auf die Kinder getaufter und rückfälliger Juden zu. beziehen, daö Pharaonische Gesetz wollte vielmehr die ganze lebende Generation dem Judenthume entziehen. (S. Dahn. die Könige der Germanen. Abth. 0 S. *121.) Unter seinem Nachfolger, dem den Priestern völlig ergebenen Kindila, wurde principiell ausgesprochen, daß Niemand im Reiche leben dürfe, der nicht kathvl. Christ sei. „Gott scheint «sagt das Conc. Tol. VI) endlich den unbeugsamen Unglauben der Juden nicht mehr dulden zu wollen; deshalb hat er dem höchst christlichen König den Gedanken eingehaucht, mit den Priestern seines Reiches diesen Aberglauben mit der Wurzel von Grund an auszurotten; für diese Gluth des Glaubens ist dem Herrn zu danken, daß er diese durchlauchtige Seele geschahen und mit seiner Weisheit erfüllt hat; er gebe ihm dafür 40*