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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-03 · Heft 40 (3.10.1871) · p. Seite 798

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 40 (3.10.1871)
Date
1871-10-03
Page
Seite 798 (sequence 2)
Language
German
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798 brächte. Aber glücklicherweise wurde das Schiff, welches den Befehl des Kaisers überbrachte, durch eine unglückliche, stürmische Fahrt so aufgehalten, daß es drei Monate aus derselben, zubrachte. Unterdeß war der wahnwitzige Wütherich von den Hauptleuten Chärea und Sabinus ermordet und Claudius zum . Kaiser erhoben worden. Der Ueberbringer dieser glücklichen Nachrich langte 27 Tage früher bei Petronius an, als die ihn mit dem Tode bedrohende Botschaft des Caligula. Claudius, der seine Erhebung vorzugsweise dem Herodes Agrippa zu danken hatte, setzte diesen zum König von Judäa ein, so daß drei ruhige Jahre folgten, die leider durch den Tod des Königs schnell beendet wurden. Judäa ward wieder römische Provinz, und sofort brachen unter dem Landpsleger Cumanus neue Unruhen aus, weil ein römischer Soldat den Tempel und das Volk aufs Gröbste beschimpft hatte. So glücklich also auch jene Gefahr abgewendet worden war, konnte es doch den Denkenden unter den Juden nicht mehr zweifelhaft sein, daß der Friede stets nur an einem Haare hinge, und denjenigen, welche mit ganzem Herzen an der v' rlichen Religion hingen, erschien der Entfcheidungskamp. nur noch, wie man jetzt zu sagen pflegt, eine Frage der Zeit. Zu den unaufhörlichen Verletzungen uub Bedrohungen des über Alles heilig gehaltenen Gesetzes kamen niederbeugende Bedrückungen und unaufhörliche Brutalitäten. Der Aufruhr brach endlich aus; der römische Statthalter Florus schürte ihn absichtlich, um dadurch seine groben Ausschreüuugen in Nom zu decken, und vergebens bemühten sich die Freunde des Friedens, das Unheil zu beschwören. Ihre Gegner stachelten das Volk auf, und — die entschiedene Kriegserklärung der Juden gegen die römische Herrschaft bestand in der vom Volke verlangten Unterlassung der Opfer für das Wohl deö Kaisers und deS römischen Volkes. Hiermit war der Gehorsam vollständig aufgekündigt (das. Cap. 3 7), und das jüdische Volk besiegelte seine Trene für die väterliche Religion, seine Opposition gegen alle Vergötterung von Aken scheu, welcher sich alle damaligen Völker unterworfen hatten, mit dem helocnmüthigsten Kampfe und Untergange. IV. Wir erkennen aus dem Verlaufe dieser Thatsachen, daß die Opposition der Juden niemals darin bestand, den Cultus irgend eines andern Volkes anzngreifen und zu bekämpfen; sie überließen es Jedermann, frei nach seinem Wissen und Ermessen seine gottesdienstliche Verehrung einzurichten und zu widmen wem er wolle, in sich die heilige Ueberzengnng nährend, daß die Zeit kommen werde, wo alle Völker der Erde zur Erkennmiß des einzigen Gottes gelangen und zu besten Anbetung sich vereinen werden. Aber mit um so größerer Energie wiesen sie jeden Versuch ab, mit heidnischen Begriffen und Ceremouien in ihr Heiligthum einzudringen, und diese Stätte der Anbetung des einzigen Gottes durch Bilder und Ceremonien heidnischer Gottheiten zu entweihen. Obwohl diese Götzen römische Cäsaren, mit der Waffengewalt aller übrigen Rationen ausgerüstet, waren, obwohl ihre Vergötterung neben dem religiösen auch einen politischen Charakter hatte und die Unterwerfung unter das römische Seepler bedeutete — sie wichen keinen Schritt zurück und zogen im Verzweiflungskampfe das Schwert gegen die römische Uebermacht. Von der Zeit an, wo Jerusalem gefallen, und die jüdische Masse in zahllosen Gemeinden über die Crde zerstreut war, konnte diese Opposition nicht mehr actio sein, sondern mußte sich negativ verhalten. Diese negative Opposition bestand darin, daß sie mit unermüdlicher Sorgfalt und unerschöpflicher Treue ihre Gotteölehre im Schooße ihrer Gemeinden und in ihren Synagogen vertheidigten und jede Vergötterung eines Menschen, sei es daß die Gottheit in denselben herabgestiegen und sich in ihm incarnirt habe, oder daß ein Mensch sich zur Gottheit erhoben und Gott geworden sei, strengstens zurückwiesen. Es waren nicht mehr Schwert und Bogen die Waffen ihres Widerstandes, wohl aber das Ertragen jeder Bedrückung und Verfolgung und tausendfacher Märtyrertod. Oft war es der Wanderftab, mit welchem sie kämpften und siegten, oft der Ausruf des Schema Jisrael auf dem Scheiterhaufen, unter dem Henkerbeile oder aus der Folterbank. Diesen Protest, ciesen Widerstand gaben sie nicht auf bis auf den heutigen Tag. Wer die vorhergehenden Artikel dieser Abhandlung gelesen, dem werden sich zwei Fragen leicht beantworten: wie das .Dogma von der Gottheit Jesu entstand und in der heidnischen Welt so leicht und allgemein sich verbreitete? und warum das Christenthum unter den Juden selbst so geringen Anklang fand? Es ist hier durchaus nicht unsere Absicht, eine Kritik der neutestamentlichen Schriften anznstellcn, oder der Entstehungsgeschichte des christl. Dogmas r.achzugehen Der aufmerksame Leser jener Schriften findet leicht her-

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