Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1871)
- Date
- 1871-10-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35. Jahr-Mg. A l! g t III C t II t JW 40. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran Sgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 3. October 1871. Diese Zeitung erscheint wöibenllick' einmal Dienstags, in 2 bis '2’/2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Thlr. Inserat: werden mit l'/2 ^tgr. für die Peritzcilc oder deren Utaum berechnet. Ällc Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich daS König!. Sächf. Haupt-ZeitungS-Dureau unterzogen. Ä n Ij a l t. Leitende Artikelr Die Vergötterung (Apotheose) von Menschen. IV. (Schluß). — Die Parität der Consessioncu im Staat. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bon der Ruhr, Levern, Ans der Provinz Posen, Mannheim, Stuttgart. — O esterr.-uugar. Monarchie: Neutra, .h erschau. — D o na u fürste uthüm er: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Aus und nieder. (Fortsetzung). — Zur zweiten Sacularseier der jüdischen' Gemeinde zu Berlin. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 24. September. Die Vergötterung (Apotheose) von Menschen. (Schluß.) Im 10. Capitel des 2. Buches des jüdischen Krieges berichtet Josephus, daß der Kaiser Casus (Caligula, getöctct den 24. Januar 41) den entschiedenen Beseht ertheilie, daß auch im Tempel zu Jerusalem seine Bildsäule . errichtet und ihm als Gott Opfer dargebracht würden, und er sandte den Legaten Petronius mit einem starken Heere dahin ab, um, falls die Juden sich widersetzen würden, die Widerspenstigen zu tobten und alle übrigen zu Sklaven zu machen. Petronius rückte von Antiochien her mit drei Legionen und vielen HülfStruppen in Judäa ein und stand schon bei Ptolemais, wahrend das Volk in der größten Bestürzung und in vertheidigungslosem Zustande war. Es wußte nichts anderes zu thun, als nach der Ebene vor Ptolemais zu strömen und den PetroniuS anzuflehen, seiner zu schonen. Der Legat, auf welchen die Menge der Flehenden einen großen Eindruck machte, ließ das Heer mit den Bildsäulen bei Ptolemais und ging nach Liberias, wohin er die Angesehensten zur Berathung berief. Er stellte ihnen die unumgänglichen Befehle des Kaisers, die Unvermeidlichkeit der Strafausführung vor, und sagte u. A.: „Alle dem Reiche unterworfenen Völker hätten neben den Bildern der übrigen Götter die des Kaisers ausgestellt; wenn sie allein hierzu sich nicht verstehen wollten,, so sei ihre Widersetzlichkeit nicht viel bester als offene Empörung." Doch dies und alle möglichen Vorstellungen schreckten die Juden nicht ab, sie beriefen sich darauf, daß sie zwei Mal des Tages für den Kaiser und daS römische Volk Opfer darbrächten, aber vorziehen würden, allesammt zu sterben, als Bildsäulen im Heiligthume anfzustellen. Alles feierte im Lande; Niemand ging seinen gewöhnlichen Geschäften nach, das Land blieb unbesäet; fünfzig Tage währte dieser Zustand, und Petronius, der einsah, daß daS Land zu Grunde ginge und daß er in der That das ganze Volk tödten müsse, bevor er die Statuen des Kaisers im Tempel aufzustellen vermöchte, faßte endlich seinen Entschluß, führte daS Heer nach Antiochien zurück und richtete an den Kaiser ein Bittschreiben, in welchem er die obwaltenden Verhältnisse ausführlich darstellte. Der Kaiser gerieth darüber in großen Zorn und bedrohte den Petronius mit dem sofortigen Tode, wenn er seine Befehle nicht zur Ausführung