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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-26 · Heft 39 (26.9.1871) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 39 (26.9.1871)
Date
1871-09-26
Page
Seite 782 (sequence 10)
Language
German
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782 rücksichtigung von Konvertiten abzuschwächen gesucht. Im Uebrigerr ist bis jetzt der einzige Jsraelite, welcher in dem schwungvollen Jahre 1S4S auf Verwendungeines früheren Glaubensgenossen in der Magistratur in daS Heiligthum der Gerechtigkeit, wenn auch nur als ihr „Bote" und Einziger im ganzen Lande zu treten berufen wurde, ein sprechendes Beispiel dafür geblieben, mit welcher Zähigkeit man an dem früheren Systeme festhält. Ocsterrcichischungarische Monarchie. Wien, 8. September. (Privatmitth.» 8. In den .letzten Tagen des August tagte in Linz die allgemeine österreichische Leserversammlung. Ties nahmen die jüdischen Lehrer, die in der Versammlung anwesend waren, wahr, um für sich eine Nebenversammlung zu halten. In dieser wurde folgende vom Dircctor Götzl aus Wien eingebrachte Resolution mit großer Majorität angenommen: „Die Nebenversammlung der israelitischen Lehrer an der vierten allgemeinen österreichisch-ungarischen Lehrerversammlung spricht aus: So sehr diese Nebenversammlung mit allen Freunden und Gönnern der hebräischen Sprachwissenschaft darin übercinstimmt, daß in jeder israelitischen Cultnsgemeinde eine Stätte geschaffen und auch erhalten werden solle, um die Fortentwicklung des Hebräischen nach ihren Kräften zu fördern, so kann dieselbe gegenüber den Forderungen der allgemeinen Volksschule sich nicht enthalten, zu erklären, der Unterricht In Iicdi-aieis an der Volksschule hat als Gegenstand des Religionsunterrichtes zu entfallen." Wir haben alle Achtung vor den Aussprüchen einer Lehrcrversammlung, was. uns jedoch nicht abhalten kann, dieselben einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Da fällt uns denn zuerst die höchst gewundene Weise auf, in welcher sich diese Resolution der Herren Lehrer ausdrückt, während wir doch von praktischen Männern erwarten, daß sie gerade die klare und unzweideutige Fassung am meisten lieben und am ehesten finden werden. Es soll in jeder Eultusgcmeinde „eine Stätte geschaffen und erhalten werden, mm die Fortentwickelung des Hebräischen zu fördern." Mrs heißt daS? Was heißt Fortentwickelung des ^Hebräischen? Etwa ncuhebräische Gedichte und Aufsätze? Tenn wie kann das Althcbräische fortentwickelt werden? Und was soll dies für eine „Stätte" sein? Ein Beth hamidrasch? Wenn die Herren Lehrer jeder israelitischen Eultusgemeinde eine Pflicht auferlcgen wollten, hätten sie doch klar sagen müssen, worin diese bestehen soll. Doch die Hauptsache ist, das Hebräische soll an der jüdischen Volksschule nicht mehr als Gegenstand des Religionsunterrichtes gelehrt werden. Man könnte einen Augenblick glauben, daß die Lehrer meinen, das Hebräische solle nicht im Religionsunterrichte, sondern als ein besonderer Lehrgegeustand in der Volksschule unterrichtet werden. Ta aber die Resolution das Hebräische gar nicht mehr lehren, sondern nur „fortentwickeln" lassen will, wobei mau unwillkürlich den Hauptton auf das „fort" legt — so will sie wohl sagen, das Hebräische sott au der Volksschule gar nicht mehr gelehrt werden. Es ist schade, daß die Ncbenversammlung sich nicht deutlicher ausgesprochen, aber noch mehr schade, daß sie schließlich die Ausmerzung des hebräischen Unterrichts aus der jüdischen Volksschule decrctiren wollte. Als eines der Hauptmotive für das Dasein der jüdischen Volksschule erschien es uns stets, daß in ihr der unentbehrliche Unterricht im Hebräischen organisch mit den übrigen Lehrgegcnstäuden verbunden werden könne, da jeder anderweitige Unterricht in der heiligen Sprache mangelhaft bleibt. Nehmen wir diesen Lchrgegcnstand aus der jüdischen Volksschule, so ist ihre Existenz nur noch negativ begründet, nämlich zur Vermeidung des christlich Confessionetten. Glücklicherweise haben die Gemeinden hierüber auch noch ein Wort mitzusprcchcn. Wien, 10. September. (Privatmitth.) F. Wie die hiesigen öffentlichen Blätter Hinlänglich bekannt gegeben, ist cs jetzt gewiß, daß das gegenwärtige Ministerium mit seinen föderalistischen Ausgleichsentwürfen im zukünftigen Abgcordnetenhause des Reichstages die nothwendige Zwcidrittelmajorität haben werde; die deutsche Verfassuugspartei hat also eine große Niederlage .erfahren. Es wurde jüngst nun in Ihrem Blatte die Frage aufgeworfen, warum die beabsichtigte jüdischtheologische Facultät, welche schon zu Michaelis ins Leben treten sollte, in Stocken gerathcn sei? Offenbar haben die politischen Verhältnisse ihren bedeutsamen Antheil daran, und darum ist es zu bedauern, nicht daß die hiesigen Israeliten ihrer Ueberzeugung gemäß; in der Mehrheit mit der deutschen Vcrfassungspartei

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