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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-26 · Heft 39 (26.9.1871) · p. Seite 777

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 39 (26.9.1871)
Date
1871-09-26
Page
Seite 777 (sequence 5)
Language
German
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777 für eine schwere nicht zu ertragende Verletzung des väterlichen Gesetzes erachtet wurde. Während noch ein Jahrhundert früher Johann Hyrkan an seiner Burg coloffale Thiersiguren hatte (Alterthümer 12, 41, wurde aus Befehl des Sanhedrin, wie Iosephus berichtet (Selbstbiogr. 12), jetzt ein vom Vierfürsten Herodes in Tiberias erbauter Palast vom Volke verbrannt, weil er mit Thierfiguren geschmückt war."*) Freilich zeigt uns Herodes, daß er für seine Person diese Scrupel nicht hegte. Er, der Jdumäer, hatte für die Religion Israels nur dann Anhänglichkeit, wenn seine Herrschsucht und Prachtliebe nicht davon berührt wurden. Als schlauer Diplomat, der nach einander Cäsärs, Antonius und Augustus Gunst sich zu erwerben und zu erhalten gewußt hat, ließ er die Huldigungen nicht außer Acht, welche die römischen Cäsaren so gern sich gefallen ließen. Als er im Samaritanerlande die Stadt Sebaste gründete, baute er in die Mitte derselben dein Cäsar einen großen Tempel, den er mit einem heiligen Raum von anderthalb Stadien umgab (Jüd. Krieg, Buch 1. Cap. 21, § 2.). Augustus schenkte ihm nördlich vom See Merom ein Gebiet; er erbaute daselbst einen Ort Panium und gründete auch hier einen Tempel von weißem Marmor zur Anbetung des Augustus «in Berbindung mit der Roma) (das. § 3.). Dies wiederholte er auch noch an anderen Orten, wodurch sein prachtvoller Ausbau des Tempels zu Jerusalem an religiöser Bedeutung für ihn überaus viel verliert. Dennoch wagte er es niemals, Bildsäulen in Jerusalem aufznstellen, und erlaubte fich nur, einen goldenen Adler ldas Symbol Roms) über der Außeupforte des Tempels anzubringen. Doch war auch dies schon ein Vergehen in den Augen deS Volkes, das seinen Unwillen nur durch die Furcht vor der Gewaltthätigkeit des Königs in Schranken hielt. Und doch wurde dieser Adler zum Weudepuncte im osseubaren Kampfe des Volkes gegen den römischen Aberglauben, der einzudringen versuchte. Als Herodes, durch Alter und Kummer geschwächt, sehr erkrankte und das Gerücht, daß er im Sterben liege, sich verbreitete, forderten zwei Schriftgelehrte, Juda der Saphoräer und Matthias, der Sohn Margals, die viele Schüler um sich gesammelt hatten, diese Schüler auf, den goldenen Adler *) Vgl. hierzu „Ueber das Berhältniß des Judenthums zu den bildenden Künsten" A. Z. d. I. Jahrg. 1863. Nr. 9. zu zerstören. Es sei, sagten sie, die Zeit gekommen, Gottes Ehre zu rächen; es sei schön, der Gefahr Trotz zu bieten, und für das Gesetz der Väter sich dem Tode auSzusetzen; wer so sterbe, habe sich unsterbliches Leben und den Genuß ewiger Güter gesichert. Mittags, als eben im Tempel viel Volk war, ließen sich die Schüler an Seilen vom Dache herab und zerhieben den goldenen Adler mit Aexten. Roch aber hatte der sterbende König die Macht in Händen, ließ vierzig der jungen Männer gefangen nehmen und die von ihnen, welche .sich vom Dache Herabgelasien, sowie die beiden Schristgelehrten lebendig verbrennen, die andern Verhafteten hinrichten (das. Cap. 33 § 2. 3.). Als Judäa römische Provinz geworden und Pilatus Statthalter war, brachte dieser bei Nacht verhüllte Bilder des Kaisers, die auf den Fahnenstangen und Standarten angebracht waren, nach Jerusalem. Sobald der Tag anbrach, wurde das Volk hierüber äußerst unruhig/ da man hierin eine Verletzung des Gesetzes erblickte, das keine Menschenbilder in Jerusalem dulden wollte, und man fürchtete, daß dies der Anfang, zur Forderung der Anbetung der Kaiferbilder sein würde. Vom Lande aus strömte die Menge in die Stadt und schickte Abgesandte zu PilatuS nach Cäsarea, die Bilder aus der Stadt zurückzuziehen. Als er ihnen die Bitte abfchlug, warfen sie sich zu Boden und blieben fünf Tage und fünf Nächte unbeweglich liegen. Jetzt ließ Pilatus das Volk zusammenrufen, schloß die Anwesenden mit einer dreifachen Linie Bewaffneter ein und die Soldaten mußten ihre Schwerter ziehen. Das Volk aber warf sich nieder und rief: Lieber wollen wir den Tod erleiden atö das Gesetz übertreten. Diese Standhaftigkeit und. die Erwägung der Folgen, die eine Niedennetzlung haben könnte, bewogen Pilatus, die Fahnenbilder aus Jerusalem zurückzuziehen. (Das. B. II, Cap. 9 § 2. 3.) Eine viel größere Gefahr drohte aber bald darauf. «Fortsetzung folgt). Bad Ems, im September. Die angebliche Prophezeiung. Wenn irgendetwas die Nothwendigkeit des Unterrichtes in der Ursprache der heiligen Schriften und deren Commentaren für Jung und Alt — damit hierin nicht

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