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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-26 · Heft 39 (26.9.1871) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 39 (26.9.1871)
Date
1871-09-26
Page
Seite 775 (sequence 3)
Language
German
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775 in der Strömung des Luxus, der vermannigsaltigten und verfeinerten Bedürfnisse, in der Verworrenheit unserer Verhältnisse, in den Gegensätzen der Lebensbedingungen sollen wir unsere innigste .Beziehung zur Ratur festhalten und nicht schwinden lasten, mit der Natur so viel es uns möglich ist, leben, der Einfachheit, der Regelmäßigkeit, der Gesetzmäßigkeit der Natur uns, so weit es nur an uns ist, nähern. Wer sieht nicht ein, wie nothwendig und heilsam dies für uns ist, nachdem Lebensweise, Sitte und Wandel im Großen und Kleinen sich so weit davon entfernt haben. Und daun soll der Gedanke, das Gefühl in uns wieder lebendig und Alles in uns herrschend werden, daß, was uns das Leben giebt und bringt, was wir, sei es viel oder wenig, anS seiner Fülle, aus seinen Schätzen erlangen, eine Gabe und Segnung unseres Gottes ist, denn sowohl die Kraft und Mühewaltung, die wir dafür anfwenden als auch daß diese etwas erringt, ist eine Spende Gottes, ohne desten Fügung wir auch dies nicht hätten und erreichten. Und endlich, die Gleichheit der Menschen vor Gott, die Verbrüderung derselben im Angesichte ihres gemeinsamen Vaters droben, die W^rthschätznng alles Menschlichen, die Menschenliebe, wir'dürfen sie nicht aufgcben, müssen sie in unserer Seele hegen und unsere Handlungen von ihnen bestimmen lasten. Trotz des schmählichen Mißbrauchs, der in unserer Zeit mit diesen Begriffen getrieben worden, und der die uns von Gott verliehene Persönlichkeit und den freien Bestand als Individuum aufheben und die ganze Menschheit zu einer Maste gleichartiger Atome Herabdrücken will, halten wir die Fahne der Humanität hoch, unterscheiden das Wahre und Falsche, das göttliche Recht und das ntenschliche Unrecht von einander und leben den großen Zielen, welche unsere Religion von ihrem Beginne an und alle zeitlichen Entstellungen überwindend, uns aufgestellt hat. Oie.Vergötterung (Apotheose) von Menschen. t Fortsetzung). Die Vergötterung der Kaiser bestand so lange wie das Reich selbst, mehr als drei Jahrhunderte. Tie Abscheulichkeit einiger dieser Kaiser verhinderte nicht, sie als Götter zu verehren. Man hatte den Gott Elaudius, den, wie Juvenal sagt, seine Frau in den Himmel versetzte, indem sie ihn eine Schüssel Champignons esien ließ, nach welcher er nichts mehr aß. Nero machte auseiner Frau Poppäa eine Göttin, nachdem er sie mit einem Fußtritt gctödtet, Domitian auS seiner Nichte Julia, die zugleich seine Maitreste gewesen. Es folgten andere Kaiser, welche der Verehrung würdiger waren. Kein Gott wurde jemals mehr gefeiert alS Markus Anrelius. Noch zwei Jahrhunderte später unter Constantin wurde vor seiner Bildsäule geopfert und er von vielen als Quelle guter Träume und günstiger Orakel angesehen. Daß diese Vergötterung bei dem Volke ganz allgemein war, beweist eine Maste von bescheidenen Denkmälern und groben Altären, die oft in barbarischem Latein die Anbetung bezeugen, die mau den vergötterten Kaisern spendete. Aber auch die Aufgeklärten standen diesem Aberglauben nicht fern, und imui teuf nicht behaupten, daß die Senatoren, welche daö Gottwerden decretirten, es nicht ernst gemeint hätten. Wenn der gegen allen Aberglauben kämpfende Lncrez in seiner Begeisterung -für Epikur ausrust: „Ja, er war ein Gott", so hatte er es ernst gemeint. Die Gewohnheit that hierbei viel, und man kann immerhin mit Boisster an- I nehmen, daß das Volk diese vergötterten Menschen als wirkliche Götter ansah, die aufgeklärteren sie in der Art verehrten, wie mit ton Heiligen der katholischen Kirche geschieht. Boissier meint: „Wenn wir die Freunde des Markus Anrelius sein Bild unter ihre Penatengötter stellen und ihm einen Eultuö weihen sehen, braucht inan sich nicht inehr zu verwundern, als wenn der Sire de Joinville erzählt, daß er in der Capelle seines Schlosses einen Altar dem heiligen Ludwig «.König von Frankreich) errichtet habe, wo man immerfort zu Ehren destelben Hymnen singen werde. III. Dies ist das Bild, daö wir, theils auö der angeführten Abhandlung des Herrn Gaston Boissier, theils nach eigener Forschung in kurzen Zügen von der im Oriente, in Griechenland und bei allen dem römischen Scepter unterworfenen Völkern — mit alleiniger Ausnahme der Inden — vielverbreiteten Vergötterung von Menschen zu entwerfen hatten. Wir haben uns möglichster Kürze befleißigt und wollen nicht einmal behaupten, daß wir die prägnantesten Vorfälle auf diesem Gebiete angeführt haben. Es sind sogar einige Andeutungen 39»

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