Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1871)
- Date
- 1871-09-19
- Page
- Seite 758 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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758 Herzen zündendes Wcihegebet. Nach dem Horwitz'schen Liede begann die Predigt mit den Worten Jacobs '“i n?:sn V-ei L"N27-.n Vs» ■»nrop. So wie der alte Jakob als Wanderer diese Worte sprach, so kann ein jüngeres Geschlecht nach dieser großen und langen Wanderschaft cs heute auch aussprechen. Tic hiesige Gemeinde ist mit dem Wanderstabe hierher gezogen und jetzt ein Toppcllagcr geworden und zwar im Gebiete des Geistes und im Gebiete des Bürgerthums. Ein Wanderer auf mühsamen Wegen schied er mit Wehmnth aus dem Vaterhause, er kam als Fremder hierher und wurde mit mißtrauischen Blicken verfolgt. Alles wurde ihm falsch ausgelegt, sein fester treuer Glaube, seine Thätigkeit u. s. w. Die Tage wurden Heller, aber die betrübte Zeit war noch nicht vorüber. Tie gebaute Hütte sollte wieder abgebrochen werden. Endlich wurde die Raststätte zur Hcimath. Ein neuer Bund sollte geschlossen werden mit dem Hanse Israel rrcnn rrnn Nicht ein Bund mit einigen kümmerlichen Rechten, ein Bund der Bürgergleichheit, ein Bund der Menschlichkeit, ein Bund des geistigen Aufschwunges. Wir haben auch diesen neuen Bund mit unserm Blute besiegelt, mit dem Blute für das Vaterland, für seine Ehre, für seine Wohlfahrt; wir haben diesen Bund noch mit einer edleren Sache besiegelt, nicht durch Blut und Eisen blos; durch ehrenvolle Arbeit, durch Pflege der Fricdenskünste ü. s. w. Zum Schlüsse gedenkt der Redner der Größe der Gemeinde und ihrer Entwickelung : nicht der Zahl nach, sondern nach dem was sie geschaffen. Die Zeit schafft nichts; aber die Menschen in dieser Zeit! Er gedenkt der Namen derer, welche die Gemeinde und das Vaterland mit Stolz nennt: Moses Mendelssohns und seines Jüngers Stadtrath Tavid Friedländer ns'-is’b -07 und neben ihnen der großen Männer außerhalb der israelitischen Eoufession, welche durch Schrift und Wort die Vorurtheile bekämpften: Gotthold Ephraim Lessing, Christian Wilhelm Dohm. „Wir scheuen uns nicht diese großen Namen vor der heiligen Lade hier auszusprechen. Wir verehren nicht einen gesalbten Erlöser, unser einziger Erlöser ist Gott; wir verehren aber die Menschen, die Großes geschaffen linb Finsterniß zu Lichte machten, und die Dankbarkeit wird nie aus unserm Herzen zu löschen sein! Vergiß auch Du, meine Gemeinde, den neuen Bund nicht, nicht die Pflege des Geistes und der Wissenschaft, das ist der Inhalt des neuen Bundes, damit, wenn wieder ein Jahrhundert vorüber ist, die Nachkommen auf Dich mit Stolz blicken können. Das ist die Größe einer Gemeinde." Es folgte nun der Segen für das Vaterland, für den König, für die Stadt und für die Gemeinde und ihre Vertreter. Das ist so ungefähr der Jichalt der Geiger'schen Rede, die, wie nicht zu leugnen ist, eine gelungene Arbeit war: jedoch können wir uns die Bemerkung nicht versagen, daß sie im Ganzen zu lang war und dadurch den Zuhörer ermüdete. Wenn diese Bemerkung auch Manchci'n unrichtig erscheint, so dürfte die Rüge wohl gerecht sein, daß die Hohenzollern in der angeführten Geschichte der Gemeinde jedenfalls einen Platz hätten finden müssen; jedenfalls waren es Kurfürsten Preußens, nicht die damaligen Bürger Berlins, welche die Juden, sei cs auch aus welchen Gründen es wolle, gleichviel ob mit härteren oder leichteren Bedingungen, schützten und keine Vertreibung wieder aufkommen ließen, obwohl cs nicht an Anklagen und Beschwerden fehlte. Mit dem Schluß des 150. Psalms schloß die wahrhaft erhebende und unvergeßliche Feier. 8. Berlin, 21. Aug. (Privatmitth.) Bor wenigen Stunden ist wiederum ein junger Mann aus dem Ehristenthum zum jüdischen Glauben übergegangen. Seit Monaten bereits war derselbe bemüht, diese Aufnahme zu erlangen, welche jedoch durch die vielen Schwierigkeiten aufgehalten wurde, die ihm von Seiten derer bereitet worden sind, welche dieselbe leiteten. Wahrhaft ergriffen waren die Anwesenden von dem feierlichen Ernst und der freudigen Hingabe, mit welcher der junge Mann den schweren Act der Aufnahme an sich vollziehen ließ, und schweigend blickten sie einander ins Angesicht und priesen den Glauben ihrer Väter, der solche Macht und Anziehungskraft durch die Jahrtausende sich bewahrt hat. Was vermag dagegen der Bannstrahl des evangelischen Dberkirchenraths! Berlin, 1. Sept. (Privatmitth.) Währenddes Krieges hatte sich hier ein Comito für die während desselben in Berlin befindlichen Soldaten, verwundete und unverwundete, zu ihrer Beköstigung mit koscheren Speisen gebildet, welches seine Thä-