Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1871)
- Date
- 1871-09-19
- Page
- Seite 754 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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754 geschah ries ten Königen und Helden nicht. Jndeß war die Vorstellung. daß ein Mensch ein Gott werden könne, aucb in Italien sehr verbreitet. Die Geister der Gestorbenen wuiden als Manes, d. h. rein und gut, verehr: unter diesen aber wurden die vorzüglichsten zu wirklichen Göttern, Dii Manes. Cicero erklärt es sogar für einen Glaubensartikel, daß Jeder seine verstorbenen Aeltern als Götter verehren müsse. Das Grab wurde zum Altar und wird auch oft so genannt; man bringt darauf wirkliche Opfer und Libationen dar mit Fl ölen klang und angezündeten Lampen wie in den Tempeln. Ter Volksglaube machte die Seelen der Ahnen zu Göttern und nannte sie Lares, welchen ein Jeder in seinem Hause völlige göttliche Ehren erwies. Dies war nicht blos bei den unteren Classen, sondern auch bei den Aufgeklärten und Gebildeten. Als Cicero seine Tochter Tullia verloren hatte, wollte er sie durchaus als eine Göttin verehrt haben, suchte eifrig nach einem Orte, an welchem viel Verkehr war, um ihr einen Tempel zu errichten, der jede Aehnlichkeit mit einem Grabe vermeide, denn es sollte eine wahrhafte Apotheose stattfinden. Hiermit stimmten auch die römischen Theologen überein. Der gelehrte Labeo hatte, indem er die Doctrinen der Etrusker resumirte, eine Abhandlung geschrieben, welche von den Kirchenvätern citirt wird, über die Götter, welche anfänglich Menschen gewesen, lle <liis animalibus. Nach ihm konnte man aus der menschlichen Seele einen Gott machen, und zwar kraft gewisser Opfer vollzog sich dieses Wunder. Diese Opfer waren ohne Zweifel dieselben Ritualien wie bei den Begräbnissen, welchen die Religion so viele Wichtigkeit beilegte; wenn sie genau erfüllt wurden, wenn man keine Ceremonie, kein Gebet ausgelasien hatte, dann nahm die Seele der Verstorbenen Platz unter den dii animales. *) Aber auch philosophische Schulen theilten diese Ansicht. Die Stoiker erklärten, daß die Seelen der Weisen und Tugendhaften nicht blos unsterblich, sondern auch göttlich seien und von den Göttern unter sich ausgenommen werden. Vorhandene Inschriften lehren uns, daß diese Ansicht in den höchsten wie in den niedrigsten Elasten allgemein verbreitet war. *) Aus dieser Wurzel entsproß folgerichtig die Vorschrift der katholischen Kirche, durch Seelenmessen die Seelen aus dem Fegefeuer zu befreien. Auch unter den Juden war es ein Volksglaube, daß durch das Absagen deS dem Gedächtniß der Aeltern gewidmeten Kaddisch daS Heil der Verstorbenen erhöht werde. Jndeß war dies Volksglaube, jenes ist ofsicielle Kirchensatzung. Auf diesen Grund hin kann es nicht auffallen, daß sich nach dem Vorbilde der Orientalen und Griechen auch bei den Römern die Vergötterung ihrer Herrscher festsetzte, und daß diese bald nicht mehr von der Würdigkeit der Personen, sondern von ihrer Stellung abhängig war. Nach Romulus war Cäsar der Erste, welchem ofsiciell die Ehren der Vergötterung ertheilt wurden. Schon bei seinem Leben bestimmte ein Decret des Senates , daß bei Processionen sein Bild unter denen der Götter auf einem Triumphwagen gefahren, daß ein neues Priestercollegium unter dem Namen Imperei Julii gebildet werde, d-ß mau ihm alle fünf Jahre religiöse Feste feiern und eine Bildsäule errichten solle mit der Inschrift: „Dies ist ein Halbgott." In seinem letzten Lebensjahre ging man weiter, erklärte ihn für einen wahrhaften Gott, welchen man unter dem Namen Jupiter Julius unter den höchsten Göttern anzubeten und ihm einen Tempel zu errichten habe. Was darin etwa Schmeichelei, gewesen, verschwand bei seinem Tode, und wurde im Volke zu einem wahren Cultus. Seine früheren Freunde machten Schwierigkeiten; aber Octavian überwand diese, und im Jahre 71.2 wurde der Cultus des neuen Gottes ofsiciell eingesetzt. Der 7. Juli wurde als religiöses Fest installirt, und die Anbetung des Gottes Julius verbreitete sich schnell bis nach dem Oriente und Aegypten. Als seine Mutter nahm man die Venus Genetrix an. Das Beispiel Casars fand schnelle Nachahmung. Nach seinen Seesiegen erklärte sich Septus Pompejus für den Sohn des Neptun, stellte diesen Namen auf seine Münzen und kleidete sich in Azurgewänder. Antonius befahl ihn als Bacchus anzubeten und man gehorchte ihm in ganz Griechenland. Die ganze Stadt Ephesus verwandelte sich in Bacchantinnen, Frauen und Satyrn; in Athen baute man eine Bacchuscapelle, und Antonius erschien daselbst als Bacchus und nahin die Anbetung der zusammen geströmter. Griechen persönlich entgegen. Ihm gesellte sich Kleopatra als Aphrodite zu. Anders Augustus. Schlau wie er war, wollte er aus seiner Vergötterung kein Comödienspiel machen, sie vielmehr tief dem wirklichen Volksleben einprägen. Als nach seinen Siegen der Orient ihn bestürmte, sich anbeten zu lassen, gestattete er nur, daß ihm Tempel und Altäre zugleich mit der Göttin Roma errichtet würden, verbot dies aber in Rom selbst. Das erstere geschah dann schnell im ganzen Orient, dann in Spanien, endlich in Italien. In Rom selbst begann das Volk in den Privathäusern ihm Altäre herzustellen, Gebete an ihn zu richten, bei