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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-19 · Heft 38 (19.9.1871) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 38 (19.9.1871)
Date
1871-09-19
Page
Seite 753 (sequence 3)
Language
German
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753 Stiftszeltes und später des Tempels von allen Entweihungen versöhnen sollte! Wie Viele von Allen nun eine ganz persönliche Einkehr in ihren Seelenzustand, eine aufrichtige Erkenntnis ihrer Fehler und Fehle, eine wahrhafte Neue und Besserung in den Kammern ihres Herzens vollziehen, müssen wir der unsichtbaren Gewalt des Guten und Wahren überlassen; gewiß, daß die segensreichen Wirkungen nicht ausbleiben, daß die geistige Saat aufgeht, auch wenn wir die Ernte nicht zu messen und zu zählen vermögen, wie draußen auf den Fluren. So feiern wir auch diesmal das heilige Fest unserer Religion, und Jeder, der diese Zeilen liest, möge darauf bedacht fein, den heiligen Geist des Festes über sich kommen und in sich eindringen zu lassen — dann wird der Segen nicht für ihn auSbleiben, ihm ein Führer zu fein auf den verworrenen Pfaden des Lebens, und eine Ausrichtung in den schweren Tagen, da sein Herz blutet und sich nach linderndem Balsam sehnt. Die Vergötterung (Apotheose) von Menschen. ii. Diesem Bilde dessen gegenüber, was das Judenthum über den Menschen gelehrt und aufrecht erhalten hat, zuerst im Schoße seines eigenen Volkes durch große Kämpfe sicherte, dann der übrigen Welt mit fester Hand entgegenhielt, zeichnen wir das Gemälde der Vorstellungen und Acte der übrigen antiken Welt in kurzen Zügen. Die Legenden aller Völker erzählen von alten Helden, welche zum Danke für ihre muthigen und tapferen Thatcn unter die Götter versetzt wurden. Alle wichtigen Städte hatten den Gebrauch, ihrem Gründer göttliche Ehren zu ertheilen, ihm Tempel und Altäre und auf diesen Bildsäulen zu errichten, Opfer darzubringen und Gebete um Schutz und Förderung an ihn zu richten. Ja, die Bewohner jeder Stadt setzten ein besonderes Vertrauen auf diesen ihnen angehörigen Schutzgott, und brachten ihm meist mehr Gaben dar alö allen anderen Göttern. Auch die Aufgeklärten huldigten mit Wort und That diesem Brauche und schätzten seine glücklichen Wirkungen. Dies übertrugen die Völker des Orients auch aus ihre Könige. Die souveräne Gewalt hatte bei ihnen einen religiösen Charakter, die Herrscher lebten abgeschlossen vom Volke und wurden ihm nur selten sichtbar. Bald wurde nicht mehr der Tod der Fürsten erwartet, um sie als Götter zu verehren. Der ägyptische Pharao nannte sich selbst den „guten und großen Gott" und durch den religiösen Act seiner Krönung wurde er „Sohn der Sonne." Alexander der Große erklärte sich zum Sohne des Jupiter Ammon; die Ptolemäer richteten in ihrer Hauptstadt einen förmlichen Cullnö für die Regenten aus ihren: Hause ein. Die zur Krönung deS PtolemäuS EpiphaneS versammelten ägyptischen Priester erklärten, „daß er Gott sei, Sohn eines Gottes und einer Göttin wie Horns, der Sohn der Isis und des Osiris." In Folge dessen „solle man ihm eine Bildsäule in jedem Tempel an der sichtlichsten Stelle errichten, und die Priester drei Mal an jeden: Tage den Gottesdienst vollziehen, und bei Processionen die Bildsäule des Gottes Epiphanes wie die der anderen einhertragen." Auch in Griechenland, nachdem es seine Freiheit verloren, ließen sich alle Tyrannen, die es sich unterwarfen, göttliche Ehren bezeugen. Es wurde daselbst zu einer feilen Schmeichelei. Als Mithridates die Römer in Asien hatte erwürgen lassen, nannten sie ihn „Gott Vater , Gott Erlöser." Als die Römer den Mithridates gestürzt, wetteiferten die griechischen Städte, der Göttin Rom Altäre zu errichten. Bald that man dies auch den römischen Feldherrn und Proconsuln. Tempel erhoben sich zu Ehren des Flamininus, als er Philipp besiegt hatte, man betete ihn zugleich mit Apollo und Herkules an, und noch zu Plutarchs Zeit wurden die zu seinen Ehren gedichteten Hymnen gesungen. Je abscheulicher diese Proconsuln waren, desto mehr Altäre wurden ihnen geweiht, wie in Sicilien dem Verres, ehe man ihn vor Gericht stellte, in Cilicien dem Appius, der dort Alles ausgeplündert hatte. Die römischen Gesetze beförderten dies und verboten den Proconsuln jede besondere Auflage außer der, die zur Errichtung von Tempeln für sie nothwendig wäre. Bei den Römern war es nicht anders. Ihre ältesten Könige Picuö, FaunuS, Latinus beteten sie als „einheimische Götter" in jedem Mißgeschicke deS Vaterlandes inbrünstiger an als die Götter. Jndeß hatten die Römer längere Zeit eine gewisse Abneigung, geschichtliche Personen, die nicht von der Legende getragen wurden, zu vergöttern, und seit Romulus, dem Gründer ihrer Stadt, der lebendig zum Himmel gefahren sein soll, obschon ihn dieselbe Legende zum Brudermörder machte, 38*

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