Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1871)
- Date
- 1871-09-12
- Page
- Seite 739 (sequence 9)
- Language
- German
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tigung. Wir hoffen, daß damit der Widerstreit des Provinzial - Schulcollegiums gebrochen ist und den jungen Leuten in Zukunft, auch ohne sich nach Berlin zu wenden, ihr Recht zu Theil wird. (Fr. I.) Stuttgart, 29. August. (Privatmitth.) Wenn die Ultramontanen in allen ihren Blättern ihre Feindschaft gegen das neue deutsche Reiche welches sich ihnen bekanntlich zur Wiederherstellung ihrer Macht uicht herleihen will, gegen das deutsch-nationale Leben, welches das Bewußtsein und Gefühl selbst des katholischen Volkes von den Interessen Roms abzulenken droht, in der unzweideutigsten Weise zu erkennen geben, und zwar am Rhein wie an der Isar, an der Donau wie an der Oder: so haben sie allerdings guten Grund, auch hierin die Juden als ihre Gegner anznschnldigen. Denn in der That ist es nicht zu verkennen, daß die Juden in Deutschland diesem neu erwachten, großartigen politischen Leben des geeinigten deutschen Reiches sich mit einer Liebe angeschlossen haben, wie sie in keinem anderen Theile der deutschen Nation aufrichtiger lebt. Einen Beweis hierfür gab wieder in der ersten Plenarsitzung des eben allhier stattfindenden deutschen Juristentagcs, zu welchem fast 700 deutsche Juristen versammelt sind, ein Vortrag des Rechtsanwalts und Notars Makower aus Berlin, unseres Glaubensgenossen „Ucbcr die Rechtscntwickclung innerhalb Deutschlands während der letzten zwei Jahre." Es versteht sich, daß in diesem Blatte nicht der Platz ist, den Inhalt des von Herrn Makower abgestatteten Berichtes auch nur zu skizziren, eines Berichtes, der von der Versammlung mit lautem Beifall aufgenommen und von den competeutesten Fachmännern für mit großer Sachkenntniß verfaßt erklärt wurde, lind welcher auch im Druck erscheinen wird. Nur will ich eben den echt nationalen Geist betonen, der aus jedem Theile desselben hervorleuchtet und den an sich trockenen Stoff belebt, ohne daß dabei die gerechte Würdigung dessen, was auf dem particulären Gebiete in gesetzlicher Beziehung geschieht, fehlt. Er zeigt von der einen Seite, wie unangemessen cs ist, daß jede Landesgesctzgebullg etwas Eigenes und Neues, darum oft Verfehltes in Materiell schaffen will, welche eine Eonformität nicht bloS zulassen, sondern wünschenswerth machen, von der anderen, wie die Reichsgesetzgebung sich an Manches anschließen sollte, was die Landesgeletzgebung hervorgebracht, z. B. das neue sächsische Preßgesetz. An den vielen vorliegenden Thatsachen zeigte dann Herr Makower den besonders frischen Zug der RechtSentwickelung, den lebendigen Geist, welcher, wo eS Noth thut, die alten Formen muthig verläßt, um sich in neuen Schöpfungen zu verkörpern, den die Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes bethatigt hat. Zuletzt sprach er über die vielen großen juristischen Aufgaben, welche die Neichsgesetzgebung zu lösen begonnen und vor sich hat. So schwierig es für den praktischen Juristen sei, inmitten der schnellen und gewaltigen Veränderungen der Gesetzgebung, denen man kaum zu folgen vermöge, sich zurecht zu finden, so erfülle es uns doch mit Freude, die große Zeit der nationalen Wiedergeburt miterlebt und die neuen Bahilen der Rechtsentwicklung unter den Ersten betreten und sie nach Kräften gefördert zu haben. Diesen mächtigen, in den Gebildeten wie in der Masse der deutschen Juden lebendigen Zug für das nationale Leben Deutschlands wird man geschichtlich zu notiren haben. Die deutsche Judenheit stellte dem werdenden wie gewordenen neuen deutschen Reich ihre geistigen, wie materiellen Kräfte zu Gebote, und hat für die Gegner desselben innerhalb Deutschlands nichts übrig. —. Herr Makower ist auch in die ständige Deputation des deutschen Juristentages gewählt worden, in welche die bedeutendsten juristischen Capacitäten Deutschlands von der Versammlung ernannt wurden. Oesterreichischungarische Monarchie. Von der Theiß, im August. (Privatm.l Es ist kein befriedigender Anblick, welchen die ungarische Judenheit unserer Zeit darbietet. Auffällig war mir, daß ich wiederholt von ungarischen Freunden und Glaubensgenossen die Worte vernahm: im Schulwesen seien die Deutschen groß und ausgewachsen und die Magyaren könnten auf deren Banken sitzen, in der Politik sei es umgekehrt, da wären die deutschen Schüler und die Magyaren Meister. Ich mag diese Vergleichung nicht genau verfolgen; mich bedünkt aber, daß es eine Politik im Großen und Kleinen giebt. Die Deutschen haben seit einem halben Jahrhundert den großen politischen Gedanken verfolgt, ein einiges deutsches Reich wiederherzustellen, und werden ihn im-/ 37