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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-12 · Heft 37 (12.9.1871) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 37 (12.9.1871)
Date
1871-09-12
Page
Seite 733 (sequence 3)
Language
German
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733 schrecklichem Maße; in Litthauen das zahlreiche jüdische Proletariat unter der Geißel der Cholera , die bereits auch in deutsche Städte ihren unheilvollen Einzug gehalten. Durch Rumänien und Rußland geht ein dunkler Geist, des Judenhasses und der Judenverfolgung, der bald hier, bald dort einen Ausbruch fürchten läßt. In Deutschland zünden die Führer einer Partei, welche sich, freilich vergebens, für eine vorzugsweise religiöse ansgiebt, die Flamme der Zwietracht, der Verketzerung immer mehr au — wenn sie auch die eigentliche Masse unserer Glaubeusbrüder mit allen ihren Hetzereien nicht zu ergreifen vermag — und unterwühlen in Preußen die Organisation und den Bestand der Gemeinden, um wo möglich die vielen zerstreuten Häuflein noch einmal auseinanderzureißen. Nur an den Ufern des altbenihmten Tibers erfreut uns, daß endlich die Fesseln zerbrochen sind, welche die Pfaffenherrschaft um die Arme und Füße unserer Glaubensgenossen unveränderlich geschlungen hielten. Vergessen wir also alles Dessen, was in Israel trennend zwischen seine Söhne treten kennte, schließen wir int Geiste fest jenen Bund, den Bullen unseres Gottes mit ganzen: Herzen nach unserer Ueberzengung aufrichtig zu thun, und geben uns au diesen heiligen Festen den Gefühlen des Friedens, der "ruhe und Sicherheit hin, überlassen uns dem Vertrauen auf die weise Führung des Allgütigen, jener Vorsehung, jener „Gnade und Barmherzigkeit, die uns bis hierher geholfen, bis heute nicht verlassen hat und uns niemals verstoßen wird!" Und so spende uns der Gott des Gebens ein Jahr des Lebens, des Heiles und des Friedens; und in allen Häusern Israels, wo die Liebe und die Zufriedenheit wohnt, erhalte Er diese, und wo der Schmerz und die Trauer weiten, da komme sein Trost hin und erhebe die betrübten Herzen und die bedrückten Geister; und wo die Sorge und die Bekümmernis; am Heerde sitzen, da wehe der Hauch seiner Zuversicht, daß jedes Tuntel sich lichtet und die Sonne der Hülfe durch das düstere Gewölk dringt, und die alte Verheißung in uuö lebendig werde: „Er stützet die Wankenden, richtet ans die Gefallenen, befreit die Gefesselten und heilet die Kranken!" .-!2^ nrcV Die Vcrrfrillcnimj (Äpvlheole) von Menschen. Seit Creuzer war cs daß Streben der Gekehlten, besonders der deutschen, die plastischen Gestalten der griechischen und römischen Mythologie in philosophische Ideen aufzulesen und als Versinnbildlichung großartiger, die Welt imb ihre Erscheinungen umfassender Vorstellungen anözndenten. Der Erfolg war kein günstiger, da eben jeder derartige Ausleger zu einem anderen darin verborgenen Philosophen: gelangte, bis schließlich Schelling in der Schlußphase seines Lebens diese ganze Tendenz fast bis zun: philosophischen Irrsinn führte. Seitdem wiederum suchte man die religiösen Anschauungen des griechischen Volkes, fast auch deö römischen, als sehr geläuterte auszugebeii, entfernt von allem Rohstnnltchen, und sie als im Grunde dem Monotheismus nahe zu behaupten. Man sammelte zerstreute Winke, Andeutungen, Hinweisungen ans Geheimlehren, um so einen fortlaufenden Faden eines aufgeklärten religiösen Lebens zu spinnen. Dies alles ist Fiction, man trägt zusammen und hinein, was niemals wirklich in diesen antiken Völkern lebte, was ihrer Natur widersprach, was über ihren Gedanlenkreis hinanSging. Mai: zerstörte den Zusammenhang mit ihren Geisteßerzeugnissen, mit ihrer Kunst und ihren: politischen Leben. Ein vorurteilsloser Blick in das Material, welches ihre Geschichte, Literatur, Kunstdenkmäler, Monumente und Inschriften in so reichen: Maße bieten, widerlegt alle diese mühsamen Forschungen und Combinationen, und zeigt uns, daß alle Elasten des griechischen und des römischen Volkes in sehr sinnliche und beschränkte religiöse Vorstellungen versunken waren, und daß der Monotheismus des JudenthumS ihnen einen vollständigen, unbeugsamen Gegensatz gegenüberstellte und seine Opposition niemals aufgab, ja mit dem Untergange der 'Nation als solcher besiegelte. Was wir in diesen Sätzen gesagt, wollen wir an einem großen faetischen Beispiele erweisen und werden dazu durch einen Aufsatz der Revue des dcux Mondes in der Lieferung vom 1. Mai dieses JahreS veranlaßt. Derselbe handelt von der „Apotheose der römischer Kaiser" und hat Herrn Gaston Boissier zum Verfasser. Wir aber beabsichtigen , den - Gegenstand auS weiteren 37*

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