Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1871)
- Date
- 1871-09-05
- Page
- Seite 729 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226835--29832-3252688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Euch die Schule jenes Maimonides Und Achnncher umgarnt mit falschen Netzen. Ha, jetzt erkenne ich den Finger Gottes, Der uns aus diesem Lande bannt, wo Ihr In sträflicher Gemeinschaft mit Arabern Die alte Lehre habt verfälscht. (Zu den Jüngern gewendet.) Kommt Kinder! Laßt uns geduldig tragen, was die Vorsicht In ihrer Weisheit über uns verhängt. Willkommen, du Gefährte meiner Jugend, Willkommen, Wanderstab, im Greisenalter! Du bahntest auf der Pyrenäen Rücken Mir einst den Weg in dieses Land, jetzt leite Zurück den müden Schritt. — Nichts nehm ich mit Aus diesem überreichen Land, als dich Und unser unentweihetes Gesetz! (Ab.) Simeon. Nicht schelten kann ich diesen alten Mann, Der stets ein fremder blieb in unsrer Mitte. Er denkt und glaubt, wie seine Väter glaubten, Die aus der Schul der Juden Frankreichs stainmen, Die mit der unsrigen im Kampfe liegt. Dort ist's, wo man deck Buchstab blind verehrt, Und gänzlich vom Gesetz den Geist verbannt. — Auch ich erkenne jetzt die höh're Macht, Die uns aus diesem fernen Winkel weist. Wo wir, getrennt vom Tröste unsres Volks, Allein für uns den hohen Sinn bewahren, Der uns von unfern Ahnen blieb, die bis Zum königlichen Stamme Davids reichen. Fortan — so will es wohl der Rathschluß Gottes Soll die Erkenntniß, die wir hier gepflegt, Durch Wort und Schrift Gemeingut Aller werden. Salomo. Wohl ziemt es uns, auf Gottes Spruch in Demuth Gefaßt zu sein; doch soll der Mensch sich nicht Blindlings dem Schicksal ohne Kampf ergeben, Denn ringen soll er stets mit dem Verhängniß. Drum leget nicht die Hände in den Schooß! Es gilt, den heimathlichen Herd zu schützen Durch weisen Rath und auch durch kräftige That! Drei Perlen.') Ein Wettersturm ist los mit hohlem Braus, Da bricht der Räuber in des Juden Haus, Er weiß den reichen Abraham im Weiten; Am Sterbebett des theuren Knaben wacht Frau Sarah noch und betet in der Nacht, Der Busen athmet schwer, die Thränen gleiten. *) Aus dem Salon von Julius Rodenberg. 72- Und finster tritt des Waldes Sohn herein: „Verstumme, Weib, daß nicht die Streitaxt mein Den Todesstreich nach Deinem Haupte führe! Die Schlüssel gieb!" Er mustert jeden Schrank, Den Säckel trächtigt er mit Münzen blank, Und späht, was fürder noch die Hand erküre. Da faßt mit einem Mal ein tiefster Schmerz Des wüsten ManneS gottverlass'neö-Herz, Verlöschen sieht er leis den holden Knaben; Er spricht: „Drei Monde sind's, da starb mein Kind, Die Mutter weinte sich die Augen blind, Wir haben es im Eichenforst begraben; Verzweifelnd haben wir die Faust geballt, Die Locken uns zerrauft, die Brust zerkrallt. Wir lebten nur wie Du dem Einzigeinen; Ich aber drohte Dir, Du zages Weib! Verdorret ist die Frucht von Deinem Leib, Doch wagst Du kaum im Leide still zu weinen? Beklage laut Dein frühverlornes Glück, Doch nimm, was ich Dir raubte, voll zurück!" Mit Freuden legt er nun die Beute nieder; Vom Tische nimmt er nur ein schwarzes Brod; „Das wehrt auf einen Tag der herben Noch." So stammelt sie: „Komm alle Tage wieder!" Nach seiner Wildniß siügelt er den Schritt, Dort stöhnt das Räuberweib: „Was bringst Du mit?" „ „Der Perlen drei, das laß mich selig künden: Den EngelSgruß von unferm süßen Lieb, Ein ehrlich Brod, und einen heißen Trieb — O, wär's noch Zeit — zu sühnen meine Sünden!"" Karl Beck. Vermischtes. Ueber die von der geistlichen Behörde veranlaßte Verhinderung, daß Traube am Grabe seines sel. Freundes Graefe spreche, bringt „Kladderadatsch" folgende Verse: Graefe. Eine Geisterstimme. Ich sah euch stehn an meinem Grabe, Euch, meiner treuen Freunde Schaar; Was ich gewirkt auf Erden habe, Das legte Langenbeck euch dar. Doch sagt — ich schlaf schon fünfzig Wochen, Und bin gespannt auf den Bericht — Warum hat Langenbeck gesprochen? Warum denn sprach Freund Traube nicht?