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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-05 · Heft 36 (5.9.1871) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 36 (5.9.1871)
Date
1871-09-05
Page
Seite 730 (sequence 20)
Language
German
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730 Vernimm! — Gern hätt' gesprochen Traube Zu deinem Ruhm von ganzer Seel.'; Doch sieh, ihm fehlt der rechte Glaube, Er ist ein Sohn von Israel! Zwar war' schon Mancher bei den Tobten,. Wenn nicht der Jude Traube war'; Doch ward zu reden ihm verboten, Wo Christen schlafen rings umher. O schweigt! Vergebens Hab' durchbrochen Ich manches Auges dunkle Nacht, Vergebens, ach! den Staar gestochen Und Licht und Leben neu gebracht. Vergebens ist, was ich geschaffen'— Seht, daß wir Alle Stümper sind! Denn Keiner von euch heilt die Pfaffen, Die sind und bleiben ewig — blind! In Nr. 28. theilten wir mit, daß die telegraphische Nachricht, in dem Aufstande der Bergarbeiter in Königshütte hätten diese die Juden geplündert, eine tendenziöse Uebertreibung gewesen sei. Bemerkenswerth ist nun, wie die rumänischen Zeitungen diese Nachricht benutzen, um auch die deutschen Juden von ihren Mitbürgern gehaßt und mißhandelt auszugeben. Die „Numän. Post" theilt dies folgendermaßen mit. „Die Nachricht, daß in Königshütte in Schlesien kürzlich ein Krawall stattgefunden, wobei auch Juden angegriffen wurden, lautet in der „Columna" so: „In Königshütte in Schlesien brach ein Aufstand gegen die Juden los, in Folge dessen der Belagerungszustand über die Stadt verhängt wurde." Und Herr Hasdeu macht aus dieser Nachricht folgende ergötzliche Conclusion, und zwar allen Ernstes: A „Deutschland beginnt ebenfalls das Beispiel von Odessa rücksichtlich der Juden nachzuahmen; die Ansteckung dehnt sich aus; bald werden alle Anstrengungen der Regierungen nicht mehr einen immensen antiisraelitischen Kreuzzug verhindern können!" Herr Hasdeu vergißt jedoch absichtlich hinzuzufügen, in welcher Weise von der angelangten Militärmacht Ordnung geschasst wurde, daß eine Anzahl von Plünderern niedergemacht, andere verwundet, und über 60 Personen arretirt wurden. So fabricirte und zurechtgelegte Prämissen und solche Schlußfolgerungen sinden sich in den unsterblichen Werken des gelehrten Herrn Hasdeu überall, und wir werden eS uns angelegen sein laffen, diese Werke theilweise zu besprechen, um den ganzen darin enthaltenen Nonsens aus dem gleißnerifchen, hochtrabenden Hasdeu'schen Lapidarstyle zu enthüllen." Im Grunde genommen ist diese Auslastung rumänischer Blatter — die in deutscher Sprache erscheinende „Rumänische Post" macht eine Ausnahme — ein Belcnntniß ihres SchuldbewußtseinS. Durch recht viele ähnliche Vorgänge der Barbarei und des blutigen Fanatismus wollen sie ihre eigene Schuld geringer und entschuldbar erscheinen Lasten. Ein englischer Reisender, H. B. Tristram, giebt eine Beschreibung des Todten Meeres, die von den gewöhnlichen Schilderungen desselben vielfach abweicht. So erklärt er unter Anderm die Annahme, daß an dem Ufer des Sees alles Leben fehle, für einen Jrthum und fährt dann fort: „Der Name Todtes Meer ist eine moderne oder vielmehr mittelalterlich, Benennung. Bei den Alten hieß es Salzsee und bei den Arabern heißt es noch Loths See (Bahr Lut). Im Laufe eines Jahres habe ich viele Wochen an den Ufern des Todten Meeres zugebracht. Ich bin um einen großen Theil desselben herumgegangen und habe jede Spalte und Ritze der Klippen, die es umgeben, untersucht. Das Klima ist wahrhaft köstlich. Auf keinem Platze der Welt könnte eine Heilanstalt mit so günstigen Aussichten errichtet werden als zu Ain Jidry lEngedi). Warme und kalte, Salz- und Mineralbader, üppiger Schatten, Wasserfälle und rauschende Ströme — alles ist dort vorhanden, mit Ausnahme von Sicherheit für Leben und Eigenthum. Es giebt viele Stellen in der Nähe des Sees, wo Flüsse und Bache von frischem Wasser das ganze Jahr hindurch fließen und süßes Wasser nur wenige Schritte von dem Salzufer entfernt emporsprudelt. Wo diese Vorkommen, herrscht eine Fülle von Pflanzen- und Thierleben. Ich sammelte 118 Arten Vögel, von denen viele noch ganz unbekannt sind, an den Ufern des Sees oder auf demselben. Die Rohrbrüche und Oasen, die den See umgeben, beherbergen 40 Arten Säugethiere, und unzählige tropische und halbtropische Pflanzen erfüllen mit ihren Düsten die Lust. Die reiche Ebene von Safieh ist bis auf wenige Fuß vom Wasserrande mit Indigo, Mais und Gerste bepflanzt und die Dattelpalme weht noch immer über der Mündung des Arnon und des Zerka. Die Bitterkeit des Seewassers kommt lediglich von dem großen Salzberg Usdum an feinem südlichen Ende und von den vielen Schwefelquellen, die an seinem Ufer entspringen. Diese Sättigung von Salz und Schwefel tödtet sofort die Süßwasserfische, welche in Menge in den See gehen und den drei Arten von Königßfischern, den Möven, Enten und Tauchern, die man auf allen Th-ilen des SeeS hin- und herschießen steht, Nahrung darbietcn. Der Reisende möge sich deshalb nicht abschrecken lassen, seine Untersuchungen rings um die Ufer des Todten Meeres auszudehnen. Er wird Ueberfluß an Leben finden, wenn er ein Naturforscher ist, und einen Reichthum von malerischen Scenen und Landschastsbildern antreffen, wenn er Sinn für Naturschönheiten besitzt, und jeden Abend wird er sein Zelt an einer Süßwasserquelle auffchlagen können." Verlag von Daumaärtner'S Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. HirfSfeld. Verantwortlicher Redaeteur H. Lotze.

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