Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1871)
- Date
- 1871-09-05
- Page
- Seite 728 (sequence 18)
- Language
- German
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728 Ibrahim. (Maure.) Nicht kennt der Maure solche Mittel. Vertraut Mit seinem Schwerte, weiß er nicht zu bitten, Auch nicht kaufmännisch um sein Recht zu handeln. Mögt Ihr es thun; — wir ziehen über's Meer Nach andern Landen hin, wo unsres Glaubens Siegreiche Fahnen wehen. (Ab.) Simeon. Laß sie ziehn, Ein neues Vaterland erwartet sie. Uns aber ziemt es, unsre eigne Bahn Zu gehn. Von je steht Israel allein, Mit seinem Gotte nur im Bund. — Salomo. Auch dieser Verbündete verlaßt unS oft. Simeon. Nein, niemals! Salomo. Verließ er uns auch damals nicht, als Rom Jerusalem verbrannte und den Tempel? Simeon. Auch damals nicht, denn: noch blieb Israel, Und Roma's Völker schwanden von der Erde. Salomo. Und als dies Israel sein Vaterland Verlasien mußt', und auf der weiten Welt Keins fand, verließ uns da nicht Gott? Simeon. Auch da nicht. Denn immer noch blieb Israel ein Volk; Wenn auch in Trümmern, doch ein Ganzes bildend. Nur Reiche eiteln Ruhms vergehn mit der Zerstörung ihres ird'schen Vaterlands. Doch unser Volk ist in die Welt gewiesen, Zu herrschen nicht, doch Gottes Wort zu tragen, Und Samen der Erkenntniß auszustreuen. Und Licht zu bringen in der Völker Nacht. Drum ist von ew'ger Dauer unser Reich: Und Juda steht, sank auch dahin Judäa! Salomo. Doch seh ich nicht, daß auch der Erde Völker Sich in dem Lichte sonnen, das zu ihnen AuS unsres Volkes Mitte ausgegangen. Simeon. Wer selbst im Lichte sitzt, dem ist der Glanz Von andern Sonnen unsichtbar, und nur In felbstgeschaffne Nacht hinuntersteigend, Kannst Du am Tage schau'n der Sterne Licht. Drum, wo ein Jude würd'gen will den Fortschritt Der andern Völker in der Wahrheit Licht, Muß er versetzen in der Vorzeit Nacht sich. Wo rings umher ein grobes Heidenthum Die Geister fest umfangen hielt, wo Menschen Vor Thieren knieten und zu Thieren wurden. Wo auf Altären, die man einem Moloch Gebaut, das Blut von Menschenopfern floß: Und dann aus solcher Finsterniß erheb' Er seinen Blick auf heutige Geschlechter! Wie froh gewahrt er dann die Frucht der Zeit! Die Völker-alle in Europa hier, und viele In Afrika und Asien,, sie verbannten Den alten Glauben, und, die Götzentempel Zertrümmernd, haben sie dem einz'gen Gotte, Dem Gotte Israels, sich schon genähert. Salomo. Doch strotzen ihre Tempel noch von Bildern Geheiligter und angebeteter Personen! Simeon. Trau der Zeit, sie wird auch diesen Noch morschen Ueberrest deS Wahnes tilgen! Ein Tag wird kommen, wo der Glaube Aller Gelautert und gereinigt fein wird. Schon Bricht dieses Tages Morgenröthe an; In jenen weiten überrhein'schen Gauen, Dort lebt ein denkend Volk, in dessen Mitte Vor hundert Jahren schon ein Mann die Wahrheit Herab verkündigte vom Scheiterhaufen. Und diese ausgestreuten Körner wuchern Im Mutterschooße der german'schen Stämme, Und treiben rege Frucht, und wecken Männer, Die siegreich ringen werden für das Licht. — Greis. Mit Grausen hör' ich diese Sündenreden, Die Wahrheit finden wollen bei der Lüge Und Licht bei Kindern wüster Finsterniß, Bei diesen alten Heiden neuer Form, Die mit entmenschter Wuth das Volk verfolgen, Von dem sie, wie Ihr sagt, das Licht empfangen! Soll diese schnöde Macht nicht untergehn, Wo blieb' dann der Triumph und die Erlösung, Die Israel von seiner Zukunft hofft? Simeon. Nicht auf den Untergang von AdamS Söhnen Bau'n Abrams Enkel ihre große Hoffnung. Der glänzendste Triumph für Israel Ruht nur in der Erkennung seines WertheS Und der Erlösung von der Schmach, die einst Erfolgt, wenn die Nationen mündig werden. Greis. Weh! über diese ketzerische Lehre! Die Frucht der leidigen Philosophie!