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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-05 · Heft 36 (5.9.1871) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 36 (5.9.1871)
Date
1871-09-05
Page
Seite 716 (sequence 6)
Language
German
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716 schließen: seien uns solche Aburteilungen nur ein Sporn mehr, in sittlicher und intelligenter Richtung nach immer höheren Zielen zu streben, vorhandene Mängel und Fehler zu mindern und der Mission in Religion und Cultur weiter zu dienen, welche die Vorsehung unserem Stamme gegeben. literarischer Wochenbericht. Rendsburg, 15. Aug.*) Kein Zweig echtjüdischen Geistes ist von jeher so stiefmütterlich behandelt worden, als unsere synagogale Liturgie. Die großen jüdischen Componisten haben Nichts für dieselbe gethan, im Gegentheil ich möchte behaupten, daß sie diese zu ihren Zwecken verwendet haben. Doch bin ich weit davon entfernt, ihnen einen Vorwurf zu machen, da es in der That nichts Leichtes ist, ein Componist auf dem Gebiete der synagogalen Liturgie zu sein. Ein Solcher soll gar viele gute Eigenschaften in sich vereinen, um sich zu dieser Höhe emporschwingen zu können. So soll er außer den natürlichen Anlagen eines, Künstlers, ein begeisterter Jude sein, Israels Geschichte kennen und ein gutes Verständniß für dieselbe haben, ein tüchtiger Hebräer sein und schließlich auf jede materielle Entschädigung für seine Mühen von vornherein verzichten. Solche hochbegabte Männer giebt es nur wenige am Horizonte der jüdischen Künstlerwelt und doch giebt es solche. Außer Sulzer und Weintraub hat der Königliche Musikdirector L. Lewandowski zu Berlin mit rastlosem Streben auf diesem Gebiete mit großem Erfolge gearbeitet und seine eminenten Leistungen hierin haben sich längst die Anerkennung Atter erworben, haben ihm einen Ruf weit über die Grenzen des Vaterlandes gegründet. Sein soeben erschienenes Werk np bnp zeigt uns den Künstler in seiner wahren Künstlernatur. Er strebt stets das Hohe und Erhabene an, und ruht und rastet nicht eher, bis er sein Ziel erreicht hat. Sein gestecktes Ziel ist der edelsten Natur, indem er alle möglichen Mittel sucht, um den israelitischen Geist zu heben und zu fördern. Er will in seinem Fache daS anstreben, was die *) Ausnahmsweise geben wir über das Lewandowskische Werk noch ein Referat, um die Aufmerksamkeit auf die sehr verdienstliche Arbeit um so mehr zu lenken. Die Redaction. Andern auf andern Gebieten für Israel zu schaffen und zu wirken im Stande sind. Er will unsere alten charakteristischen Sangesweisen, Israels Nationalgesänge, die tief in unserm religiösen Leben wurzeln, von ihren durch die Zeit erlittenen Schäden säubern, sie veredeln und sie uns erhalten helfen. Mit seiner scharfdurchdachten, klaren, leichtverständlichen Vorrede weist uns der Künstler auf die Motive hin, die ihn veranlaßt haben, das eben erschienene Werk der Oesfentlichkeit zu übergeben. Er nennt eS schlechtweg „ein Culturmittel", und als ein solches soll es allenthalben freudige Aufnahme finden. Den Cantoren zum Studium ihres Faches, den Gemeinden zum würdevollen Ordnen ihres Gottesdienstes ist genanntes Werk ein vorzügliches Mittel. Selbst der minder künstlerisch begabte Cantor wird sich in demselben zurechtfinden und in den kleinsten Gemeinden kann es verwendet werden. Ein ähnliches Werk, so prächtig ausgestattet für einen so soliden Preis, ist uns bis jetzt noch nicht geboten worden, und wir hoffen, daß es schon deshalb von allen Gemeinden angeschafft werden kann. Die jüdische Volksschule, die neben dem Volksliede auch die synagogale Liturgie pflegen soll und muß, findet in diesem Werke das reichhaltigste Material, da alle Piecen nur zweistimmig geschrieben sind. Möge durch eine schnelle Verbreitung und Verwendung dieses Werkes das edle rastlose Streben des uneigennützigen Verfassers die reichste Belohnung finden. H. H. Ksinsky, Pred. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Magdeburg, 24. August. lPrivatmilth.) Gestern wurde hier unter allgemeiner Theitnahme ein Mann zur Erde bestattet, dessen große Geistes- und Herzensgaben, die er auf den verschiedensten Gebieten des Lebens bewährte, ihm ein dauerndes Andenken bei seinen zahlreichen Freunden, bei Allen, die ihn kannten, sichern. Herr Julius Philippson, der jüngste Sohn des in jüdischen Kreisen unvergessenen Moses Philippfon, war am 21. d., plötzlich auf einer Geschäftsreise zu Crimmitschau iSachsen) vom Schlage getroffen, verschieden. Seine Leiche ward hierher ge-

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