Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1871)
- Date
- 1871-09-05
- Page
- Seite 714 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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714 Die „Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft" herausgegeben von Mitgliedern der Tübinger staatswirthschaftlichen FacultLt, enhält in ihrem neuesten dritten Hefte einen Aufsatz „über die Eigenth ümlichkeit und die muthmaßliche Sendung der Hauptvölker Europas" von Professor Röder, der in einem „Anhang" zu diesem Aussatze über die Juden folgendermaßen urtheilt: „Im Alterthum stehen ste als das einzige Volk da, welches der Vielgötterei nicht verfallen war und dessen religiöser Glaube, obwohl sie sich für das auserwählte, von ihrem Gott bevorzugte Volk hielten, doch weniger national beschränkt war als der der übrigen Völker, denen die Religion nur als eine Einrichtung des Staats galt, während bei den Juden der Staat der Religion diente als eine göttliche Ordnung. Jedenfalls. lassen sich dem Judenthum, namentlich dem prophetischen, höhere Ahnungen Gottes als des himmlischen Vaters aller Menschenkinder, nicht als eines bloßen Nationalgottes der Juden, nicht absprechen, uud insofern war es der geeignete Boden, die wahre Vorbereitung für eine Weltreligion. Seit ihrer Zerstreuung über den Erdkreis haben sie mit merkwürdiger Zäheit mitten unter fremden Völkern ihre Eigenthümlichkeit zu bewahren gewußt durch strenges Vermeiden aller gemischten Ehen, durch treues Zusammenhalten und Festhalten an ihrer Religion, ihrem musterhaften Familienleben und ihren alten Sitten. Allerdings wurden sie darin wesentlich unterstützt durch die Unterdrückung, Verfolgung und Ausstoßung, die ihnen während 18 Jahrhunderten von allen Seiten widerfuhr. Nachdem aber seit geraumer Zeit die hebräische Sprache bei ihnen durch die Landessprachen verdrängt worden ist und neuerdingS die altherkömmliche Mißhandlung, Zurücksetzung und Ausschließung der Juden von thäliger Theilnahme an Staat und Gesellschaft, somit ihre Absperrung, ausgehört hat, ja vielfach sogar das Verbot der Ehen mit ihnen *) ausgehoben ist, nachdem in Folge dessen auch das feste Band der Religion und Sitte, was sie bisher eng verbinden und nach Außen abschließen half, so stark gelockert ward, daß sie bereits unter sich in heftigen Zwiespalt gerathen sind, ja sich fast feindlich gegenüber stehen, so ist es sehr die Frage, ob ihre Volkseigenthümlichkeit sich noch lange wird halten können. *) Ohne dieses in lex 6 Cod. de Judaeis I, 9 ausgesprochene Verbot würden wahrscheinlich die Juden als Volt tängst untergegangen sein. A. d. V. „So gewiß ihre vielhundertjährige Mißhandlung und Verstoßung der Behauptung ihrer Selbstständigkeit sehr zu Statten kam, so gewiß hat sie andrerseits den schlimmsten Einfluß auf ihre Gemüthsart geübt. Wir haben sie dadurch au8 einem ackerbauenden in ein schacherndes Volk verwandelt; durch unsere Mitschuld sind sie niederträchtig, feig, kriechend, durchtrieben und habgierig, zugleich zudringlich - und, wo sie eS wagen zu dürfen glauben, frech und übermüthig geworden. Man hat sie so lange gezwungen, überall krumme Schleichwege einzuschlagen, daß sie gerade, ehrenhafte Wege zu gehen größtentheils verlernt haben. Die semitische Mitgift einer schneidenden Schärfe des Verstandes, desien Berechnungen und Urtheile' über Menschen und Dinge höchst selten durch gemüthliche Anwandlungen beirrt werden, macht sie vorzüglich geschickt für die Wissenschaft und Uebung deS Rechts — daher sie die besten Rechtsanwälte zu sein pflegen. Die größten Rechtsgelehrten des alten Rom waren, wenn auch nicht Juden, doch Semiten (Phönizier), nämlich Ulpian und Papinian — sowie für den Handel und Wandel. Dieser aber ist für sie schon im Mittelalter die einzige Quelle und auch seitdem die Hauptquelle deS Reichthums und steigenden Einflusies geworden; ja wenn eS noch kurze Zeit in diesem Verhaltniß fortgeht, so drohen sie mittelst der riesigen Macht des Geldes die Weltherrschaft an sich zu reißen. Es kömmt hinzu, daß kein anderes Volk ihnen in unermüdlicher Rührigkeit gleich steht (fo sehr den Werth der Zeit und des Geldes zu schätzen weiß) und daß sie mit merkwürdigem Blick und Geschick alsbald jede Gelegenheit zu erspähen und zu benutzen wissen, die ihnen Vortheil und Geltung zu bringen verspricht, z. B. das Zeitungswesen, daS Lehramt an den Hochschulen. Die vorwiegend Übeln Wirkungen des jüdischen Wesens haben sich vielleicht am meisten in Deutschland gezeigt, besonders in der Presse, im GeschäftSleben und sogar in der Kunst." Einer genaueren Prüfung dieser Beurteilung kann trotz allem Scheine nicht entgehen, wie parteiisch und dabei oberflächlich der Herr Professor vorgeht. Schon die Endziele seiner Expectoration, die gefürchtete Weltherrschaft , die sich die Juden aneignen, und der schlimme Einfluß, den sie in der Presse, im Geschäftsleben und in der Kunst ausüben sollen, zeigen genugsam, wohin der Herr Professor steuert und welches die Motive seines Aussatzes waren. Wir wollen hier nun den dogmatischen Theil desselben nicht weiter besprechen. Er lautet nicht anders als die gewöhnlichen Kundgebungen