Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1871)
- Date
- 1871-08-29
- Page
- Seite 699 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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699 in allen bedeutenderen Orten kennen;u lernen, erweist, daß dergleichen Insinuationen in ihren schlechten Motiven erkannt wurden. Ebenso wenig können sie ihm in seiner Heimath und bei der Regierung, die ihn mit einer so bedeutenden diplomatischen Mission betraut hat, schaden, denn man kennt ihn dort vollkommen, und hätte ihn sonst nicht erwählt. Aber für die rumänischen Judensresscr, für diese geifervollen Feinde, die sich auch des schwächsten Anhalts bedienen, um die Unterdrückung und Ausrottung der Juden-zu fordern, muß dies eine willkommene Gabe sein. Es stand zu befürchten, daß auf solche Weise dem Ansehen unb Einflüsse des Herrn Peixotto großer Schaden zugefügt werden würde, und hatte Earmoliu das als seine Absicht ausgesprochen. Diesen ereilte die Strafe indeß sofort; denn alle seine Blätter wurden ihm zurückgeschickt, jedes Abonnement aufgegeben, und sein Blatt ging den Weg alles Fleisches. — Herr Peixotto ist mit den edelsten Absichten hierher gekommen, und zwar neben seiner eigentlichen diplomatischen Mission mit der bestimmten Aufgabe, im Namen seiner Regierung für Linderung unserer Leiden, für Besserung unserer Verhältnisse und Stellung zu wirken.. Aber er wußte, daß er nicht das Recht habe, sich unmittelbar, in die inneren Angelegenheit einzumischen, daß die große Empfindlichkeit der auf ihre Autonomie so überaus eifersüchtigen Rumänen zu schonen sei, und daß er überhaupt die Dinge erst kennen lernen müsse. Sich das Wohlwollen des hohen Fürstenpaares und den Zutritt zu den maßgebenden Bojarenkreisen zu erwerben, war sein erstes Bemühen, das den besten Erfolg hatte und wir können heute erst recht behaupten, daß durch seinen Einfluß jener berüchtigte Gesetzentwurf beseitigt geblieben ist. Nein, es wird Herrn Earmotin nicht gelingen, zu unserem Verderben Herrn Peixotto die gewonnene Stellung zu rauben und die Achtung, die er sich erworben, zu schwächen. Doch für uns war es eine unerläßliche Pflicht, Herrn Peixotto unsere Anerkennung auszusprechen und Herrn Earmolin in der Oesfentlichkeit als den hinzustellen, der er ist. — Damit aber der mir abgedrungene Bericht, den abzustatlen ntich selbst am meisten schmerzt, nicht ohne alle Vichtseite bleibe, unterlasse ich nicht, zu bemerken, daß ich auf meiner jüngsten Reise durch die Moldau die Zustände unserer Glaubensgenossen viel erfreulicher fand, als ich sie selbst erwartet hatte. Mail beschuldigt gewöhnlich die Moldauer 3utcu, sich des gesammten Handels bemächtigt zu haben. Aber es steht fest, daß sechzig Procent der Moldauer Juden sich der Handtverkc befleißigen, und zwar in bedeutendem Maße auch der schwersten Handwerke, wie als Grob- und Hufschmiede, Wagenbauer, Böttcher u. s. w. Ich habe dergleichen viele gesehen, die trotz ihrem rv’Vw und ihren mss den Hammer gewaltig schwangen oder auf der Hobelbank unermüdlich arbeiteten. Was in freien Ländern erst durch Vereine und Unterstützungen unter unseren Glaubensgenossen gefördert werden müßte, findet sich hier von selbst und in umfassender Weise, Grund genug, um ihnen den Anspruch auf die bürgerlichen Rechte zu sichern. — Waö Ihnen in Rr. 32 über die Schule in Bottuschan berichtet worden, ist völlig der Wahrheit gemäß. Selbst von Seiten der chassidischen Obscuranten wird die Schule unterstützt. Wodurch ist ihr dies gelungen, während an so vielen anderen Plätzen theils freiwillig entstandene, theils durch die Alliance gegründete Schulen wieder verschwunden sind? Ich möchte darauf im allgemeinen aufmerksam machen, weil eine ähnliche Einrichtung in den östlichen Ländefn von gleicher Wirkung sein würde. Die Schule ist nämlich in zwei Abheilungen getrennt; die erste lehrt in vier Elasten außer eem Hebräischen nach bester Methode alle Lehrgegenstände einer Privatschule in rumänischer und deutscher Sprache mit vorzüglichem Erfolge; in der änderen Abtheilung wird in einer Elaste Rumänisch, Rechnen und Hebräisch, in der anderen Talmud und PoSkim, freilich im gewöhnlichen Jargon, gelehrt. Es bleibt rtun beu Aeltern überlasten, in welche der beiden Abtheilnngen sie ihre Kinder schicken wollen, um sie in allen für das Leben nothwendigen Wissenszweigen oder a la Glieder unterrichten zu lasten. Es versteht sich, daß die elftere Abtheilung immer zahlreicher besucht wird, die Schule aber von dem Beifall der ganzen Gemeinde getragen wird. Rußland. Mitau, 15. Juli, tEingesandt.» Bei uns zu Lande haben wir eigentlich keine klare Vorstellung von dem Treiben und den Mannovers der sg. Reuorrhodoxen in Deutschland. Hier haben wir blos Altorthodoxe. Auch diese verschmähen es zwar nicht immer zu verleumden und alle Machinationen in Bewegung zu setzen, 35*