Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1871)
- Date
- 1871-08-29
- Page
- Seite 698 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226834--29800-3252655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m zweifelt. Wie die Arch. isr. berichten, sind in mehreren Bureaus der Nationalversammlung einige einsichtsvolle Männer, wie die Herren Lucet, welcher unter der Negierung des 4. September Prüftet von Constantine gewesen ist, Cordicr u. A., energisch für die algerischen Israeliten eingetretcn. In die Commission über den Gesetzentwurf ist auch ein Dcputirter israelitischen Glaubens Millaud (von Lyon) gewählt worden. Die israelitischen Consistorien haben zahlreiche Protestationen eingesandt: man sagt auch, daß sogar einige Muselmänner sich daran betheiligt haben. Das Centralconsistorium, welches sich in derselben Angelegenheit nach Versailles begab, wurde von der betreffenden Commission empfangen und traf den Minister des Innern Lambrecht in geneigter Stimmung. Der Baron Alphons von Rothschild hatte mit Herrn Thiers eine Besprechung über diese Frage. Jedenfalls sollte dieser Vorgang sowie die Art, wie sich nicht wenige und zwar hervorragende französische Journale gegen unsere Glaubensgenossen benehmen und von der uns die jüdischen Journale von Paris in ihren „Chroniken" so oft und so viel berichten, unsere Glaubensgenossen in Frankreich veranlassen, sich weniger heftig und spöttisch darüber zu äußern, daß uns in Deutschland noch so manches zu wünschen bleibe. Man sicht, auch jenseits der Vogesen steht selbst hinsichtlich der religiösen Toleranz nicht Alles wie es sollte. Donaufürstenthümer. Bukarest, 15. August. (Privatmitth.) Sie haben, Herr Redacteur, in Nr. 29 Ihres Blattes vorsichtig der Anschuldigungen gedacht, welche der Redactem* des Echo Danubien, Herr S. Carmolin, gegen den amcrikan. Generalconsul, Herrn Peixotto, in seinem Journale erhoben hatte, und wollten denselben keinen Glauben schenken. obschon Sie Carmolin ein „uneigennütziges und opfervolles Streben, so weit Sie wüßten", zutrauten. Diese Aeußerungen würden mich noch nicht veranlassen, die Deffeutlichkeit über den Charakter und das Treiben Carmolins aufzuklären. Auch weiß ich zu gut, daß Sie die Allgem. Ztg. d. I. von allen Persönlichkeiten frei zu halten sich stets eifrig bemühen. Allein es giebt Umstaude und Personen, denen gegenüber still zu schtveigen ein umneßbarer Schaden für die Sache selbst wäre, welcher unsere ganze Hingebung gewidmet ist. Ein solcher Fall liegt hier vor. Die Leiden der rumänischen Juden sind groß genug und unsere Stellung zu precär, als daß wir diejenigen schmähen und ihr Ansehen in den Staub ziehen lassen dürften, welche sich in wahrer Hochherzigkeit unserer annehmen, ohne zu gleicher Zeit unsere eigenen Interessen in höchste Gefahr zu bringen und uns der gröbsten Undankbarkeit schuldig zu machen. Wir müssen Sie daher dringend, ersuchen, den folgenden Mittheilungen Raum zu geben. Herr Carmolin ist durchaus nicht uneigennützig und sein Streben nicht opfervoll. Sein Blatt trägt das Aushängeschild, sieben Jahre erschienen zu sein, und allerdings hat er sich so oft vier Ducatcu von jedem Abonnenten geben lassen. Aber es sind bis jetzt nur 180 Nummern erschienen und immer nach ungefähr drei Monaten verschwindet das Blatt, indem sich der Redacteur auf die Rundreise begiebt, mn die Ducaten ein zusammeln. Dies würden wir ihm noch Nachsehen, wenn nicht Carmolin sich vieler Dinge schuldig gemacht hätte, welche ihm jedes moralische Ansehen genommen haben, so daß die angesehensten rumänischen Juden sich längst von ihm abgeweudct haben. Nun kam sein Benehmen gegen Herrn Peixotto dazu. Er verlangte, daß dieser ihn protegire und sein Blatt unter seinen directen Schutz und Einfluß nehme. Herr Peixotto durchschaute die Verhältnisse gar Wohl, gab Herrn Carmolin eine Unterstützung, lehnte aber ftde weitere Verbindung ab. Drohungen des Herrn Carmolin wurden nicht beachtet, und nun ging der Letztere vor. Je weniger Herr Peixotto für seine Person auf dergleichen Anschuldigungen, wie sie Carmolin gegen ihn veröffentlichte, irgend etwas zu fürchten hatte, desto schmählicher war der Verrath, den man damit an der Sache der leidenden rumänischen Juden verübte. Peixotto zu beschuldigen. aus gewinnsüchtigen Absichten von Califormen nach Bukarest gekommen zu sein, an die angesehensten Männer von Jassy zu schreiben, sie sollten ihre Geldkastcn sperren, denn es sei auf Geldsammlungen abgesehen — ist allzu lächerlich, Herr Peixotto bringt selbst große Geldopftr, verlangt zu keinem Zwecke von irgend wem Geldmittel, sondern spendet selbst überall uüt dem edelsten Wohlthätigkeitssinn reichlich. Die enthusiastische Aufnahme, die er auf der Rundreise fand, welche er gelegentlich der Abholung seiner Familie aus Hamburg durch Rumänien machte, um die Verhältnisse