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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-29 · Heft 35 (29.8.1871) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 35 (29.8.1871)
Date
1871-08-29
Page
Seite 696 (sequence 8)
Language
German
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Sklaverei, mit völliger Aussaugung; seine Stichworte sind Capital, Ausbeutung des Arbeiters, Ungleichheit des Rechts. Von einer sittlichen Erhebung und geistigen Entfaltung ist bei Beiden nicht die Rede, so wenig wie von einer wahrhaft religiösen Gesinnung und Stimmung. Allerdings weiß man von einer Vereinigung, von einem Büudniß Beider mit einander noch nichts. Es haben zwar Versuche von klerikaler Seite stattgefunden, die Arbeiterclassen für sich zu gewinnen. Aber mit Ausnahme einiger katholischen Gescllenvereine ohne Erfolg. Im Gegentheil haben alle Ausbrüche des eigentlichen Socialisnius sich sehr feindselig gegen den Priesterstand und die kirchlichen Institutionen gezeigt. Jndeß ist dies bis jetzt nur Phänomen, und wo das Wesen so sehr mit einander übereinstimmt, kann eine schließliche Verbindung wohl gedacht werden. Da sie beide ihre Herrschaft auf die Vernichtung aller Intelligenz und der staatlichen Autorität, auf die Beseitigung der jetzt gültigen Gesetze und Ordnung, wie sie aus der ganzen geschichtlichen Entwickelung der Menschheit hervorgegangen sind, begründen wollen, so wäre der Schritt zu ihrer Verbindung, so lange sie den Sieg erst noch zu erkämpfen hätten, keine Unmöglichkeit. Doch dies weiter auszuführen, kann an diesem Orte mein Zweck nicht sein. Das Zusammentreffen dieser beiden Erscheinungen in einer Zeit kann kein zufälliges sein. Sie müssen beide aus demselben Knotenpuncte des inneren gesellschaftlichen Lebens entsprungen, dieselbe Reaction gegen dieselbe Action, Wirkungen gleicher Ursachen sein. Hierüber werde ich mir noch einmal das Wort erbitten. Fürth, 18. August.. (Privatm.) Wir lesen im Aerztl. Jntelligenzblatt, 13. Juli 1871: „Beitrag zur Statistik der bayerischen Straf- und Polizeianstalten. Von vr. meä. Carl Mäher, Mitarbeiter im k. statist. Bureau zu München," S. 335 folgende interessante Notiz: „3) Religion. Von sämmtlichen Gefangenen sind 82, 3 pCt. Katholiken, 17, 5 pCt. Protestanten und 0, 2 pCt. Israeliten. (Bei der Gesammtbevölkerung sind die bezüglichen Zahlen 71,3 pCt., 27,5 pCt., 1,2 pCt.) Durchschnittlich kommt ein katholisch. Gefangener auf 685 Katholiken überhaupt, ein protestantischer Gefangener auf 1249 Protestanten überhaupt, ein israelitischer Gefangener erst auf 4153 Israeliten überhaupt. Auffallend gering ist die Betheiligung der Juden an der Gefängnißbevölkerung. Unter den Katholiken und Israeliten nimmt mehr das männliche Geschlecht, unter den Protestanten mehr das weibliche an der Gefängnißbevölkerung Theil, als sich bei Zusammenfassung beider Geschlechter ergibt." Oesterreichischungarische Monarchie. Aus dem westlichen Böhmen, l l.Aug. (Privatm.) Die Schwierigkeiten, welche nach dem Berichte in Nr. 32 die Israeliten in Baden bei Wien zu überwinden hatten, um eine eigne Cultusgemeinde constituiren zu dürfen, hatte auch die Gemeinde zu Karlsbad zu beseitigen, wasihr nur durch die Energie der HH. S. Knoepflmacher, A. Herschel, Schwalb u. A. gelang. Auch hier hatten die untern Beamten, namentlich das Bezirksamt und die Statthalterei, abschlägige Bescheide gegeben, bis das Cultusministerium auf eingelegten Recurs zu Gunsten der Karlsbader Israeliten entschied. Dsese gehörten nämlich früher zur Gemeinde Lichtenstadt und standen unter deren Rabbinat. Man hatte schon 1864 ihr Gesuch damit abgewiesen , daß sie sich nur zeitweilig in Karlsbad aufhielten, und 1868 ihnen nur gestattet, eine Filialgemcinde von Lichtenstadt zu bilden und sich mit dieser darüber zu vernehmen. Unter dem 13. Februar 1869 aber, nachdem die Karlsbader uachgewiesen, daß sie ihren bleibenden Wohnsitz in der Stadt und einige von ihnen auch Realbesitz daselbst hätten, entschied das Ministerium, daß sie eine selbstständige Gemeinde bilden dürften, wenn sie ein desfallsiges Statut der k. k. Statthalterer vorlegen würden. Die Gemeinde hat sich seitdem thatkräftig entwickelt, einen eignen Friedhof erworben und jetzt einen Baugrund zu einer neuen Synagoge für 12,500 fl. angekauft, da die bisherige, zum israelitischen Spitale gehörige Synagoge viel zu klein geworden. Die Leser Ihrer Zeitung wissen ferner bereits, daß die Gemeinde in Karlsbad sich im gedachten Jahre constituirte, voriges Jahr einen Prediger, Dr. I. H. Oppenheim, anstellte, eine Religionsschule creirte und ungeachtet der Schwierigkeiten und Hindernisse im raschen Aufblühen begriffen ist. DaS Spital erfreut sich unter der Leitung des Herrn Schwalb des besten Rufes und zählt zu den trefflichsten Anstalten dieser Art. Hingegen muß bemerkt werden, daß die Gemeinde Lichtenstadt immer mehr im Abnehmende-

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