Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1871)
- Date
- 1871-08-29
- Page
- Seite 695 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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6!)5 •% I'!:'! W <» . .V' ’* i m berg, zur Zeit des Baues -unseres GeuteindeschnlgebäudcS Mitglieds des Vorstandesder hiesigen israelischen Gemeinde, sind viele unserer Gemeindeanstalten bedacht worden, und zwar: 1) Vcrsorgungsanstalt für Israeliten mit 300 fl. 2) Israelit. Pcrmissiouisteukrankencasse mit 300 fl. 3) Aerztliche Klinik lalle Confessionen, mit 500 fl. 4) Creizcnach Stiftung für Lehrer, Wittwen sc. mit 500 fl. 5) Holzvertheilungsverein für isr. Arme mit 500 fl. G) Almosenkosten der Israel. Gemeinde mit 2000 fl. 7) Israel. Männcrkrankencasse mit 5000 fl. 8) Israel. Frauenkrankencasfe mit 5000 fl. 9) Israelitischer Iost'scher Frauenderein für Waisenmädchen mit 10,000 fl. 10) Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgcrstöchter 10,000 fl. 11) Israelitische Real- und Volksschule mit 30,000 fl. Vom Rheine, 10. August. (Privatmitth.) Lassen Sie mich einen Gedanken aussprechen, welchen ich bis jetzt noch nirgends kundgcthan fand. Wenn er auch, ich gestehe es, nicht offenbar in die Spalten Ihres Blattes gehören sollte, so glaube ich es doch zweifach rechtfertigen zu können, ihn gerade hier auszusprechen. Der Kamps, welchem die eivilisirte Welt zutreibt, ist zu groß und entscheidend, als daß irgend ein wesentliches Glied derselben sich ihm entziehen könnte; und dann ist es von großer Wichtigkeit, den Zusammenhang' und die Solidarität der Erscheinungen zu erkennen, weil dadurch erst deren Wesen klar wird. Worauf ich nun aufmerksam machen will, ist dies: daß das jetzt proclamirte Dogma der persönlichen Unfehlbarkeit des Papstes nnd der dadurch unbedingt gewordenen Autorität desselben ganz derselben Natur ist wie der Socialismus, so daß was jenes auf dem geistigen, dieses auf dem materiellen Gebiete der Menschheit bedeutet. Jenes Dogma hebt alle Individualität, alle Freiheit des Individuums auf, vereinigt die ganze Summe des Glaubens, Denkens, Wollend und Thuns und legt sie in die Hand einer Instanz, welche unbeschränkte Unterwürfigkeit fordert. Denn daß es sich nicht blos um ein Theorem im Katechismus handelt, daß die ganze gesellschaftliche Ordnung, alle Principien der Gesellschaft und deö Staates, jedes Recht und jede Freiheit, Sitte und Wissenschaft dem Urtheilsspruch des Papstes nnd alles sittliche, sociale und politische Thun seinem Richteramte unterworfen sein soll, erweist der durch Papst und Eoncil sanctionirte SyllabuS. In ' völlig gleicher Weise lvill der Socialismus alle Individualität, das Eigenthum, den persönlichen Erwerb, die Familie, das Erbrecht, die Rationalität, den Staat aufhcbcn, die ganze Summe der Thätigkeiten und der vorhandenen Werthe vereinigen nnd einer Instanz in die Hände legen, alle Freiheiten, alle Rechte, alle Eigenschaften sollen verschwinden vor einem einzigen Gesetze und dessen Vollstreckern. Dem genaueren Blicke kann daher die Identität und Solidarität beider Erscheinungen, welche in ihrer strengen Fassung und energischen Ausbildung Erzeugnisse unserer Zeit sind, nicht entgehen. Run, sie haben beide bereits ihre Werkzeuge, deren Aehnlichkeit wiederum in die Augen springt, nämlich: jenes Dogma die Gesellschaft Jesu, der Socialismus die internationale Gesellschaft. Allerdings greift die letztere, wo und wie sic es nur vermag, zur brutalen Gewalt. Ob die ersterc die Gewalt verschmähen würde, wenn sie ihr zu Gebote stände, ob sie in solchetn Falle weniger Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit anwenden tvürde als die andere, wollen wir dem Urthcil des Lesers überlassen. Haben beide doch schon ihre Geschichte, die durch Thatsachen spricht, und der Socialismus ist ebenso wenig eine bloße Ausgeburt unserer Zeit ohne geschichtliche Vorgänge, wie die Unfehlbarkeit nicht schon durch Jahrhunderte gedämmert hat. Alan muß sich also klar machen, daß die menschheitliche Eultur und gesellschaftliche Ordnung zwei gewaltige Gegner gefunden hat, welche, mag ihre Entwickelung noch so weit zurückgehen, jetzt gcwaffnet auf dein Kampfplatz erschienen sind, unbeugsame, unerbittliche Gegner. Auch darin gleichen sie sich, auf tvelche Weise sie sich Anhänger zu verschaffen suchen. Der Eine wendet sich an die GeistcSarmen, die der geistlichen Leitung bedürfen, denen er einerseits die Seligkeit des ganzen Jenseits verheißt, andrerseits mit den Schrecknissen des Unglaubens, des Atheismus und Materialismus droht, in welche unabwendbar Jeder verfalle, der sich nicht ihm ergebe; die Revolution, der Liberalismus, die Aufklärung sind seine Stichworte. Der Andere, der Socialismus, wendet sich an die Armen der Erde und verheißt ihnen ein glückliches Erdenleben ohne Sorgen, ohne große Anstrengungen, Befriedigung aller Bedürfnisse, Genüsse aller Art, Herrschaft und Ansehen; andrerseits bedroht er sie mit immer ärgerem Drucke , mit wachsender