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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-29 · Heft 35 (29.8.1871) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 35 (29.8.1871)
Date
1871-08-29
Page
Seite 693 (sequence 5)
Language
German
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693 Stoff, als alle einschlägigen vorhandenen Werke. Die Ausstattung ist reich, Stich und Druck sauber; der Preis mäßig. Wir versprechem dem Werke einen schönen Erfolg. V. C o r r r s p o n d e n z. Ahlen, den 10. August 1871. Die „Specialconferenz der israelitischen Lehrer des Münsterlandes und angrenzender Kreise" fand am 2. August in Haltern statt. Es nahmen an derselben 22 Lehrer Theil. Am Morgen 9 Uhr versammelten sich die Conferenzmitglieder in der Schule. Herr Leiser begrüßte als Magister loci in schönen, herzlichen Worten die Anwesenden, worunter auch der Herr Bürgermeister der Stadt Haltern und der Vorstand der jüdischen Gemeinde, sowie einige Gemeindemitglieder erschienen waren. Herr Leiser gab sodann eine Probelection im Lesen und Rechnen, die jedoch mehr in eine Prüfung überging und zu manchen intereffanten pädagogischen und methodischen Bemerkungen Veranlaffung bot. Gegen 10 Uhr begaben sich die Anwesenden zum Versammlungslocale. Seminarlehrer Dr. Steinberg wurde per Acclamation zum Präsidenten, Oppenheim und Kaufmann zu Schriftführern erwählt. Herr Dr*. Steinberg eröfsnete mit einigen einleitenden Worten die Conferenz und man trat in den zweiten Gegenstand der Tagesordnung, die Lesebuchfrage für unsere Schulen betreffend, ein. Die Commission für diesen Gegenstand hatte sich die Arbeit getheilt, und referirte ausführlich über die Lesebücher von Lüben und Racke, von Adler, von Jakob und von Horwitz, deren einzelne Vorzüge besprochen wurden. Alle drei Referenten kamen darin überein und alle Mitglieder der Conferenz stimmten bei, daß Realien in trockener Weise durchaus nicht ins Lesebuch gehörten; das Lesebuch solle als solches nicht Lehrbuch sein, sondern mehr die ethische und ästhetische Seite ausbilden, mehr die schöne Literatur der Jugend sein. Nachdem Herr Steinweg aus Rheda die Herstellung eines neuen Lesebuchs für Mittelclasien resp. für Kinder von 8—10 Jahren vorgeschlagen, Herr Director Kroner das Lesebuch des Münsterbergischen Seminars oder das von Seltsam zur Umarbeitung empfohlen, und noch besonders für die confessionelle Färbung des Lesebuchs eingetreten, insbesondere auch über die Frage, ob Märchen in daß Lesebuch gehörten, debattirt worden, wurde folgende von Steinweg aus Rheda vorgeschlagene und von Leiser aus Rheine amendirte Resolution angenommen: „Es solle für die Schüler von S —10 Jahren ein entsprechendes Lesebuch von einer dazu gewählten Commission (Amendement Leiser: „in Verbindung mit Jakob, zum Anschlüsse an das Lesebuch für Oberclaffen") geschaffen und der Entwurf der nächsten Conferenz vorgelegt werden." Die Lesebuchcommission wurde noch um zwei Mitglieder, Dr. Steinberg und Steinweg auS Rheda, vermehrt. Sodann trat man in den dritten Gegenstand der Tagesordnung „die Petition betreffs der Befreiung der israelitischen Lehrer vom Militärdienste." Es wurde geltend gemacht, daß die israelitischen Lehrer als solche durchaus die Befreiung nicht beanspruchen könnten und da nur den christlichen Collegen gleichgestellt sein wollten. Wo die Lehrer jedoch zugleich Cultusbeamte und ihre Vertretung unmöglich sei, müßten sie den Geistlilichen anderer Confessionen gleichgestellt, zum Wenigsten bei etwaigen Einberufungen berücksichtigt werden. Eine desfallsige Petition müsse jedoch, wie zur Zeit Herr Dr. Philippson und die Conferenz zu Ahlen schon hervorgrhoben habe, von den Gemeinden ausgehen. Man wolle daher an Dr. Philippfon die wiederholte Bitte richten, sich der Sache anzunehmen und die desfallsigen Schritte zur Aufforderung der Gemeinden zu. thun. — Die Conferenz sprach ihren Tadel darüber aus, daß es Gemeinden gebe, die ihrem Lehrer bei seiner Rückkehr aus dem Felde das Gehalt gekürzt, event. zu kürzen versucht, andere, die sogar uuterdeß ihre Stelle anderweitig besetzt hätten. Man sprach insbesondere die tiefste Entrüstung über die Collegen aus, die solche Stellen anzunehmen sich bereit fanden. In den freien Besprechungen wurde deS Interessanten aus dem Gemeinde-, Schul- und Lehrerleben mancherlei durchgesprochen. Herr Treu empfahl den Lehrern unser gemeinsame- Kind, unsere Unterstützungscasse, die zu hegen und zu pflegen aller Lehrer heilige Pflicht sei, und ermahnte die jüngern Collegen zum baldigen Eintritte. Möge diese Mahnung nicht erfolglos bleiben, damit unser schönes

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