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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-22 · Heft 34 (22.8.1871) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 34 (22.8.1871)
Date
1871-08-22
Page
Seite 687 (sequence 19)
Language
German
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687 Dieses Last in der Zukunft allein tragen zu müssen, flößte dem guten Ehemann keine kleine Besorgniß ein.- Doch sie mußten sich zufrieden geben, und Reb Chone beglückte es sehr, daß er Recht behalten mit seinem Lieblingsworte: „Verlaß dich auf Gott!" nur daß es ihm schwer wurde, zu begreifen, daß diesmal die gute Wendung der Dinge nicht durch seine Frau herbeigeführt worden war. 4. Vier Jahre später sehen wir in einem luxuriös ausgestatteten Boudoir zwei junge Mädchen neben einander stehen, die eine, etwas größere, den Arm auf die Schulter der andern gelegt. Sie standen vor einer reich und kunstvoll gearbeiteten Voliere von mehren kleinen Stockwerken, in welchen verschiedenartige gefiederte Sänger wohnen und in dem geringen Raume flattern, welchen ihnen der selbst für sein Vergnügen grausame Mensch gelassen. Kostbare tropische Pflanzen umgaben das zierliche Vogelhaus, seltene Gewächse, an denen aus dunklem Laube Blumen von den saftigsten und glühendsten Farben prangten. „Da hat Dich ja Dein Oheim, liebe Lina, bei Deiner Rückkehr auf's Angenehmste überrascht?" sagte das etwas kleinere Mädchen zu der andern. „Das ist ein theureS Geschenk, und so Etwas erhalle ich nie von meiner Mutter, der es an Mitteln dazu doch auch nicht fehlt. Aber Dein Oheim ist geradezu ve.'üebt in Dich und sinnt stündlich, wie er Dir eine Freude machen kann, und hat er Etwas gefunden, von dem er dies voraussetzt, so ist ihm kein Preis zu hoch. Am Ende, am Ende, Linachen, will er Dich noch heirathen." Das Gesicht Lina's wurde von einem dunklen Roth übergossen, dann aber brach sie in ein Helles, klingendes Lachen aus. „Was Du für thörichte Einfälle hast. Olga, und mit allem platzest Du, was es auch sei, heraus. Nein, nein, Kind, mein Oheim ist kein Doctor Bartholo und ich keine Rosine. Mein Oheim ist die Güte und Liebe selbst und ebenso für meinen Bruder Markus wie für mich. Was er mir an Tändeleien, Putz oder Schmucksachen bietet, das verwendet er für Markus auf kostbare Bücher, Instrumente u. vergl. Zu Deiner Beruhigung mag ich Dir nur sagen, daß er mir einst getraulich gestand, er habe sich niemals etwas auS den Frauen gemacht, niemals die Lust zum Heirathen verspürt und danke es der Vorsehung, daß sie ihm zwei Kinder gegeben, für die er die Mühen des Großziehens nicht gehabt und um derentwillen er niemals das Joch der Ehe getragen. Auch ist er viel zu sehr von seinen Geschäften eingenommen, um an etwas Anderes zu denken." „Geschäfte? fragte die Andere. Er hat ja kein Bureau, keine Firma, keine Leute?" „Was weiß ich, lautete die Antwort, ein Geschäft hat er nicht, aber desto mehr Geschäfte, denn er spricht viel davon und ist sehr in Anspruch genommen. Wie selten hat er Muße, mich zu einem Besuche oder einer Spazierfahrt zu begleiten, und ich muß mich immer mit meiner alten langweiligen Frau Tcnn^r begnügen, welche er für mich bei unsrer Ankunft in der Residenz engagirte und die nun die Rolle der Duenna bei mir übernommen hat. Sie ist so steif und langweilig und ich bin Dir sehr dankbar, Olga, daß Du Dich meiner so freundschaftlich annimmst. Ja, das war ganz anders bis vor einem Jahre, als mein Bruder noch hier war, und jede seiner Mußestunden mir widmete. Jetzt-ist'er auf der Universitär und wird außer in den Ferien erst nach Jahren zu uns zurückkehren." „Nun, wenn ich so etwas von Dir höre, von Dir, der Vielumworbenen und Vielgesuchten, die sich der Zerstreuungen und Vergnügungen kaum erwehren kann — mich laß so klagen, die eine kränkliche Mutter mehr an's Haus fesselt, als mir gefällt, und die über alle Kosten seufzt, die ich ihr verursache, während sie, ich weiß eS wohl, Capital auf Capital häuft." (Fortsetzung folgt.) Eine satyrische Bision. (Schluß.) Dem Gedichte liegt eine midraschische Sage zu Grunde, der zufolge alle Hingeschiedenen zu Adam kommen, um mit ihm darüber zu rechten, daß er durch seine Sünde den Tod über die Menschheit gebracht habe. Es beginnt mit einer Klage über die Neuerungssucht, über das Streben nach Wissen und Aufklärung, über das Rütteln am Altherkömmlichen und bezeichnet dies als die Ursache aller jenen neuen Uebel, die jetzt die Welt heimsuchen. Der Dichter steigt in die Höhle „Machpela" nieder, um den Geist der Erzväter anzurufen, daß sich nicht jenes Uebel verbreite, das unter dem Namen Aufklärung bekannt ist. Er weint lange und bitter, bis den vom anhaltenden Weinen ermüdeten ein tiefer Schlaf überkommt. Da vernimmt er ein furchtbares Wehklagen, das „die Himmel erbeben, das Firmament erzittern macht". Es ist dies die Stimme Adams, der da bitterlich bereut, vom Baume der Erkenntniß genossen zu haben und alle seine schweren Vergehen aufzählt, die ihm die Sage im Midrasch und den kabbalistischen Schriften zuschreibt. . Auf diese Einleitung folgen 10 Gesänge, in denen cbeusoviele typische Gestalten, verschieden in Stand und Lebensweise, dargestcllt werden, die dem Adam herbe Vorwürfe ob seiner Sunde machen. Jeder versucht ihm feinen guten Lebenswandel darzuthun und wie er nur durch die Sünde Adam'S dem Tode erlegen. Mit kecken Reden führt ihn der betrügerische Reiche an, zaghaft und ängstlich nähert sich ihm der arme

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