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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-22 · Heft 34 (22.8.1871) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 34 (22.8.1871)
Date
1871-08-22
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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675 Dr. M. Roseiistock in Posen erwählt worden. Es ist dies derselbe, welcher vor etwa drei Jahren die auf ihn gefallene Wahl zum Director des jüdischen Lehrerseminars zu Münster ablehnte. Seine jetzige Berufung an die Spitze der Samsons schule hat Oe. Rosen stock angenommen, und wir dürfen um so sicherer erwarten, daß dies der Anstalt nur zum Segen gereichen werde, als ihr neuer Director — wie man es hier in pädagogischen Kreisen sehr wohl weiß — nicht bloß ein anerkannt tüchtiger Schulmann ist, sondern auch alle diejenigen schönen Eigenschaften besitzt, die ihn zur Leitung eines Amtes wie das von ihur zu übernehmende erst recht geeignet machen. Das nicht unbedeutende Erziehungsinstitut (Pensionat), dem Dr. 9k. in der Stadt Posen nun schon über zwölf Jahre, vorsteht, erfreute sich (wie uns genau bekannt iststets eines so guten Rufs, daß ihm Zöglinge auch aus recht weiter Ferne gern anvcrtraut wurden. An der Poscner Realschule wirkte Dr. Nofenstock ebenfalls schon eine Reihe von Jahren als Lehrer der israelitischen Religion mit dem besten Erfolge. Seine bisherige pädagogische Thätigkeit überhaupt hat ihn ebensowohl mit dem niedern als auch mit dem h öhern Unterrichtswesen vertraut gemacht. In Heidelberg zum Doetor plulosopliiae promovirt, hat Dr. Rosenstock in Breslau das Examen pro reo toraiu bestanden. Berlin, 10 August. Der Geist der Unduldsamkeit, wie er in seiner kleinlichsten Erscheinung gegenwärtig in den kirchlichen Kreisen noch herrscht, manifestirt sich nicht blos in Städtchen wie Sclow (s. Nr. 32. d. Bl.), sondern auch in unserer Großstadt Berlin, in der neuen Hauptstadt dcö neuen deutschen Reiches. Darüber folgendes Zeugniß. Der Elberf. Ztg. wird von hier geschrieben: „Bor einiger Zeit hat eine der KirchhofS-Lerwaltuugcn unserer Stadt wieder einmal an der Rede eines Privatmannes an einem Grabe Anstoß genommen. Die medicinische Gesellschaft hatte, da im vorigen Jahre wegen der Aufregung keine eigentliche Todtenfeier Graefe's stattgefunden hatte, in diesem Jahre auf dem Grabe des berühmten Todten einen Lorbeerkranz niedergelegt, bei welcher Gelegenheit Geh. Rath Langenbeck, der Lorsitzende der medicinischen Gesellschaft, eine kurze Rede hielt. Langenbeck glaubte nun am Tage vorher es nicht möglich machen zu können zur festgesetzten Zeit zu erscheinen, und hatte deshalb den zweiten Vorsitzenden, Geh. Rath Traube, gebeten, an seiner Stelle die Rede zu halten. Diesem aber verweigerte die betreffende Behörde die Erlaubniß dazu; man sah in ihm nicht den berühmten Arzt, den Freund und College» des Todten, sondern nur den Juden, dem man verbieten nrußte, an denr Grabe eines Christen zu sprechen. Um kein Aufsehen zu erregen, machte eS Langenbeck mit sehr großen Opfern doch möglich, an der Feierlichkeit Theil zu nehmen, und so ist dieser Zwischenfall erst später bekannt geworden. Hierzu sei bemerkt, daß Dr. Traube, obschon Director der srlinik, noch immer kein ordentlicher Professor ist. Es ist dies geradezu eine ministerielle Willkür, da selbst der § 2 des Gesetzes vom 23. Juli ausdrücklich besagt, daß Juden ordentliche Professoren der uredicinischen Lehrfächer an den Universitäten werden können. Schippenbcil, im August. (Privatmitth.) In Folge des Nothstandes in Ostpreußen war, wie man sich erinnern wird, anr hiesigen Orte ein „Israelitisches Provinzial-Waisenhaus für Knaben und Mädchen in Ostpreußen" von Herrn Bk eher Le vy gegründet worden. Dieses hat soeben seinen zweiten Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Daö Waisenhaus, am 16. September 1868 eröffnet, zählt bereits zehn Zöglinge, nämlich vier Mädchen und sechs Knaben, und hatte seit dem 1. Juni 1869 eine Einnahme, sowie Ausgaben von 2174 Thlrn., so daß also pro Waisenkind jährlich ungefähr 100 Thlr. verausgabt wird. An Capitalien besitzt es 7700 Thlr. Sicherlich verdient dieses wohlthätigc Institut eine allseitige Berücksichtigung, um seine Wirksamkeit ausdehnen zu können. Darmstadt, 7. August. (Privatnlitth.) In voriger Woche fand hier ein Freimanrercongreß statt, welchem außer den Deputiricn der deutschen Logen auch noch solche aus anderen Ländern beiwohnten. Außer Fragen der Wohlthätigkeit war der Hauptgegenstand der Berathung eine engere Bereinigung der acht großen deutschen Logen. Nicht eiugeweiht in die Geheimnisse dieses Ordens, möchten wir nur fragen: ob hierbei die daö Wesen der Freimaurerei so tief berührende Frage zur Sprache gekommen, daß die preußischen Logen ihre Beschränkung auf Bekenner des Christenthums aufgcgeben haben oder aufgeben wer-

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