Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1871)
- Date
- 1871-08-22
- Page
- Seite 673 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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673 Stelle unserer Religionslehre Bd. II S. 44, 45, wo wir uns über den Werth der Beiwörter „persönlich" und „außerweltlich" ausgelassen haben. Hätte er nun damit erhärten wollen, daß diese Ausdrücke nur mit Vorsicht anzuwenden seien, weil sie dem reinen jüdischen Gottesbegrifse leicht zu treten könnten, so konnten wir dies nur gern sehen. Er geht aber weiter und will sich unserer Worte, trotzdem sie das gerade Gegentheil enthalten, zur Vertheidigung der in der Conferenz gefallenen Aussprüche bedienen. Wir waren daher genöthigt, folgende Erklärung gegen diesen Mißbrauch zu erlaffen. Erklärung. Obschon der Unterzeichnete sich unmittelbar in den Streit zu mischen, der jetzt in Amerika geführt wird, weder geneigt war noch ist, so sieht er sich doch genöthigt, wider den Gebrauch Verwahrung einzulegen, welchen Herr Dr. Hübsch in seiner Entgegnung gegen den „Protest" in Nr. 15 des Hebrew Leader vom 28. Juli von einer Stelle aus der „Israelitischen NeligionSlehre" Bd. II S. 44 macht. Herr Dr. Hübsch ist scharfsinnig genug, um selbst einzusehen, daß ein himmelweiter Unterschied besteht, wenn an jener Stelle nach ausführlicher Besprechung der Gotteslehre auf dem Grunde der Bibel und nach einer eingehenden Bekämpfung des Pantheist mus (S. 43. 44) bemerkt wird, daß die Ausdrücke „persönlicher und außerweltlicher Gott" den Gegensatz der Gotteslehre zum Pantheimus scharf markiren und hierzu dienen, daß sie aber mit Vorsicht anzuwenden seien, da sie leicht irrige Vorstellungen von Gott als einem begrenzten Wesen verursachen können—daß, sage ich, ein himmelweiter Unterschied hierin von der in der Conferenz gefallenen Behauptung liegt, „man solle nicht zu Gott beten, weil es keinen persönlichen Gott gebe"!! Hiermit ist unzweifelhaft der nackteste Pantheismus ausgesprochen, da ein Gott, zu dem zu beten absurd sei, nur als eine Naturnothwendigkeit, als die Natur selbst mit in ihr waltenden NothwendigkeitSgesetzen verstanden werden kann, und wenn irgendwo, muß dem entgegengesetzt werden: Ja, es giebt einen persönlichen Gott, und dies ist der biblische! Herr Hübsch, so gut wie Jedermann, muß dies selbst aus der bruchstückweise citirten Stelle aus meiner Religionslehre erkennen, an welcher auch noch von den Ausdrücken „überweltlich und und unweltlich" die Rede ist. Er macht also einen unloyalen Gebrauch von meinen Worten, und geht dabei wie ein Advocat vor der Anklagebank zu Werke, der sich jedes Mittels zur Vertheidigung bedient und dabei wenig auf Logik und Wahrhaftigkeit giebt. Mit einem geradezu unverschämten Advocatenknisse; giebt er seine Verwunderung zu erkennen, daß Niemand gegen meine von ihm angeführten Worte protestirt habe, während so Viele und so heftig gegen die in der Conferenz gefallenen Ausdrücke protestiren. Während ich also an der gedachten Stelle im Voraus derartige Aussprüche bekämpft und verurtheilt habe, sucht er eine Identität vorauszusetzen mit seinem Clienten, die ich entschieden zurückweise. Bonn, den 13. August 187 1. Dr. Ludwig Philippson. Im klebrigen sckeint sich denn doch auch in Amerika nach und nach das Bewußtsein der Lage, in welche man sich gebracht hat, Bahn zu brechen. In dem citirten Artikel heißt es: „Europa, auf welches wir mit solch vornehmem Stolze als auf das fo risch rittsscheue herabblicken . . ." Also die Herren Hübsch, Sonneschcin, Kleeberg, I. Mayer und wie sie heißen mögen, „blicken mit vornehmem Stolze" auf die Männer Europas herab. Was setzt dies für eine religiös sittliche Anschauung, was für eine Kenntnißnahme von wirklichen Arbeiten und von leerem Schaum oder Stroh voraus! Ja, vor dem Fortschritt, den diese Herren in Amerika gemacht haben, könnten wir uns scheuen, wenn wir ihm wirklich eine irgend dauerhafte Bedeutung beizulegen vermöchten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 9. August. Es liegt unö noch eine ganze Sammlung von Predigten vor, die am 18. Juni zur Siegesfeier gehalten und dein Druck übergeben worden sind. Selbstverständlich ist es, daß der Ertrag aller für die Invaliden, die Wittwen und Waisen der deutschen Krieger bestimmt ist. Von Rabbiner I. I. Abraham zu T r z e m e 6 z n o über Psalm 85, 9 — 13; von Rabbiner Simon Alexander zu P l e ß über Jesaias 57, 19, von Rabbiner B. Millstätter zu Karlsruhe über Psalm 118, 21—21, von Oberrabbiner I. Kahn zu Trier über Psalm 117, 118, 1.2, von Landrabbiner Dr. L. Adler zu Cassel über Jesaias 20, 1—4, von Prediger Dr. Hermann Tietz zu Neu stettin, von Rabbiner Dr. D. Joel zu Krotoschin über