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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-15 · Heft 33 (15.8.1871) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 33 (15.8.1871)
Date
1871-08-15
Page
Seite 659 (sequence 11)
Language
German
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659 auch auf die Franzosen ausgedehnt haben, seitdem man die Menschenrechte auf die Kinder Israels übertragen hat. Wenn ein Despot, ein Mann des persönlichen Regiments und der Reaction, dergleichen gethan und geduldet hat, so blieb er eben nur in seiner Rolle, wenn aber eine Republik, welche darauf angewiesen ist. im liberalen Europa auf moralische Eroberungen auszugehen, zu derlei retrograden Kunststücken ihre Zuflucht nimmt und ihre Intoleranz hinter kaum stichhaltigen politischen Motiven verbirgt, so wirft das ein eigenthümliches Licht auf den Liberalismus, wie ihn die französische Republik von 1871 versteht, die noch immer die Devise: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" im Munde führt. Großbritannien. Belfast (Irland), 29. Juli. (Privatmitth.) Noch sind es nicht zwei volle Jahre, seitdem unsere Gemeinde sich als solche constituirt hat, und schon habe ich Ihnen von einer unlängst hier stattgefundenen Grundsteinlegung zum Bau einer Synagoge Mittheilung zu machen. Dies Factum verdient um so mehr einer Erwähnung in Ihrem gesch. Bl., als der genannte Bau auf alleinige Kosten unseres ehrenwerthen Präsidenten, Herrn D. I. Iaffö, geschieht, dem wir auch die Erwerbung eines Gottesackers zu verdanken haben. Obgleich die Ceremonie bei der Grundsteinlegung einfacher Natur war, so hat sie doch auf die Anwesenden, worunter sich auch viele Nichtjuden befanden, einen tiefen Eindruck gemacht. In Abwesenheit unseres, um die hiesige Gemeinde hochverdienten Predigers, der eine Erholungsreise angetreten hatte, hielt der genannte Präsident e-.ne schöne, in englischer Sprache abgefaßte Rede, worin er hauptsächlich auf den Fortschritt hinwies, den das Judenthum in den letzten Decennien auch in diesem Lande gemacht habe. Er schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß das neu zu errichtende Gotteshaus seinen Zweck erfüllen und eine Stätte sein möge, in der Herz und Geist Erbauung und Belehrung finden. Auch in Dublin soll, wie berichtet wird, der Bau einer neuen Synagoge in kurzer Zeit in Angriff genommen werden, und hat zu diesem Zwecke der dortige Vorsteher, Herr Harris, bereits 500 i gezeichnet. Möge die dort und hier bewiesene Liberahtätlauch auf dem Continent viele Nachahmer finden, und das sprichwörtlich gewordene jüdische 2b allenthalben M Geltung gebracht werden. P e r si e n. London, 31. Juli. Die öffentlichen Blätter berichten über die gräßliche Hungersnoth, welche jetzt in Persien herrscht. Der persische Gesandte in London leugnet dieselbe in einem Schreiben, das er an die Times richtet,' aber der britische Generalconsul in Tabriz, Eapitän Henry Mr. Jones, schreibt au Sir MoseS Montesiore, den berühmten Beschützer der Juden in aller Welt: „Die Juden von SchiraS find durch die jetzt in Persien wüthende Hungersnoth in großes Elend gebracht. Wenn nicht bald Hülfe kommt, so wird dje ganze (300 Familien starke) Gemeinde in kurzer Zeit vernichtet sein. Die persische Regierung thut nichts. Wollte sie auch nur die Leiden der muselmännischen Bevölkerung vermindern, so würden ihre Mittel erschöpft sein. Die wenigen Europäer in Persien haben schon alles gethan, was in ihren Kräften stand, um die Hungers sterbenden Christen in Jspahan zu unterstützen, und deßhalb wende ich mich an Sie um Hülfe für Ihre Glaubensgenossen." Donaufürstenthümer. Buearest, 14. Juli. Daß es in der gegenwärtigen Deputirtenkammer noch immer Männer giebt, welche mit einer, wir möchten sagen Raserei gegen die Juden behaftet sind, wird Niemanden in Erstaunen setzen; wohl aber muß es uns angenehm verwundern, daß sich auch bereits günstige Meinungen hervorwagen. Wir begrüßen dies immerhin als den ersten Dämmerschein des Tages. In der Kammersitzung vom 9. Juli fielen nach der „Rum. Post." folgende Aeußerungen: „Herr THus Major es c u zeigt, daß unser Unterrichtssystem lückenhaft sei, und fordert die Verwendung einer größeren Budgetsume für die unteren Schulen. Auch werde der höhere Unterricht vernachlässigt. Der Staat kümmere sich nicht darum, denselben zu controliren. Es werden Professoren bezahlt, die durch subversive Ideen die Jugend vergiften So 33 *

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