Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1871)
- Date
- 1871-08-15
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226832--29757-3252610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
- Tlemcen 1× ep/1048142
OCR text
657 deutung erhalten, und die Aufgabe unsres Blattes legt uns die Pflicht auf, näher in dieselbe einzugehen. Die Petition du Bouzets liegt uns jetzt dem Wortlaute nach vor und wir geben aus derselben die Hauptstelle, welche zugleich viele charakteristische Züge enthält, die aber, wie aus der ganzen Fassung des Schriftstücks bald einleuchtct, sehr stark aufgetragen und von einem judenfcindlichen Geiste dictirt sind. „Ich sehe ab von Allem was Religion betrifft, und rufe nur politische Gründe an. Die Religion der Israeliten darf weder ein Motiv zur Bewilligung noch zur Verweigerung für die Ausübung der politischen Pflichten Seitens derselben sein. Sind die eingebornen Israeliten Franzosen oder sind sie nur Araber, welche die mosaische Religion bekennen? Ist ihre Zulassung in die französische Bürgerschaft nützlich oder gefährlich? Darin liegt die ganze Frage. „Die eingeborenen Israeliten sind keine Franzosen, sondern Araber jüdischer Religion. Ihre Muttersprache ist das Arabische, welches sie schlecht sprechen und mit hebräischer Schrift schreiben. Eine kleine Anzahl drückt sich geläufig französisch aus; viel wenigere schreiben unsre Sprache. Was die große Mehrheit betrifft, so hat sie in ihren Beziehungen zu uns nur ein unförmliches Jargon, das zu ihrem Handel unentbehrlich ist. Ihre Sitten sind orientalisch und bei fast Allen ist das Costüm das des Orients. Keine intellektuelle Bildung: eine einzige Profession, der Handel, eine einzige Leidenschaft, Geld zusammen zu raffen, indem sie den kleinen Nutzen verdoppeln und auf eine sehr schmuzige Weise leben. Fremd den Traditionen der französischen Nationalität, außerhalb der europäischen Civilisation geblieben, haben diese Orientalen kein Vaterland ..... Im Ganzen sind die eingeborenen Israeliten als solche zu vielem unfähig; sie können weder Soldaten, noch Geschworene, aber sehr gefährliche Wähler sein. „Mit seltenen Ausnahmen kann der eingeborene Israelit Soldat werden; der Krieg liegt nicht in seinen Sitten. Er bedarf drei Monate um einen Flintenschuß abfeuern zu lernen ohne umzufallen. Wie viel Zeit erst, um die Kugeln pfeifen zu hören, ohne die Flucht zu ergreifen? „Niemals wird ein Muselmann den Juden als seines Gleichen anerkennen; niemals wird er ihn zum Waffengefährten annehmen. Wenn man ihm die Demütigung auferlegt, an der Seite der Juden und für dieselbe Sache zu kämpfen, wenn man sie dem Vorwurf und der Schande aussetzt, mit den Juden auf die Muselmänner zu schießen, so werden die trcugebliebenen Gauns zu dem Feinde übergehen; die eingeborenen Tirailleurs, diese bewundernswerthen Freischützen, die niemals einen Verrath gespielt haben, werden zu kämpfen verweigern. „Die eingeborenen Juden würden, wenn sie erst französische Bürger geworden sind, als Geschworene über die muselmännischen Angeklagten zu erkennen haben. Niemals würden sie, wie ich glaube, einen Muselmann für schuldig erklären. Aber schon die Gewart eines Juden in der Jury würde von den Arabern als eine blutige Beleidigung angesehen werden. Jede Verurtheilung eines Muselmanns würde in einem solchen Falle, so gerecht sie auch sei, ihnen als die Rache eines verachteten Feindes erscheinen. „Was die Municipalwahlen betrifft, so würde die Verleihung der Wahlrechte an die Israeliten diesen in den großen Gemeinden das Uebergewicht über die Franzosen verschaffen, und die Mohammedaner unter ihr Joch bringen. In den Wahlen zur Nationalversammlung würden sie das französische Interesse dem israelitischen unterordnen. „Zu Boussada, Anr-Be-da und Tiaret sind die eingeborenen Israeliten.zahlreicher als die Franzosen. Gleich an Zahl in Tlemcen, erreichen sie zu Oran zwei Drittel der französischen Bevölkerung; zu Constantine und Masiara viel mehr als die Hälfte. CS kommt beinahe je ein eingeborener Israelit auf zwei Franzosen zu Milcana, Bougie, Bel-Abbös und Bordjbon-Arreridj. In Mosttaganem ist die eingeborene Bevölkerung gleich zwei Fünfteln der Franzosen; in Algier gleich einem Drittel; in St.-Denis-du-Sig gleich einem Viertel. „Die eingeborenen Israeliten stehen in der Disciplin über den Franzosen. Den Franzosen und Mohammedanern gegenüber kennen sie keine Spaltung; sie votiren nach dem Befehle des ConsistoriumS. Daletztere ist der absolute Herr des einstimmigen Votums der einborenen Israeliten. „Im Gegensätze dazu zerfallen die Franzosen selbst bei den Municipalwahlen jederzeit in zwei ziemlich gleiche Parteien: die gemäßigte Partei und die äußerste. Diejenige von diesen beiden, welche die Israeliten für sich hat, wird siegen. Man wird also ge- 3)