Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1871)
- Date
- 1871-08-08
- Page
- Seite 647 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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647 t Man nennt unS feig — o dieser schnöden Lüge! Wir sind auch heldenmüthig, sind auch kühn, Gilt es für dich mit offner Brust dem Kriege, Für's Vaterland dem Feind entgegenziehn. O frag nur deinen Ohm, den sieggekrönten. Ob, als zum Kampfe die Drommeten tönten, Ob sie auch dort uns feig und muthlos höhnten? Den edlen Helden, frag nur ihn! Ob wir nicht auch, als er die stolzen Franken Tief in den Staub gebeugt mit Heldenmuth, Kühn unter seiner Fahne fochten, sanken, Als galt es unsrer Freiheit, unsrem Gut? - Ob wir nicht auch gethan, was Andre thaten, Ob wir nicht mit den stolzen Feind zertraten, Ob wir nicht auch bei Aspern dort die Saaten Getränkt mit unsres Herzens Blut?" So sprach mein Lied — wenn, wie in alten Zeiten Der Sänger dürfte, frei und unbeengt, Von Schloß zu Schloß mit seiner Harfe schreiten, Im Lied aushauchen, was die Brust bedrängt; Und wenn vielleicht an jener heil'gen Stätte Auch meine Harfe einen Mißklang hätte, Ich sprach: „Verzeih, es klirrte drein die Kette, Die an der Hand des Sängers hängt." K ca kau. 1847. In Trauer Pilger' ich zu dir danieder, Du Königsmumie, du freie Stadt, Du freie, die eilf Tausend meiner Brüder Im Kerker Kasimir gefeffelt hat. Hier ist's, in dieser engen, schwülen Straße, Wo das Jahrhundert seine Sckande barg, Eilf Tausend Menschen in die eine Gaste, Eilf Tausend Herzen in den einen Sarg. Mein armes Volk, gehetzt, gehöhnt, geknechtet, Wie seufzest du so schwer! man hört dich nicht — Du suchst umsonst den Arm, der für dich rechtet, Den Mund, der kühn für deine Freiheit spricht. Traun! dich umschweben drei gewalt'ge Aare, Und dennoch zittert so dein Hänflingsnest; Denn Keiner schirmt dich mit dem Flügelpaare, Nur in den Krallen halten sie dich fest. Mit Trödel ziehst du durch die Christenstraßen,. Man wirft dir höhnend hin dein Krümchen Brod; Wohl thut dir's weh, dich höhnen, spotten lasten, Doch weher thut dir noch der Kinder Noth. Als ob dein Ohr des HungerS Stimme höre, Trägst froh dein Brod du heim, so hart es ist, Du weichst es auf mit einer Freudenzähre, Wenn dich dein Kind umarmt, dein Weib dich küßt. Doch wenn des DomeS Sonntagsglockcn tönen, Drängt man dich in dein Ghetto rasch hinein; Sie fürchten wohl, dein Jammern und dein Stöhnen, Die dürften lauter als die Glocken sein! Es könnte ihnen, wenn sie mit Gebeten Den Gott versöhnen und sich rein geglaubt, Noch eine blut'ge Schuld entgegentreten: Ein armer Jude mit gebeugtem Haupt. Ihr Brüder dort*), die Ihr vom grünen Maine, Vom Golf Neapels, von der Seine Strand, Und von der Donau Ufer im Vereine, Mit goldnem Netz die halbe Welt umspannt: Blickt her in diese rußgebräunten Kammern, In deren Nacht kein Hoffnungsschimmer bricht, Wo tausend Brüder um die Freiheit jammern! Doch, ach, siespinnen Gold — und hören nicht. Mein Gott, wie kannst du doch so mild und strenge, Als Vater, wie so ungerecht doch sein? Dort wird vier Brüdern eine Welt zu enge, Hier engt eilf Tausend eine Gasse ein. *) Rothschild. (Schluß folgt.) Vermischtes. Der Fürst von Bückeburg veröffentlichte am 5. Juni folgende Verordnung: „An die Negierung. Ich verordne hierdurch, daß in den Kirchen des Landes in ähnlicher Weise, wie in Preußen, am 18. d. M. ein Friedensfest gefeiert werde, und hat die Negierung in Meinem Aufträge dieses dem Consistorio, dem Hosprediger und dem Pastor zu eröffnen. Adolf Georg." — Die Juden im Bückeburgischen fühlten sich nun zurückgesetzt und schickten eine Deputation an den Fürsten. Se. Durchlaucht empfing die Deputation sehr gnädig und schob die Schuld auf daS Consistorium(bückeburger Ober-Kirchen rath), welches diese Ausnahmen constalirt habe. Dagegen bemerkte ein Mitglied der Deputation ganz unterthänigst, daß in Preußen, wo doch auch ein Ober-Kirchenrath sei, durch eine Intervention Bismarck's auf Anregung eines Rabbiners der Befehl zur Abhaltung der Friedensfeier auch an die jüdischen Gemeinden ergangen sei. Darauf wurde von Sr. Durchlaucht erwidert: „Ne, mine JungenS, hier bin ich souverän, hier hckt Bismarck nix to seggen." Die B. B. Z. bringt nun nachstehende Erklärung: „Der in der Beilage der Nr. 336 der Berliner Börsen-Zeitung