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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-08 · Heft 32 (8.8.1871) · p. Seite 648

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 32 (8.8.1871)
Date
1871-08-08
Page
Seite 648 (sequence 20)
Language
German
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unter politische Nachrichten enthaltene Bericht, betreffend die Audienz der Deputation der hiesigen Synagogen- Gemeinde bei Sr. Durchlaucht dem Fürsten, enthält Unwahrheit und Erdichtung. Zugleich ist der Borstand zu der Erklärung im Namen der Gemeinde ermächtigt, daß kein Mitglied der letzteren Theil an dieser Veröffentlichung hat, jeder Israelit vielmehr zu sehr von ver seinem Fürsten schuldigen Liebe und Ehrfurcht erfüllt ist, als daß er den Inhalt einer solchen Audienz selbst der Wahrheit getreu der Oesfentlichkeit übergeben würde. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Bückeburg." Die B. B. Z. bemerkt dazu: „Wenn es noch eines Zeugnisses für die Nichtigkeit der Nachricht bedurft hatte, so wäre dasselbe durch den vorstehenden Widerspruch gegeben. Die Worte in der Erklärung des Vorstandes „selbst der Wahrheit getreu" zeigen zur Genüge, was das Dementi zu bedeuten hat. Durchlaucht von Bückeburg wird seine joviale Aeußerung gewiß aufrecht erhalten und der Reichskanzler wird ihm dieselbe sicher nicht übelnehmen." Die Wiener Presse enthält Folgendes: (Das Judenthum in der Kirchenmusik.! Die hiesige Kirchenzeitung ist außer Rand und Band über die vielen Juden und Jüdinnen, die neuerer Zeit in den Kirchen zu sehen seien. Sie beginnt ihre Capuzinade mit den Worten: „Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es zu einer Singspielhalle gemacht", und fährt fort: Die Kirchenmusik soll den Gottesdienst verherrlichen, soll zur Andacht und zum Gebet stimmen; in einigen Kirchen scheint aber der Gottesdienst und vielleicht auch der liebe Gott selbst nur da zu sein, damit Fräulein X. oder Herr SJ). am Sonntage Gelegenheit haben, ein Solo „vorzutragen", welcher intereffante Kunstgenuß Tags vorher in den Zeitungen ganz ü ia Concert und nicht selten durch die verwegensten Satzverbindungen einem verehrungswürdigen Publicum angekündigt wird. Weil man aber, um ein Graduale oder üllcrioriuoi (Solo natürlich) öffentlich singen zu können, nothwendigerweise eine katholische Messe braucht, so kommen auch verschiedene Pinkeles und Schnofeles gegangen, „zu singen ebbes a Arie" oder zu „kümpenirn a Meß", wie eine solche unlängst in einer hiesigen Kirche zur Freude Israels auch wirklich aufgeführt wurde. Ich habe diese „Mesie" gehört; ein fleißig gemachtes Musikstück, aber keine — Mesie. Uns scheint auch die Aufsasiung, besonders eines Crucifixns oder Agnus von Seite eines jüdischen Componisten immer problematisch. Da standen sie denn unten im „Parterre" aus allen zwölf Stämmen, zu hören die Messe Eines von unsere Leut'. Man denke sich dazu noch etwa ein Fräulein Schminkeles mit einem unverdaulichen — Pardon! unvermeidlichen 0 salutaris und einen Herrn Meier Levy mit einem rührenden Ave Maria — dann können wir's noch erleben, daß der Priester am Altäre vielleicht der einzige Christ in der Kirche ist, da die Kirchenbesucher aus Religion, ohnehin nicht besonders zahlreich, durch oben genannten Schwindel auch noch vertrieben werden, damit sie sich wenigstens nicht zu ärgern brauchen ... ." Wir müssen natürlich die Richtigkeit der Nachricht, daß jetzt Juden die Kirchen überfüllen, dahingestellt sein lassen; nur wundert uns nicht wenig, daß die Kirchenzeitung gerade es ist, welche eine solche Thatsache bedauert— wenn von hundert verirrten Schäflein bei solcher Gelegenheit auch nur zwei sich der katholischen Kirche wieder zuwenden, welch reicher Gewinn im Berhältniß zu der Unsummen, die für Judenbekehrungen vergeblich hinausgeworfen zu werden pflegen! Die Kirchenzeitung scheint übrigens nicht zu wissen, daß zwei der bedeutendsten Stücke geistlicher Musik von einem Juden, dem Schöpfer der Oratorien Paulus und EliaS sind. Der anrüchige Hep- Hepton des oben citirten Artikelchens weist übrigens unzweideutig auf den ewigen Doctoranden Wiesingcr als den Verfasser hin. Es müßte noch entschieden werden, ob die von einem Juden componirte Messe oder die sattsam bekannten würdelosen und scandalösen Fasten predigten gewisser Zeloten die Heiligkeit der Kirche mehr zu verletzen im Stande seien." So weit die „Presse". Abgesehen von dem Tone, den die „Kirchenzeitung" anschlägt, können wir ihr in dem gegebenen Falle nicht Unrecht geben. Es ziemt sich durchaus nicht für Juden, sich dermaßen dem katholischen Cultus als Werkzeuge zu bieten und an ihm sich zu Letheiligen. _ Von London schriebt man: Der Kaiser von Brasilien amüsirt sich hier auf seine Weife. Zu einer Zeit, wo selbst die Arbeiterclassen noch im Bette liegen, macht er seine Morgenspaziergänge, kehrt dann zum Frühstück nach feinem Hotel zurück und macht darauf, von seiner Gemahlin oder auch nur von seinem Kammerherrn begleitet, die Runde, um alle möglichen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt und Umgegend in Augenschein zu nehmen. Sein letzter Besuch galt einer der hiesigen Synagogen und zwar wohnte er dem Gottesdienste bei, welcher wegen der Anwesenheit eines so hohen Gastes eine besondere Gestaltung annahm. Die Hofnachrichten besagen gelegentlich dieses Besuches, eö sei das erste Mal, daß ein gekröntes Haupt in England einem israelitischen Gottesdienste beigewohnt habe und der Kaiser habe an den heiligen Handlungen um so innigeren Antheil genommen, als er im Hebräischen vollständig bewandert sei. Verlag von Damngariner'S Duchbandlnrrg in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redacteur ttr». H. Lvtze.

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