Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1871)
- Date
- 1871-08-08
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
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633 ncrc Berührung zwischen den verschiedenen Disciplinen erkennbar wird und ein organischer Zusammenhang auf dem ganzen Gebiet der Wissenschaft zu Tage tritt. Nickt minder intereffant ist dabei die Wahrnehmung von einer gewissen geistigen Verbindung und Uebereinstimmung, welche sich zwischen verschiedenen Völkern in Bezug auf religiöse und sittliche Vorstellungen offenbart. Satzungen und Gebräuche, deren Ursprung man bei einem bestimmten Volke voraussetzt, erscheinen zu gleicher Zeit oder, früher bei Einern andern, und dem denkenden Geist eröffnen sich dadurch neue Perspectiven, neue Gesichtspuncte der Forschung und Erkenntniß. Vor Allem aber erzielt sich daraus die Thatsache der Wechselwirkung, in welcher schon die Völker im Allerthum, wenn auch nach ihrer besondern Eigenart, religiöse Anschauungen übereinstimmend sich bildeten und ausgestalteten. Zn dieser Hinsicht steht das jüdische Volk auf dem Mittlern Boden der Verhältniffe, da es gerade in den beiden Perioden seines Nationallebens, welche zumeist entscheidend für seine religiösen Vorstellungen und Einrichtungen wurden, in durchgreifender Berührung mit andern Völkern stand. Aegypten am Anfang, Babylonien, Persien, Griechenland, Rom später verfehlten ihren Einfluß nicht auf die Geistesrichtung Israels, wie andererseits auch dieses von seinem ureigenen, reichen Leben jenen mittheilte und ihre Vorstellungen beeinflußte. In soweit nun der Empsindungsgehalt des jüdischen Volkes sich in Sprüchwörtern, Fabeln, Gebräuchen widerspiegelt, welche Talmud und Agada aufbewahren, sind in neuerer Zeit von Dukes und zuletzt von Oppenheim überraschende Parallelen in den Literaturen anderer Völker nachgewiesen worden. Gleichwohl fehlte es an einem ähnlichen Nachweis in dem engern religiösen Bereich, und vor Allein war das geistige Verhältniß nicht hinreichend klar, in welchem zur Zeit der agadischen Religionsvorstellung das jüdische Volk zu dem persischen stand; der Antheil war nicht ausgesprochen, den das eine oder das andere an der Fixirung der religiösen Ideen hatte; wem die Urheberschaft daran gebührte, war zweifelhaft. Als einen Beitrag zur Klarlegung dieser Punctc ist die kleine Schrift anzusehen, die uns vorliegt. Ter gelehrte Verfaffer, dem wir schon wiederholt auf dein Gebiete der orientalischen Forschung begegnet sind, weist die Uebereinstimmungsmomente zwischen dem zendischen Huna mit der Darstellung der Genesis von Cap. 2 bis 12 nach und gelangt zu dem Resultate, daß die ganze Mythe über 9)una einerseits der Reflex der biblischen gleichlautenden Idee über Adam sei; andrerseits die Mma- und Meschiasage den jüdischen Mythophanten zur Folie gedient habe, um gemäß den aus dem Zarathustrischen Ideenkreis gewonnenen Anregungen dir Adamslegende auszugestalten und mit den Gebilden einer lebhaften Phantasie zu umgeben. Die Untersuchung ist gründlich geführt, ohne daß der Klarheit der Darstellung dadurch Eintrag geschieht. vr. 6. Die verschiedenen Gefichtspnncte. Es war vorauszusetzen, daß die Wortführer der sg. orthodoxen Partei mit ihrer gewohnten ultramontanen Rücksichtslosigkeit und Unanständigkeit sowohl vorher allen möglichen Schimpf und Bann auf diejenigen schleuderten, welche die Synode in Augsburg besuchen würden, als auch nachher das Kriegsgeschrei gegen dieselben und ihre Beschlüffe erhoben und recht laut ihre Schlachtdrommete erschallen ließen. Jndeß sind die eigentlichen Sturmzeiten auch für diese Art Lärmens vorüber, und die neuen Auflagen der Proteste u. s. w. von 1844 werden immer schwächer und schwächlicher. Einige Zeit, und es ist vergessen. Ohne berufen zu sein, die Beschlüsse der Synode zu vertheidigen, können wir doch behaupten, daß die Wortführer dieser Partei auch diesmal bewiesen haben, daß es ihnen nicht um die Sache, sondern allein um das Geschrei zu thun ist, das sie erheben können und wodurch sie die Aufmerksamkeit ihres Publicums auf ihre Personen ziehen und wach erhalten möchten. Denn wäre es ihnen um die Sache selbst zu thun, warum sind sie nicht hingegangen? warum sind sie, was ihnen so leicht gewesen wäre, nicht mit einer größern Zahl Anhänger hingegangen, und die Sache wäre abgethan gewesen? Hätten sie zu den 50 Reformern der Versammlung 00 ihrer unbedingten Anhänger hingeschickt, und diesem Verfahren stand nichts entgegen, so wäre keiner der Beschlüffe zu Stande gekommen. Doch dieses Manövre wäre eine Thal gewesen, und hätte die Gelegenheit genommen, sich nachträglich zum Schutze der bedrohten Religion überaus wichtig zu machen — und darum unterblieb, was doch so einfach gewesen wäre. Es ist nicht unsre Absicht, wenigstens jetzt noch nicht, die einzelnen Beschlüffe der Synode zu Augsburg zu kritisiren, sei es zu vertheidigen oder anzufechten. Aber wir fühlen die Nothwendigkeil, über alle diese Vorgänge