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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-01 · Heft 31 (1.8.1871) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 31 (1.8.1871)
Date
1871-08-01
Page
Seite 615 (sequence 7)
Language
German
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615 aus welchen ein Philosophen» aufgeschossen. Viele sonst dunkle oder doch schwer faßliche Aussprüche werden dadurch verständlich, wenn man sie in ihrer Gleichheit, Aehnlichkeit oder Analogie bei früheren Denkern aufgestellt sieht, wenn man sich dabei die Klarheit und Unbefangenheit bewahrt, das Unterschiedliche und Andersgewordene zu erkennen und festzuhalten. Wir sagen daher dem Verfasser unseren Dank und halten seine Schrift für einen wahren Fortschritt. Nebenbei zeigt es sich hier wieder»», wie ungerechtfertigt der Ausspruch Munks ist, den er allerdings vor seinen letzten Arbeiten gethan, daß der jüdische Stamm keine Philosophen hervorgebracht habe, ein Ausspruch, gegen welchen wir da»nals nachdrücklich auftraten. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 23. Juli. lPrivatmitth.) Sie werden aus den öffentlichen Blättern ersehen haben, welche allgemeine Sensation das durch die A. Z. d. I. bekannt gewordene Verfahren des Generals von Döbschütz gegen einen jüdischen Unterofficier und seine dabei gefallene Aeußerung gemacht hat. Es sott, »vie glaubhaft versichert wird, eine Untersuchung deshalb eröffnet »vorden sein. Glauben »vir nun auch nicht, daß diese zu einem bedeutenden Resultate führen »verde, so ist cs doch schon befriedigend, daß derartige Vorfälle gegcnlvärtig angethan sind, von »naßgebender Seite nicht mit Stillschweigen übergangen zu werden. Fügte doch selbst die Kreuzzeitung zu dein ihrer Zeitung entlehnten Artikel kein Wörtchen hinzu. Was hätte dieses Blatt vor fünfzehn Jahren noch für Randglossen dazu ge- »»»acht! Jndeß »nüssen wir cs dein alten tapferen General Dank wissen, daß er so mit der Sprache herauskam, während er stillschlveigend dasselbe hätte thun können, ohne daß er dafür irgendwie verantwortlich hätte ge»nacht »verden können. Je öfter dergleichen Ansichten und Vorkoininnisse von der öffentlichen Presse besprochen werden, desto eher »vird den Vorurtheilen die Spitze abgebrochen, und inan gelvöhnt sich an die Verwirklichung von Rechtszuständen, die zuerst theoretisch gebilligt »verden, dann aber auch unabwendbar ihre praktische Erfüllung fordern. — Auch die Witzblätter haben sich der Sache schon bemächtigt und z. B. die „Berliner Wespen" bringen z»vei schlechte Bildchen, in welchen der Unterschied versinnbildlicht »verden soll, »velcher z»var nicht beiin „Avanciren" (tut Gefecht), wohl aber beim „Avancement" gemacht »vird. . Von der Elbe, im Juli. (Privatmitth.) Die Unparteilichkeit, die Ihr Blatt nicht blos an der Stirn trägt, sondern auch stets zu bewähren strebt, läßt mich für die folgenden Beinerkungen einen Raum in demselben erwarten. Sie haben »viederhott berichtet, »vie die französisch-jüdische Presse sich über den Patriotisinns der deutschen Israeliten höchlich verwundert unb höhnisch ansläßt, da die Inden im deutschen Reiche und insonders in Preußen noch so vielen Zurücksetzungen ausgesctzt seien, und ebenso ist cs eine oft gehörte Aeußerung, daß die elsässischen Juden sich dnrch die Annexion ihrer Provinz urn so schmerzlicher be»vegt fühlen müßten, da sie ihre Zukunft in staatsbürgerlicher Beziehung mehrfach bedroht glauben im Berhältniß zum französischen Regime, das sie so völlig gleichgestellt hatte. Sie haben mit Recht dagegen hervorgehoben, daß der Patriotismus ein naturwüchsiges Gefühl ist und aus der Tieft unserer Empsindungswelt entspringt, und deshalb von äußeren Uinständen und Verhältnissen nicht bedingt, »oeder vergrößert noch vermiiidert »vird. Wo das Vaterland in Gefahr steht, wo es sich urn das Heil der ganzen Nation und des Staates handelt, da sprechen die einseitigen Interessen des Einzelnen nicht mit und dürfen es cs nicht. Man muß sich »virklich »vundern, daß »msere Nachbarn jenseits der Mosel und der Vogesen dies nicht begreifen »vollen. Im Gegeritheil gereicht es den deutschen Juden/zur Ehre, solche Rücksichten gar nicht empfunden zu haben. Von da ab, gestehe ich aber offen, haben jene Leute, haben die elsässischen Juden, von denen ein deutscher Patriotismus doch gar nicht gefordert »verden kann, nicht Unrecht. Ich lege keinen Werth darauf, daß in örtlicher und industrieller Beziehung und in den allgemeinen staatsbürgerlichen Rechten die deutschen Juden ihren christlichen Mitbürgern gleichstehen. Wie? sollte Deutschland etwa noch zu Rußland, Rumänien und dem ehemaligen Kirchenstaat gehören, und ist ihm ein Verdienst daraiis zu machen, daß es uns nicht niehr in Ghettis hält, Provinzialbarriören für uns anfstellt, uns in den Ge»verben beschränkt und uns das Wahlrecht versagt, welches letzter

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