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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-01 · Heft 31 (1.8.1871) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 31 (1.8.1871)
Date
1871-08-01
Page
Seite 614 (sequence 6)
Language
German
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mit negativen Objecten beschäftigt hat, während ich keine positive, weckende und belebende Idee, keinen wirtlich productiven Gedanken hervortreten oder dock schöpf.-.isch auffaffen und befruchten sah. Ich will hiermit das Bedürfniß nach Abschaffung von Mißbräuchen, nach Läuterung und Klärung nicht verkennen, überhaupt ein kritisches Urtheil nicht gefällt haben; aber nach meiner Empsindungsweife würde es mich sehr erhoben und gestärkt haben, wenn ich aus dem Schoße der Versammlung eine für das Leben fruchtbare, die schwankende Ueberzeugungstreue festigende und fesselnde Idee hätte hervorgehen sehen. literarischer Wochenbericht. Berlin, 21. Juli. Zu dem zweihundertjährigen Jubiläum der Berliner Gemeinde wird eine Geschichte derselben in zwei Theilen von dem jungen Gelehrten Dr. Ludwig Geiger gedruckt. Der erste Theil, circa 12 Bogen stark, enthält nur Text und ist zur Vertheilung an die Gemeindemitglieder bestimmt; der zweite, circa 15 Bogen stark, enthält Ausführungen und Anmerkungen und wird separat erscheinen. Bonn, 23. Juli. „Das Judenthum und seine Aufgabe im neuen deutschen Reich. Sendschreiben an die deutschen Juden von einem Glaubensgenossen. Leipzig, Oskar keiner. 1871." Diese Broschüre, welche mit gesundem Sinn und in lebhafter Form die Stellung der Juden im neuen deutschen Reiche, namentlich den den Juden oft vorgeworfenen Kosmopolitismus, und wie dieser, wenn er der reckte ist, den Patriotismus nickt ausschließt, sondern stärkt, bespricht, ist eine dringende Aufforderung, dem der Verwirklichung mit starken Schritten sich nähernden projectirten deutsch-israelitischen Gemeindebnnd sich anzuschließen. Unfern Lesern sind die Ziele dieses Verbandes und die Gründe, die für seine Bildung sprechen, schon zur Genüge bekannt, so daß wir sie nicht zu wiederholen, sondern nur das vorliegende Schriftchen dringend zu empfehlen brauchen. — „Zur Genesis der Lehre Spinoza's. Mit besonderer Berücksichtigung des kurzen Tractats „Bon Gott, dem Menschen und dessen Glückseligkeit" von Di-. M. I o el, Rabbiner der israel. Gemeinde zu Breslau. Breslau, Schletter, 1871." Wir haben in Nr. 31 des vor. I. (S. 011) über eine Abhandlung des Dr. Joel in Breslau „Spinoza's Theologisch-Politischer Tractat, auf seine Quellen geprüft," berichtet, durch welche das spätere Verhallen Spinoza's zum Judenthume und zu den Juden beleuchtet und zugleich erwiesen wurde, wie Spinoza auf die jüdische Literatur zurückging und sie benutzte, letzteres ohne Quellenangabe. Die Aufgabe, welche sich Dr. Joel in dieser zweiten, durch große Belesenheit und philosophischen Scharfblick ausgezeichneten Abhandlung gestellt hat, ist wesentlich eine Fortsetzung des Nachweises, wie und wo Spinoza auch in seinen philosophischen Werken mit den Ansichten der jüdischen Religionsphilosophen, namentlich dem Maimonides, Gersonides und Cresca, in Uebereinstimmung blieb und sich ihrer Sätze oft dem Geiste, bisweilen aber auch dem Wortlaut nach bediente. Geben wir unsere Ansicht hierüber mit wenigen Worten, so unterscheiden wir bei Spinoza drei Perioden: in der ersten machte er sich mit den jüdischen Religionsphilosophen aufs Genaueste bekannt, und in der Kraft und Schärfe seines eigenen Geistes erkannte er nicht nur ihre Schwächen, sondern zog aus ihnen Consequenzen, die weit über sie hinausgingen. In der zweiten lebte er im Cartesianismus; aber theils durch die aus den jüdischen Religionsphilosopht'n gewonnenen Grundanschauungen, theils wiederum durch die Selbstständigkeit und Schärfe seines Geistes erkannte er die Schwächen und Widersprüche dieses Systems, und gelangte allmälig zu der Herausarbeitung, Bildung und Entwickelung seines eigenthümlichen Philvsophems. Zu diesem Resultate führten ihn aber eben die jüdischen Religionsphilosophen, die ihn innerhalb des Cartesianismus nicht verließen und auf sein originales System ihren Einfluß übten. Zu dieser Erkenntniß trägt die vorliegende Schrift ein Großes bei und hat sich deshalb ihr Verfasser ein sehr bedeutendes Verdienst erworben. Er konnte auf Grund seiner Beweisführung (S. 51) sagen: „So ist Spinoza nicht blos bei seinem Gottesbegriff, sondern auch bei seinem Schöpfungßbegrisf als jüdiscker Philosoph, oder doch als Fortsetzer jener jüdischen Denker anzusehen, deren Namen wir hier oster erwähnten," und zum Schlüsse hinzufügen: „Wir glauben hier gezeigt zu haben, wo in Spinoza Cartesianisches und Jüdisches sich getroffen und durch Gährung in seinem Geiste ein Neues gebildet haben." Dies erschöpft jedoch nach unserer Meinung die Wirksamkeit dieser Schrift nicht. Wer mit diesem Gebiete vertraut ist, weiß, wie viel cs zum Verständnis; eines Philosophen beiträgt, genau die Wurzeln zu kennen,

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