Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-01 · Heft 31 (1.8.1871) · p. Seite 612

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 31 (1.8.1871)
Date
1871-08-01
Page
Seite 612 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226830--29710-3252561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

612 nimmt, daS ihm aus dems Gesichtßpunct der Gesammtheit in diesem Maße nicht zugestanden werden kann. Es muß dies doch einmal ausgesprochen werden, mag es gefallen oder nicht.*) *) Diese Herren, welche „den persönlichen Gott" verneinen wollen, wenn sie überhaupt wissen, was darunter zu verstehen ist, können sich nicht einmal auf Spinoza berufen, welchem mit völligem Verkennen der wahren Ansicht desselben Friedrich Heinrich Jacobi mit dem Schlagworte begegnen wollte: Spinoza habe keinen persönlichen Gott. DaS gerade Gegentheil fand statt, und bei Spinoza hat Gott viel mehr Wesenheit als die Welt. Mit Recht sagt Joel: „Spinoza sagte nur mit den früheren jüdischen Philosophen, daß das unendliche Wesen, welches alles befaßt, kein Mensch sei und auch nicht nach Analogie einer solchen Kleinigkeit, wie der Mensch es ist, ausgedrückt und aufgefaßt werden könne." Aus einem Schreiben eines Rabbiners zu New- 2)ork vom 30. Juni an uns, welches die Vorgänge, die uns nunmehr hinlänglich bekannt sind, schildert, fügen wir folgende Stelle bei: „Eine Anzahl von verschiedenen Richtungen angehörenden und bei jener Conferenz nicht betheiligten Rabbinern hat sich darum veranlaßt gesehen, einen gemeinsamen Protest gegen die Conferenz und gegen jene in deren Mitte gethanen, das Judenthum wahrhaft schändenden Aeußerungen in die Öffentlichkeit zu senden. „Da sich wohl denken läßt, daß die Orthodoxie in Europa von diesen hiesigen Vorgängen Capital zu machen suchen wird, so consiatire ich die Thatsache, daß gerade das die entschiedenste Reform vertretende Organ, die JewiSh Times, es war, welches zuerst und nachdrücklich gegen jene schmachvollen Aeußerungen loszog und im Namen des Judenthums dagegen protestirte. Das orthodoxe Blatt „Jewish Messenger" ließ wohl über das Eine und Andere, das in der Conferenz verhandelt und beschlossen worden, Stoßseufzer vernehmen, bemerkte aber in Bezug auf die Jnabredestellung der Persönlichkeit Gottes „jedes jüdische Kind wisse, daß es keinen persönlichen Gott giebt." In seiner Unwissenheit und Oberflächlichkeit verwechselte nämlich dieses Blatt die Unpersönlichkeit mit der Unkörperlichkeit Gottes. Diese orthodoxe Bornirtheit ist auch von vr. Iastrow .im Hebrew Leader in einem vortrefflichen gegen die Conferenz und jene in ihrer Mitte gethanen Aeußerungen gerichteten Artikel gebührend gegeißelt worden." Auch die Rabbiner vr. Samuel Hirsch und Dr. M. Iastrow haben einen Protest veröffentlicht. Uebrigens waren in jener Versammlung höchstens vier oder fünf Männer, welche mit Recht auf den Titel Rabbiner Anspruch machen können. Sencht über -ie zweite Synode, in. Vorbemerkung. D,a uns mehrfache Zuschriften zugekommen sind, die nach Ausburg adressirt waren, und wir weder das Verdienst Anderer uns aneignen, noch die Verantwortlichkeit für Andere übernehmen wollen, so bemerken wir noch einmal, daß wir der zweiten Synode nicht beigewohnt haben. Herr Rabbiner vr. Hochstädter in Ems hatte das Referat über die Synode für diese Zeitung mit freundlichster Bereitwilligkeit übernommen. Von ihm erhielten wir, was wir bis jetzt berichteten. Leider wurde der gesch. Correspondent unpäßlich und mußte sogar die Synode vor ihrem Schlüsse verlassen. Ueber den letzteren haben wir daher nur Folgendes zu berichten. Die Redaction. Am Sonntage (den l6. Juli) und Montag Vormittag wurden vertrauliche Besprechungen gehalten, um über die noch vorliegenden Gegenstände sich schneller zu einigen und dann in kurzen öffentlichen Sitzungen Montag von 11—12 und 5—6 Uhr die Abstimmungen ohne weitere Discussion vorzunehmen: Die Gegenstände dieser Berathungen betrafen die Beschneidungsfrage, einige allgemeine Resolutionen, die Wahl von Commissionen u. dgl. In der Beschneidungsfrage wurde beschlossen: Indem die Synode die hohe Wichtigkeit der Beschneidung anerkennt, erklärt sie: daß ein von einer jüdischen Mutter geborener aus was immer für einem Grunde unbeschnitten gebliebener Knabe als Jude anzusehen und rituell zu behandeln sei, indem sie zugleich das Vorkommen der Renitenz beklagt. Der Text der beschlossenen Resolutionen liegt uns noch nicht vor. Es wurde beschlossen, die nächste Synode erst nach zwei Jahren abzuhalten. Der Vorsitzende, Herr Professor vr. Lazarus, sprach zum Schlüsse in gewohnter, würdiger und beredter Weise, und Herr Oberrabbiner Löw erwiederte ihm im Namen der Versammlung, den Dank aussprechend für die ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen. Augsburg, 19. Juli. (Privatmitth.) , Sie wünschen von mir einige Blicke auf die Physiognomie derallhier abgehaltenen und am 17. geschlossenen zweiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.