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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-25 · Heft 30 (25.7.1871) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 30 (25.7.1871)
Date
1871-07-25
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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V 599 liance israelite universelle, der sich jedoch selbstständig auf eigne Füße stellen will. Als ersten Act will er eine Petition für die Juden in Odessa an den Kaiser von Rußland richten. (Aehuliche Bemühungen für das Schicksal unsrer Glaubensgenossen in Rußland sind auch in Deutschland im Zuge. Redact.) Italien. Bonn, 12. Juli. (Privatmitth.) Wir erhalten aus Padua die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Herrn.Professors LeliodellaTorream 9. Juli durch die Herren Söhne des Verewigten, Dr. Michele und Eucardio della Torre. Diese Nachricht bewegt uns tief, da wir seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit dem Verstorbenen in Briefwechsel standen und ihn auch als Privatmann hochachten gelernt haben. Mit ihm ist der andere bewährte Lehrer an der Rabbinerschule zu Padua geschieden — der eine war S. D. Luzzatto — was für diese Anstalt gerade unter den jetzigen Umständen ein unersetzlicher Verlust ist. Wir ersuchen unseren gesch. Corrcspondenten „aus Oberitalien" um eine ausführliche Biographie des verklärten Freundes.. Rußland. Petersburg, im Juli. Die übertriebensten Gerüchte gingen seit dem Aufstande in Odessa durch das Land, und die russischen Blätter machten sich zu ihren Organen. Es ist nichts davon in Erfüllung gegangen, aber als Zeichen der Zeit und der Stimmung sind sie doch werth, registrirt zu werden. Die Petersburger „Börsenzeitung" hat in letzter Zeit, wie aus Warschau unter'm 24. Mai berichtet wird, nacheinander mehrere der Redaction „Vom Don" zilgesandte Briefe veröffentlicht, worin mitgetheilt wird, daß in ganz Südrußlaud eine Verschwörung gegen die in Städten wie auf dem Lande dort zahlreich angcscssclien Judell bestehe, welche die Ermordung derselben bezwecke, Ulld daß die Ausführung des sorgfältig vorbereiteten Mordplanes auf den ersten Pfingsttag bestimmt sei. „Die Erzählung von den Thaten der Griechen und Einwohner Odessa's — heißt cs in einem dieser Briefe — erweckt im südrussischen Volke und namentlich in den Kosaken wilde Instinkte, und man spricht von der bevorstehenden Judeumetzelei wie von einer llnzweifelhaften Sache. Unser Volk zeichnet sich bekanntlich nicht durch Sanftmuth des Charakters auS und man kann Alles von ihm erwarten. Die Juden, welche die ihnen feindselige Stimmung nrerken, suchen den Ausbruch derselben dadurch zu verhüten, daß sie sich möglichst in ihren Wohilungen halten, um durch ihren Anblick das Volk nicht noch mehr zu reizen." Ein anderer Eorrespondent führt zum Beweise der judenfeindlichen Stimmung der Don'scheu Kosaken folgende Thatsache an: ....... „Ich führ Ende April nach Tscherkassy, wo ich zufällig einen Haufen Kosaken traf, die über die Ereignisse in Odessa lebhaft debattirten. Der zur Wuth entflammte Haufe schrie aus voller Kehle: „Nieder mit den Juden! Sie haben keine Rechte!" Ein Herr, der bei dieser Scene gegenwärtig war, wollte die Juden in Schutz nehmen, seine mit aller Ruhe gesprochenen Worte riefen aber einen solchen Sturm der Entrüstung hervor, daß er gezwungen war. sich an die Wand zu stemmen, um die energische Attaque der wuthentbrannten Söhne des Don auszuhalten." BemerkenSwerth ist, daß auch kein einzigerdieser Correspondenten „Vom Don" ein Wort der Entrüstung über die von ihm enthüllte Verschwörung gegen die Juden äußert. Aus Warschau wird der „P. Z." unter'm 29. Mai berichtet: Vor einigen Tagen herrschte hier große Aufregung unter den niederen Klassen der jüdischen Bevölkerung. Es hatte nämlich ein Mann mehreren Juden gegen das Versprechen tiefster Verschwiegenheit und gegen Zahlung eines Rubels das Geheimnis; anvertraut, daß am jüdischen Pfingstabend eine Abschlachtung der Juvenfamilien, die nicht mindestens 1900 Rubel baares Vermögen Nachweisen könnten, stattfinden werde. Da nun das Pfingstfest vorübergegangen, ohne daß Jemandem irgend etwas geschehen, so haben die Bethörten aus Aerger wegen der unnöthig ausgestandcuen Angst, wohl aber auch über den aus Leichtgläubigkeit gezahlten Rubel die Sache zur Oefsentlichkcit gebracht, und durch ihr Mitwirken ist es gelungen, den Verbreiter der falschen Schreckensnachricht zu ermitteln und zu verhaften in dem Augenblick, wo er die Reise nach Galizien, das sich als seine Heimath herausgestcllt, antreten und sein erpreßtes Geld — cs sollen gegen 180 Rubel sein, die er sich durch seine pluntpe Erfindung zu verschaffen gewußt — in Sicherheit bringen wollte. Die V o r g ä n g e i n Odessa 30*

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