Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-25 · Heft 30 (25.7.1871) · p. Seite 598

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 30 (25.7.1871)
Date
1871-07-25
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226829--29695-3252545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

598 einrichtungen aber für ganz kleine Gemeinden nicht mit gutem Erfolg möglich gewesen seien. In der größten Gemeinde Walldorf, wo man in fast seder Hinsicht den jüdischen Interessen viel Sorgfalt widmete, verschiedene Vereine (Armen-, Handwerkerlehrlings - und Frauenverein) gründete, Kosten zur Verbesserung des Chors rc. nicht scheute, erlahmte auch das wahre Interesse und wich der Gewohnheit. Die bekannten Gesänge wurden von der Gemeinde mitgebrummt und die neuen nie tadellos ausgeführt (um nicht ein härteres Urtheil zu fällen). So steht denn heute der Gottesdienst nicht besser und schöner, sondern eher schlechter als vor 20—25 Jahren. Keine Hand rührt sich zu weiterer Reform. Warum? Die Rührigkeit des Landrabbiuers Hoffmanu ist mit ihm zu Grabe getragen worden und in dieser Hinsicht kein Ersatz für ihn gekommen. Die Gemeindeangehörigen selbst aber theilen sich in verschiedene Classen. Die Orthodoxen, und es giebt Gemeinden, wo man den Ansichten des „Israeliten" stark huldigt, wünschen keine Reformen, wenn sie nicht etwa gar die zum Gesetz gemachten Reformen beseitigt zu haben wünschen. Die Radicalen, d. h.- solche, welche keine Zeit und kein Interesse haben an Religion und was mit ihr in Zusammenhang steht, zu denken, hatten sich fern von aller Tätigkeit in jüdischem Interesse, um so mehr, da ja der Handel ganz frei und 'sogar die Wuchergesetze aufgehoben sind. Unter der Mittelpartei aber giebt es Wenige, welche den Muth und die Kraft haben, mit Energie vorzugehcn und Besseres zunächst nur zu wünschen. Auch giebt es in den zwei letztgenannten Classen wohl Biele, welche, wenn sie Interesse für das Iudenthum und seinen Cultus und sein Gemeindewcsen zeigen, sich zu compromittiren glauben. Unter solchem Umständen wäre nur eine Hülfe für uns möglich, wenn das Landrabbinat mit Energie zur Revision der Synagogenordnung schritte und sich die besten Kräfte aus dem Lande zu seiner Arbeit cooptirte. An Sinn für den Fortschritt fehlt es den: Landrabbinat nicht, wie wir bei vielen Gelegenheiten Beweise gehabt haben. Schließlich muß ich auch noch der Schulen gedenken und es rühmend erwähnen, daß die jüdischen Schulen den christlichen an deniselben Orte stets weit voraus sind und als Muster vorgestellt werden. In den Städten giebt es keine jüdischen Elementar-, sondern Religionsschulen, und da der Zuwachs der Stadtgemeinden zum Nachtheil der Landgemeinden erheblich ist, wird man bald nur noch Religionsschulen haben. Der Lehrermangel hat das Eingehen einer jüdischen Elementarschule auf einen: Dorfe zur Folge gehabt, und bald dürften Mehrere folgen. An solchen Orten giebt es dann Simultanschulen und der christliche Lehrer giebt seinen christlichen Schülern Religionsunterricht, während der Lehrer einer Nachbargemeinde den jüdischen Religionsunterricht ertheilt. Solche Schulen haben viel Gutes und tragen zur endlichen Beseitigung des Rischus wesentlich bei. — Also auch der Lehrermangel kann Gutes bewirken. Ocstcrrcichischungarische Monarchie. Aus Oesterreich, im Juli. (Privatmitth.) Es ist sehr erfreulich, daß nach dem Vorgänge von Wien auch in Prag und Pest sich Vereine zur Unterstützung mittelloser israel. Studirenden gebildet haben. In einer Versammlung des Prager Vereines wurde über die Periode von: Juni 1870 an berichtet. Die Einnahmen beliefen sich auf 2230 fl. Die Zahl der Mitglieder ist auf 10 Stiftende, 260 Beitragende und 14 ordentliche gestiegen, so daß die Wirksamkeit des Vereins eine recht erfreuliche zu werden verspricht. Ebenso fand am 25. Juni zu Pest eine constituirende Generalversammlung unter dem Vorsitz des Dr. Ignaz Hirschler statt. Die Angelegenheit hat bereits eine Geschichte, die von den jüdischen Wirren in Ungarn afficirt war. Schließlich bildete sich ein provisorisches Comits, dem schon einige Geldmittel zu Gebote standen, und das auch bereits einige Stipendien vertheilte. Freilich konnten unter 78 wohlbegründeten Gesuchen nur 9 mit Stipendien bedacht werden. Es sind bereits 265 Mitglieder beigctreten und das Vermögen belief sich auf 1476 fl. baar und 10,250 fl. an Effecten. Auf Stipendien wurden 900 fl. verwendet. Großbritannien. London, im Juli. Unter dem Vorsitze des Herrn Valey bildet sich jetzt hier ein Zweigverein der A4-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.