Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1871)
- Date
- 1871-07-25
- Page
- Seite 595 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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595 in derselben nicht bloß Lehrmeinungen, sondern auch Handlungen aufgeführt werden, welche des Anthcils an der zukünftigen Welt berauben, während doch Maimonides lediglich Lehrmeinungen aufführt, also dies Argument nicht gegen ihn spricht. Jene Mischna bedarf aber noch einer gründlichern Betrachtung, als ihr in der Broschüre zu Theil wird. Denn dieselbe stellt ganz allgemein drei Lehrmeinungen als solche voran, welche des Antheils an der zukünftigen Welt verlustig machen; dann erst führt sie Ansichten einzelner Personen über Handlungen an, welche dieselbe Verdainmniß nach sich zögen, und fügt im weitern Verlaufe des Abschnittes Personen, ganze Geschlechter und Kategorien aus der Geschichte und dem Gesetze hinzu, welche nach ihrer Auslegung der biblischen Ausdrücke gleiches Schicksal gehabt haben und noch haben. Dieser Umstand ist für unsren Gegenstand nicht ohne Bedeu-- tung. Die beiden geschichtliche Thatsachen stehen fest: aber ebenso sicher ist es, daß, wenn das Wort Dogma im weitern Sinne als Meinung, Lehre überhaupt verstanden wird, das Judenihum schon in der h. Schrift bestimmt ausgesprochene Lehren hat, welche untrennbar von seinem Wesen sind und mit deren Leugnung aus dem Judenthume hinausgeschritten wird. Dies leugnet auch die vorliegende Broschüre nicht, nur daß sie, was sie hierüber anführt, viel zu karg bemißt. Möge daher dieser Hader um Dinge, über welche eigentlich alle Welt einig ist, endlich aufhören, und der Gegenstand nicht mehr zu Zwecken der Parteien und der Persönlichkeiten benutzt werden. — „Das Bild der Verlobung Israels mit Gott." Schabuothpredigt von vr. D. Einhorn. NerwHork 1571. Eine geistreiche, wir möchten sagen, witzige Auslegung des bekannten biblischen Bildes, wobei als der Brautring der Sabbath ausgelegt wird und der Redner die Schändung des Sabbaths geißelt. — Eine andere Schabuothpredigt liegt uns vor von Dr. H. Jonas, Hamburg 1570. „Höret, ihr Länder!", in welcher gegen diejenigen Gesetze der Thora, die unsrer Zeit nicht mehr angemessen seien, und gegen die Richtung der lalmudischen Auölegungsweise polemisirt wird. — Zum Friedensgottesdienste wurde gehalten: „Kampf, Sieg und Frieden im Geiste Gottes" von Rabbiner vr. I. H. Jacobson, Marienwerder 157l. Ueber Secharj. 4, 6 in kräftiger und begeisternder Weise. — Antrittsprcdigt von Rabbiner vr. Joseph PerleS, München 1871, über Maleachi 2, 7, wonach der Redner die Forderungen feststellt, welche eine Gemeinde an ihren geistlichen Führer zu stellen berechtigt ist. ES wird dies mit Geist und Herz auSeinanderge« setzt, wenn auch selbstverständlich die eigentlichen Fragen der Zeit auf dem religiösen Gebiete nur angedeutet werden konnten. — „Zur Synode. Ein Ruf an die israelitischen Gemeinden von Adv. Emil Lehmann, Gemeindevorsteher in Dresden. Breslau, Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch) 1571." Die Broschüre enthält eine Kritik der gedruckt erschienenen Referate zur zweiten Synode, welche manchen beherzigenswerthen Wink giebt, ohne freilich einen exclusiven Charakter ganz zu verleugnen. Es ist eine Stimme aus dem Volke gegenüber den rabbinischen Gutachten. Da sie die einzige Schrift zur zweiten Synode aus der Reihe der Synodalmitglieder selbst ist, muß der Eifer des Herrn Lehmann um so mehr anerkannt werden. — „Rabh. Ein Lebensbild zur Geschichte des Talmud. Nach den Quellen dargestellt von vr. M. I. Mühlfelder. Leipzig, Oskar Leiner 187-1." Wir können diese Arbeit als eine sehr gründliche, mit Umsicht und Scharfsinn ausgeführte Biographie jenes talmudifchen Heros sehr empfehlen, und bezeichnen besonders die Capitel über die amtliche und literarische Thätigkeit Rabhs als gelungen und der Berücksichtigung sehr werth. Ausfällig ist die, von der gewöhnlichen allzusehr abweichende Schreibart der hebräischen und chaldäischen Namen und Wörter, die für den Leser oft störend ist. Die typographische Ausstattung ist sehr schön. — Zum Schluffe dieser kurzen Referate wollen wir erwähnen, daß auch für das Jahr 5632 der „Jllustrirte israelitische Volkskalender von Pafcheles" zuerst unter seinen Brüdern erschienen ist und recht viele interessante Beigaben enthält. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 16. Juli. lPrivatmitth.i Das Juniheft des „Eeutralblattcs für die gesammte UnterrichtSvcrwaltung in Preußen" enthält in der Aufzählung der jüngst vorgekommencn und landesherrlich bestätigten Stiftungen auch folgende: Der Rentier Simon zu Berlin hat a) den Baruch - Aucrbach'fchen Waisen - Erziehungsanstalten für jüdische Knaben und Mädchen daselbst ein Legat von 6000 Thlrn., und