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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-18 · Heft 29 (18.7.1871) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 29 (18.7.1871)
Date
1871-07-18
Page
Seite 578 (sequence 10)
Language
German
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578 noch dazu aus den verschiedensten Parteien zusammengewürfelt sind. Die Frage ist nun: wird hierdurch die Lage der Israeliten in Rumänien sich bessern? Das „Echo Danubicn" hat, laut seiner jüngsten Nummer (1S6>, keine Hoffnung, weil es unter diesen 117 Anhängern der Negierung mehrere der entschiedensten „Judenfresser" sieht, welche noch dazu allein durch die Begünstigung der Regierung gewählt worden sind. Thatsachcn jüngsten Datums sprechen auch nicht dafür. Ein Schreiben aus Bacau vom 16. Mai theitt mit, daß drei achtbare jüdische Kaufleutc zur Schlichtung einer Differenz zwischen ihnen zwei andere Israeliten zu Schiedsrichtern wählten, durch welche ein Vertrag zu Stande kam. Als sie diesen gerichtlich confirmiren lassen wollten, wurden sie vom Gerichtshöfe abgcwiesen, weil die Juden in Rumänien, wenn auch Eingeborene, Fremde seien und deshalb keine Schiedsrichter sein können. — Dieselbe Nummer bringt einen weitläufigen Artikel über oder vielmehr gegen den amerikanischen Consul Pcixotto. Es scheint uns noch nicht an der Zeit die Wirksamkeit dieses Mannes unsrerseits absprcchcnd zu bcurtheilen, und wir müssen nur des gedachten Artikels erwähnen, weil sich die Nedaction des „Echo Danubien" auf unser Blatt bezieht, indem sie zuerst die von unS von Anfang an beobachtete Reserve gegenüber der Fluth von Lobsprüchen, welche die öffentlichen Blätter - auf Herrn Peixotto brachten, bespricht, und dann die von einem unsrer Eorrespondenten gebrachte Mitthcilung, daß durch den Einfluß des Herrn Peixotto der jüngste Entwurf eines Gesetzes gegen die Juden von der Registrande des Abgeordnetenhauses verschwunden sei, als unrichtig bezeichnet, da jener noch immer in dem Dosier der Kammer vorhanden sei. Herr Peixotto sei, weil er außer der englischen Sprache keine europäische verstehe, gar nicht befähigt, einen diplomatischen Einfluß auszuüben, und habe auch wiederholt erklärt, daß er nur dann interveniren könne, wenn amerikanische Interessen berührt seien, während doch kein einziger amerikanischer Bürger gegenwärtig in Rumänien weile. Weitere Bemerkungen des Redacteurs des „Echo Danubien" übergehen wir. Wir zollen dem, so weit es uns bekannt ist, völlig uneigennützigen und aufopferungsvollen Streben des Herrn Earmellin, RcdacteurS des „Echo Danubicn", Achtung und Anerkennung. Allein wir müssen noch eine weitere Entwickelung abwartcn. Rußland. Russisch Polen, im Juni. lPrivatmitth.) Das Märzheft des vom Ministerium für Volksaufklärung redigirten Journals bringt folgende interessante Mittbeilungen über die Unterrichtsverhältnisse der Juden in Rußland und Polen: „Schulen dreierlei Art sorgen für die Erziehung und Bildung der Juden: 1) besondere israelitische Religionsschnlen, die sich iit fünf Lchrbezirken zu Dorpat, Wilna, Kiew, Odessa und Warschau befinden; 2) die allgemeinen Lehranstalten des Staates, und 3) die jüdischen Privatschulen, welche verschiedene Namen tragen, als Pensionen, Schulen, Jeschibot, Talmud Thora, Cheder. Die für die Juden bestimmten Regierungsschulen sind deshalb ins Leben gerufen worden, weil sich ein großer Thei! von jenen aus religiösen Gründen weigert, ihre Kinder in christliche Schulen zu schicken. Diese Negierungsschulen zerfallen in drei verschiedene Kategorien: in Rabbinerschulen, die dem Gymnasial- Lehrcursus entsprechen; in Schulen zweiter Ordnung, und in Elementarschulen. Rabbinerschulen giebt es im Kaiserreiche zwei: eine in Wilna und die zweite in Zhtomir; in der ersten waren am 1. Januar 1870 474 Schüler, in der zweiten 288. Die Negierungsschulen erster und zweiter Classe werden in vier Lehrbezirkcn (außer dem Warschauer) vom Staate und zwar von den Einnahmen der jüdischen Licht stell er*) (swietsehnoj sbor) unterhalten. Die Zahl dieser Schulen ist noch beschränkt: Schulen erster Classe waren 111 mit 6402 Schülern; Schulen zweiter Classe 5 mit 233 Schülern. Der geringe Besuch dieser Schulen tritt noch craffcr hervor, wenn er mit dem der Chadarim in Verhältniß gebracht wird. Im Kiewer Lehrbezirk z. B. kamen auf 40 Negierungsschulen mit 1446 Schülern 1017 Chadarim (ohne Hansmelamdim) mit 6036 Schülern; im Wilnaer Lehrbezirke aus 49 Negierungsschulen mit 3547 Schülern kamen gar 2563 Chadarim mit 13,377 Schülern. *) Es ist dies eine, unseres Wissens, unter Nikolaus ein geführte Steuer auf die in den Synagogen an Fest- und. Feiertagen gebrannten Lichter, die zu Zwecken des jüdischen Schulimtcrrichts bestimmt wurde.

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