Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1871)
- Date
- 1871-07-18
- Page
- Seite 577 (sequence 9)
- Language
- German
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577 tobt nieder. Da er ehelos und ganz ohne Verwandte in Frankreich war, begrub man ihn auf dem katholischen Friedhof in Pont Levoisc. Man erwartet von seinen Freunden in Paris, daß sie jetzt seine Leiche holen und ihm ein Monument setzen werden. — Der Kampf gegen die Commune hat auch zwei ausgezeichneten Soldaten jüdischer Religion das Leben gekostet, dem Capitän der Artillerie Brandon und dem Commaudanten Theophil Cahen vom 42. rünienregiment. — Der junge Varon Jemmy v. Rothschild von der Nationalgarde der Seine hat die Militärmcdaille für Auszeichnung vor dem Feinde erhalten. — Die Journale fahren fort, die Ertheilung des französischen Bürgerrechts an die eingeborenen Israeliten Algeriens durch das Decret der Regierung der Rationalvertheidigung als die Ursache des Aufstandes der Araber anzuschuldigen, weil sich dadurch die mohammedanische Bevölkerung hintcnangesetzt gesehen haben soll, Es behaupten dies besonders die ultramontanen Blätter und verlangen die Zurücknahme des Decrets. Die Behauptung ist natürlich an sich lächerlich; die Araber würden auch ohne jenes Decret die für den Ausstand günstigen Umstände benutzt haben und werden sicherlich nicht durch die Zurücknahme des Decrets zum Aufgeben des Kampfes bewogen werden. Italien. Nom,! 2nni. Vorgestern war in dem volkreichen Stadtviertel der sogenannten „Monti" ein großer Straßenauslauf. Eine bedeutende Menschenmassc hatte sich vor dem Kloster angesanunelt, das speciell dazu bestimmt ist, die Ncophyrcn ailfzunehrnen. Gensdarmcn und Sichcrheitswachen hielten das eingerannte Thor besetzt und bald wurden drei Nonnen in einen geschlossenen Wagen gehoben, welcher unter polizeilicher Begleitung davonfuhr. Hierauf verlief sich das Volk. Es hatte sich nämlich Folgendes zugetragen: Voriges 2ahr verliebte sich ein israelitisches Mädchen, die Tochter Samuel Ascarelli's aus Nettuno, in einen jungen Katholiken dieses kleinen Drtcs, tvelcher in der Nähe von Porto d'Anzio am mittelländischen Meergestade liegt und zum 'Patrimonium von St. Peter gehörte. Um das Hiuderniß ihrer ehelichen Verbindung zu beseitigen, entschloß sie sich, zur katholischen Religion überzutrcten, und da sie zu diesem Schritte nicht aus die Einwilligung ihres Vaters hoffen konnte, entfloh Enrichetta Ascarelli aus ihres Vaters Hause und aus Nettuno und wurde durch den Beistand der örtlichen Geistlichkeit nach Rom in das genannte Kloster für Neophhten gebracht. Samuel Ascarelli, welcher erst nach mehreren Wochen den Aufenthaltsort seiner Tochter 'ausgeforscht hatte, bemühte sich umsonst, eine Uuterredung mit derselben zu erlangen. Man bedeutete ihm, daß er seine Tochter nicht früher wieder zu Gesicht bekommen werde, als bis sie getauft wäre. Am Charsamsrage vorigen Jahres wurde nun Enrichetta Ascarelli durch den Cardinal Generalvicar Patrizi bei San Giovanni itt Laterans getauft und verblieb seit dieser Zeit in dein für die Neophyten bestimmten Kloster, denn von der Heirath schien nicht mehr die Rede gewesen zu sein, auch wäre Enrichetta , zufolge der Aussage der Nonnen dieses Klosters, berufen gewesen, den Schleier zu nehmen, wenn die italienischen Kanonen am 20. September nicht diesem Plane einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Der Vater des Mädchens verlangte nunmehr von dem Civilgerichte die Auslieferung seiner Tochter und erlangte sowohl von diesem als vom Appellationsgcricht, an welches der Vorsteher des Klosters appellirt hatte, ein günstiges Urtheil. Nachdem sich nun die Polizeibehörde angelegen sein ließ, die Vollziehung dieses Urtheilsspruches, ohne Aufsehen zu erregen, zu erwirken, allein alle gütlichen Versuche an der entschiedenen Weigerung des Klostervorstehers scheiterten, mußte mit Gewalt eingeschritten werden, und nachdem man vorgestern 7 Thüren des Klosters cingerannt hatte, wurde Enrichetta Ascarelli in Gesellschaft von zwei Nonnen ans die Polizeidircction abgeführt. Hier siegten nach etlichen Stunden, und trotz des Zuredens der beiden frommen Schwestern, die Erfühle der Natur, und Enrichetta verließ ihre Nonnenkleider und Nom, um an der Seite ihres Vaters in ihre Heimath und vielleicht auch zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. (Triest. Ztg.) D o ii a u fü r st e n t h ü m e r. Bukarest, 18. Mai. Die Wahlen zum rumänischen Abgeordnetenhause sind, uüc auch aus den öffentlichen Blättern bekannt ist, für die Regierung äußerst günstig ausgefallen, denn unter 150 Deputirten sind ihr N7 gänzlich ergeben, und nur '13 Gegner, welche 29